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22.09.2014

08:39 Uhr

Siemens übernimmt Dresser-Rand

Kaeser sticht Löscher aus

Siemens bekommt den Zuschlag für die Übernahme des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand – für knapp sechs Milliarden Euro. Der Schweizer Sulzer-Konzern mit Ex-Siemens-Chef Löscher wirft das Handtuch.

Kaeser und Löscher (Archivbild): Siemens soll angesichts des hohen Preises bisher immer vor dem Kauf zurückgeschreckt sein.

Kaeser und Löscher (Archivbild): Siemens soll angesichts des hohen Preises bisher immer vor dem Kauf zurückgeschreckt sein.

Düsseldorf/Zürich/Stuttgart/MünchenSiemens will den US-Öl- und Gastechnik-Spezialisten Dresser-Rand für 7,6 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 5,8 Milliarden Euro) übernehmen. Die beiden Unternehmen vereinbarten, dass die Münchner alle ausgegebenen und ausstehenden Aktien von Dresser-Rand im Zuge eines freundlichen Übernahmeangebots erwerben, wie Siemens am frühen Montagmorgen mitteilte.

Der Verwaltungsrat der Amerikaner unterstütze die Bar-Offerte einstimmig und habe den Aktionären empfohlen, das Gebot anzunehmen. Zugleich teilte Siemens mit, dass Bosch dem Industriekonzern für drei Milliarden Euro den 50-Prozent-Anteil an dem vor fast einem halben Jahrhundert entstandenen gemeinsamen Hausgeräte-Unternehmen BSH abnehmen wolle.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Dresser-Rand ergänze das bestehende Siemens-Portfolio, insbesondere für die weltweite Öl- und Gasindustrie sowie für die dezentrale Energieerzeugung, teilte Siemens mit. Das Angebot beträgt den Angaben nach 83 Dollar je Aktie in bar. Das entspreche einem Gesamtwert von rund 7,6 Milliarden Dollar. Am Freitag hatte die in New York gelistete Dresser-Rand-Aktie mit 79,91 Dollar geschlossen.

Der Schweizer Anlagenbauer Sulzer mit seinem Verwaltungsratspräsidenten und Ex-Siemens-Chef Peter Löscher wirft unterdessen das Handtuch. Sulzer habe die Gespräche mit Dresser-Rand beendet, erklärte eine Sprecherin am Montag. Damit muss Siemens von den Schweizern keine Konkurrenz mehr fürchten. Medienberichten vom Wochenende zufolge erwog zudem der US-Rivale GE, in den Firmenpoker mit einzusteigen.

Kommentare (6)

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Sergio Puntila

22.09.2014, 10:39 Uhr

Schon die Namen...

Herr Paul Müller

22.09.2014, 11:32 Uhr

Ein großes Problem von Siemens unter Löscher war der Kauf von Unternehmen, die am Ende nix wert waren. Besonders viele amerikanische Luftnummern waren dabei, die ihre Zahlen und Bilanzen "optisch aufgehübscht" hatten. Wenn Kaeser nun auch anfängt Perlen vor die Säue zu werfen, wird es ihm wohl bald so wie Löscher ergehen ...

Sergio Puntila

22.09.2014, 11:46 Uhr

Siemens arbeitet derzeit grad die Quittungen für all die präsentierten Rechnungen ab.

Als Konzernherr weiß man wo die Lehen sind.

Und wenn nicht: arbeitet man die worst case szenarios ab, wie man das in seinen betriebswirtschaftlicvhen Durchlauferhitzern eben gelernt hat.

Wenns gut kommen sollte könnte es ein world wrestling award genannt werden - oder flaschenkippen.

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