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11.05.2017

11:50 Uhr

Siemens-Umbau

Joe Kaeser streicht Stellen – und lagert Jobs aus

VonAxel Höpner

Siemens-Chef Kaeser treibt den Wandel zum digitalen Unternehmen mit weiteren Stellenstreichungen voran. Auch die Probleme in einzelnen Geschäftsfeldern kosten weitere Jobs. Eine Abteilung ist besonders betroffen.

Auch die Zugsparte ist vom Stellenabbau im Konzern betroffen. dpa

Schienenfahrzeugwerk von Siemens in Krefeld

Auch die Zugsparte ist vom Stellenabbau im Konzern betroffen.

MünchenInsgesamt läuft es bei Siemens derzeit ja gut. Im Januar konnte Konzernchef Joe Kaeser die Prognose anheben, vergangene Woche legte der Technologiekonzern mit guten Quartalszahlen nach. Doch irgendwo im weitverzweigten Portfolio wird ständig gefeilt, restrukturiert und optimiert.

Am Donnerstag kündigte Siemens nun „gezielte Effizienzverbesserungen in einzelnen Geschäften“ an. In Deutschland sollen über mehrere Jahre knapp 1700 Arbeitsplätze wegfallen. Weitere 1000 Jobs werden zu externen Dienstleistern oder innerhalb des Konzerns verlagert.

Siemens-Chef Joe Kaeser

„Es ist eure Zukunft“

Siemens-Chef Joe Kaeser: Bewegende Ansprache: „Es ist eure Zukunft“

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Die Arbeitnehmer sind bereits alarmiert. Gewerkschaft und Betriebsrat würden sich die verkündeten Maßnahmen sehr kritisch ansehen, hieß es bei der IG Metall. „Die immer wieder propagierte Ruhe im Unternehmen bleibt ein hehres Ideal.“

Besonders stark betroffen ist der Standort Fürth mit dem Wegfall von 450 Arbeitsplätzen. Die Vorzeige-Division Digitale Fabrik produziert hier ein sehr breites Portfolio, von Türsteuerungen bis zu Autobahnnotrufsäulen. Siemens will sich in Fürth auf weniger Produkte konzentrieren, um das Werk profitabler zu machen. In der Digitalen Fabrik fallen zudem 150 weitere Stellen weg, unter anderem in Amberg. Zudem sollen bestehende Logistiklager auf ein neues Logistikzentrum in der Region Amberg konzentriert werden. Dabei werden Stellen verlagert.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Auch in der Bahntechnik, die zuletzt insgesamt operative Fortschritte macht, fallen Stellen weg. In der Sparte kämpft Siemens wegen der Konkurrenz aus China mit einem deutlichen Preisverfall. „Die sehr starke Intensivierung des Wettbewerbs des weltweiten Bahngeschäfts hat natürlich auch Konsequenzen für uns“, sagte Jochen Eickholt, Chef der Sparte Mobility. Am Standort Krefeld fallen deshalb rund 300 Arbeitsplätze weg.

Zudem sind Einschnitte in der konzerneigenen IT geplant, hier fallen 650 Stellen weg, weitere 700 sollen an externe Anbieter gehen. „Die Neugestaltung der Unternehmens-IT spielt zweifellos eine Schlüsselrolle für Siemens beim Wandel hin zum digitalen Industrieunternehmen“, erklärte Siemens-Vorstand Michael Sen. „Dies werden wir entschlossen angehen und damit auch unsere Flexibilität erhöhen.“ Schließlich räumt Siemens auch in der Ausbildung auf, hier werden 180 Stellen von Ausbildern und anderen Beschäftigten gestrichen.

Kommentare (13)

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Herr Hans Mayer

11.05.2017, 10:29 Uhr

Wie kann das sein? jetzt wo die dringend benötigten Facharbeiter aus dem Morgenland hier angekommen sind, und viele noch auf der Walz zu uns sind.
Auch Siemens jammerte doch ständig rum, es gebe zu wenig Arbeitskräfte, wie geht das zusammen?

Herr Hans-Jörg Griesinger

11.05.2017, 10:35 Uhr

Hier gibts den nächsten Job-Kahlschlag:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/solarworld-insolvenz-tausende-mitarbeiter-fuerchten-um-ihre-jobs/19786376.html

Danach wartet dann für viele Ältere die Langzeitarbeitslosigkeit und Hartz IV.

Herr Hans-Jörg Griesinger

11.05.2017, 10:39 Uhr

Bei Solarworld geht es um 3000 Jobs, die nach der Insolvenz zur Disposition stehen.

Auch hier bei Goodyear ist der Laden dicht:
https://bnn.de/lokales/bruchsal/werksschliessung-besiegelt-goodyear-philippsburg-macht-dicht

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