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24.01.2007

11:38 Uhr

Siemens

Tiefe Kratzer im Bild des Vorzeige-Konzerns

VonJoachim Hofer

Erst die Pleite der ehemaligen Handysparte, dann die Diskussion über die saftige Erhöhung der Vorstandsbezüge und zuletzt der Korruptionsskandal: Siemens hat im letzten halben Jahr fast pausenlos für schlechte Nachrichten gesorgt. Experten sind sich einig, dass das Bild des einstigen deutschen Vorzeige-Konzerns in der Öffentlichkeit schwer gelitten hat.

Nur kurz eingeknickt

Nur kurz eingeknickt

MÜNCHEN. Nach Ansicht der Fachleute sollte das Münchener Traditionsunternehmen die Gelegenheit nutzen, um sich ein neues, zeitgemäßes Image zu verpassen.

„Katastrophal wäre es jetzt, nur an der Oberfläche zu arbeiten und mit irgendwelchen Imagekampagnen gegenzusteuern oder gar das Erscheinungsbild und Logo zu ändern“, warnt Klaus-Dieter Koch, Gründer und Geschäftsführer der Nürnberger Markenstrategieberatung Brand:Trust.

Der Strategieexperte rät Siemens stattdessen, seine Marke gänzlich neu zu positionieren. Und das nicht nur wegen der jüngsten Skandale. Denn spätestens mit dem Amtsantritt des neuen Vorstandschefs Klaus Kleinfeld vor zwei Jahren habe sich Siemens grundlegend verändert. Koch: „Früher stand Siemens für Ingenieurskunst, für Erfindungsreichtum, für Qualität, für Seriosität, für Nachhaltigkeit und Verantwortung für die Mitarbeiter. Aber die Welt hat sich verändert, und deshalb ist bei Siemens mit neuen Menschen in Führungsverantwortung auch eine neue Kultur eingezogen.“ Mit neuer Kultur meint Koch den stark an der Rendite orientierten Kurs des Unternehmens. Es komme darauf an, mit diesen neuen Werten in die Offensive zu gehen, sie mit positiven Begriffen zu besetzen.

Tatsächlich wird über Siemens nicht erst seit Aufkommen des Korruptionsskandals diskutiert. Schon seit Kleinfeld im Frühjahr Anfang 2005 an die Spitze kam, hat sich das Bild in der Öffentlichkeit und unter den Mitarbeitern geändert – allerdings zum Negativen. Gewerkschaften und Mitarbeiter beklagten den neuen Kurs. Vom Ende der „Siemens-Familie“, des einträchtigen Miteinanders von Mitarbeitern und Konzernspitze, war die Rede. Die IG Metall protestierte gegen Verkauf und Zerschlagung von Firmenteilen. Zudem sorgte Siemens mit dem Abbau Tausender Stellen in der Kommunikationssparte sowie beim IT-Dienstleister SBS für Unmut. Das Ergebnis: Siemens geriet hoffnungslos in die Defensive.

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