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16.09.2014

20:44 Uhr

Siemens-Umbau

Investoren erhöhen Druck auf Kaeser

ExklusivMitten im Konzernumbau gerät Siemens-Chef gehörig unter Druck. Die Investoren des Unternehmens drängen auf schnelle Ergebnisse, zudem enteilt die Konkurrenz. Die Aktionäre stellen klar: Kaeser muss liefern.

Siemens-Chef Joe Kaeser: Der Konzernumbau muss Früchte tragen. dpa

Siemens-Chef Joe Kaeser: Der Konzernumbau muss Früchte tragen.

MünchenDerzeit läuft bei Siemens der größte organisatorische Umbau seit 25 Jahren. Doch der neue Siemens-Chef Joe Kaeser kann keine schnellen Erfolge vorweisen. Vor allem die operative Entwicklung sei noch unbefriedigend und der Abstand zu Konkurrenten wie General Electric bleibt groß. Nun drängen Investoren auf schnelle Erfolge. „Herr Kaeser muss jetzt liefern, die Schonfrist ist vorbei“, sagt Christoph Niesel, Fondsmanager bei Union Investment, dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Daniela Bergdolt, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, fordert: „So langsam wollen wir einen Kaeser-Effekt sehen.“

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

In seinem ersten vollen Geschäftsjahr als Chef, dürfte der Gewinn laut Industriekreisen zwar, wie versprochen, um mindestens 15 Prozent gestiegen sein. Doch das ist dem Wegfall von Sonderlasten zu verdanken. Im Vorjahr hatten Kosten für das Sparprogramm „Siemens 2014“ den Gewinn um 1,3 Milliarden Euro gedrückt. Auch der Siemens-Aktienkurs war zunächst deutlich gestiegen, seit Anfang 2014 aber pendelt er unentschlossen zwischen 90 und 100 Euro. Aktionäre wollen sich erst vergewissern, dass Kaeser seine Baustellen schließt.

Teil von Kaesers Strategie „Vision 2020“ sind auch Zukäufe. Doch Investoren warnen dabei vor zu viel Übermut. „Die Aktionäre werden sehr genau darauf achten, wie diszipliniert das Thema Zukäufe angegangen wird“, erklärt Henning Gebhardt von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. „Strategisch sinnvolle Übernahmen dürfen nicht um jeden Preis gemacht werden.“ Noch glauben die Investoren an Kaeser, doch die Geduld neigt sich dem Ende entgegen. Gebhardt mahnt: „Für Investoren ist besonders wichtig, dass Herr Kaeser es schafft, die hohen Sonderabschreibungen zukünftig zu vermeiden.“

Von

ax

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