Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.05.2014

12:46 Uhr

Siemens setzt auf Big Data

„Wir haben keine Angst vor Google“

VonTobias Döring

Joe Kaeser krempelt Siemens um. Außer der Umstrukturierung der Bereiche will er verstärkt mit digitalen Daten Geschäfte machen. In der Cloud macht er damit auch Suchmaschinengigant Google Konkurrenz.

Siemens-Vorstandschef im Interview

Kaeser nennt Details des Konzern-Umbaus

Siemens-Vorstandschef im Interview: Kaeser nennt Details des Konzern-Umbaus

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Düsseldorf/Berlin„Haben wir Angst vor Google?“, fragt Joe Kaeser. „Nein, aber wir haben Respekt“, antwortet der Siemens-Chef sich selbst. Kaeser richtet den großen deutschen Industriekonzern neu aus. Die vier Sektoren des Unternehmens werden aufgelöst, Hierarchien umgekrempelt, das ist seit Dienstagabend klar. Bei der Vorstellung der neuen Konzernstrategie in der Berliner Mosaikhalle am Mittwoch aber wird deutlich: Kaeser setzt voll auf das Geschäft mit der Digitalisierung – und auf die Cloud für Unternehmen.

Es ist eine Warnung, die Kaeser in der historischen Zentrale in Berlin-Siemensstadt ausspricht, an Google und an den US-Erzrivalen General Electric (GE) gerichtet, mit dem sich Siemens derzeit im heißen Kampf um die Übernahme des französischen Unternehmens Alstom befindet. Das Energiegeschäft soll künftig sogar aus der Heimat von GE geführt werden.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Ungewöhnlich ernst präsentiert sich Kaeser in Berlin. Der Manager will Siemens schneller, unbürokratischer und fokussierter machen. Dabei will er mit seinen Vorstandskollegen vorangehen: Kaeser spricht von „ganzheitlicher Führung“ und „ganzheitlichem Management“, es werde „klare Verantwortungen und klare Ziele“ geben. Der Siemens-Chef will dem Unternehmen eine neue Kultur und Werte geben. Mehr Mitarbeiter sollen Aktionäre werden. Außerdem wolle man es „für Kunden wieder einfacher machen, Geschäfte mit uns zu tätigen“. All das soll einen Sinn haben: „Ich persönlich stehe Ihnen dafür gerade, dass die nachfolgende Generation ein besseres Unternehmen weiterführen kann“, sagt Kaeser.

Doch am Mittwoch geht es nicht nur um die Kultur, über die der Niederbayer Kaeser das Münchener Unternehmen definieren will. Es geht vor allem auch um die Strategie und die Geschäftsbereiche, von denen sich der Vorstandschef Wachstum verspricht. Elektrifizierung, Automatisierung, Digitalisierung: Das sind die Stichwörter Kaesers, wenn es um Wachstum geht. Die drei Bereiche bauen bei ihm aufeinander auf, von der Digitalisierung der Welt verspricht sich Kaeser dabei die größten Zuwachsraten.

„Wir werden die Chancen der Digitalisierung (...) ergreifen können und auch ergreifen“, sagt Kaeser. Dazu bündelt Siemens die digitalen Aktivitäten – laut dem Vorstandschef als weltweit erstes Unternehmen. Dahinter stehe die Frage, wie man aus den enormen Datenmengen der Unternehmen Wachstum generieren und ein Geschäftsfeld machen könne.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.05.2014, 13:56 Uhr

„Wir haben keine Angst vor Google“
____________________________________

...zumindest brauchbarer als das Geflenne von Döpfner.

Account gelöscht!

07.05.2014, 14:58 Uhr

Wie blöd kann man sein:
"Kaeser setzt voll auf das Geschäft mit der Digitalisierung – und auf die Cloud für Unternehmen."
Klar, jetzt, wo Amazon, Apple, Google und was weiss ich wer noch alles sich etabliert werden, macht Siemens einen auf "me too".

"Der Manager will Siemens schneller, unbürokratischer und fokussierter machen."
Vor allem fokussierter, indem man ein (für Siemens) völlig neues Ding anfängt, von dem man keine Ahnung hat.


"Kaeser richtet den großen deutschen Industriekonzern neu aus"
Ja, klar, wie immer. Was grad schlecht läuft, wird verkauft, nix neues wird entwickelt, nix sinnvolles wird zugekauft. Das Hinterherentwickeln der Cloud-Aktion wird in spätestens 3 Jahren auch aufgegeben werden, wenn der nÄchste Bereich mal unten ist, sei es wegen der Marktzyklen oder qaus sonst einem Grund, wird der auch abgestosen, und am Ende bleibt ein Werbebüro mit den MArkenrechten und 'ner Banklizenz.

Schöne neue Welt.

Account gelöscht!

07.05.2014, 15:37 Uhr

Zum 1.11.2013 wurde der Zuschuss der Krankenversicherungen zu Hörgeräten fast verdoppelt, von EUR 421,28 auf EUR 784,94 je Ohr!

Erstaunlich, weil die gesetzlichen Krankenkassen für Brillen und Kontaktlinsen in der Regel nicht aufkommen.

Ein Schelm wer vermutet, dass Siemens durch erfolgreiche Lobbyarbeit und willige Helfer den geplanten Börsengang seiner Hörgerätesparte geschickt vorbereitet hat.

Denkbar, dass die Krankenkassen nach einem erfolgreichen Börsengang der Siemenssparte diese Zuschüsse wieder kassieren.

Bis dahin erhält jeder Bundesbürger erst einmal Angebote zu kostenlosen Hörtests.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×