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01.02.2016

14:36 Uhr

Siemens vor Gamesa-Kauf

Kaeser will Wind-Weltmacht schmieden

Joe Kaeser bereitet den nächsten Deal vor. Mit dem Kauf der spanischen Gamesa würde der Siemens-Konzern zum weltgrößten Windturbinenbauer. Analysten zeigen sich aber nicht komplett überzeugt von dem Geschäft.

Mit der Übernahme von Gamesa würde Siemens vor allem in den Schwellenländern sein Geschäft ausbauen. Reuters

Siemens-Windturbinen

Mit der Übernahme von Gamesa würde Siemens vor allem in den Schwellenländern sein Geschäft ausbauen.

MünchenErst vor wenigen Tagen hatte Siemens-Chef Joe Kaeser für rund eine Milliarde Dollar eine US-Softwarefirma gekauft, nun bereitet er bereits den nächsten Deal vor. Der Niederbayer liebäugelt mit dem spanischen Windturbinenbauer Gamesa. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, will Siemens sein eigenes Windturbinengeschäft mit dem der Spanier zusammenlegen und an der neuen Tochter die Mehrheit halten. Gamesa bestätigte Gespräche mit den Münchnern, Siemens schweigt dazu. Die Pläne dürften für Kaesers Geschmack zu früh bekannt geworden sein.

Dabei eignet sich Gamesa eigentlich gut, wenn Siemens sich zum weltgrößten Anbieter von Windkraftanlagen aufschwingen will. Bislang rangiert der Technologiekonzern im weltweit immer härter geführten Wettbewerb auf Rang zwei hinter der dänischen Vestas und vor dem US-Erzrivalen General Electric (GE).

Das sind die größten Baustellen von Siemens

Energiesparte

Hier hat Siemens den Trend zu dezentralen Lösungen verpasst. Die Münchener ließen sich für ihre riesige Weltmeister-Gasturbine der H-Klasse feiern. Doch in Zeiten der Energiewende waren vor allem kleine Modelle gefragt, die die Konkurrenz im Portfolio hatte. Auch in Sachen Innovationskraft verlor Siemens den Anschluss. Mit teuren Akquisitionen, einem Stellenabbau und mehr Investitionen in Forschung & Entwicklung versuchen Joe Kaeser und Energievorstand Lisa Davis gegenzusteuern.

Wachstumsschwäche

Vor einer guten Dekade war Siemens doppelt so groß wie BMW. Inzwischen ist der Autobauer an dem Technologiekonzern vorbeigezogen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen trennte sich Siemens immer wieder von Geschäftssparten, ohne im gleichen Maß zuzukaufen. Zudem war Siemens auch organisch in den meisten Jahren wachstumsschwach und fiel hinter die besten Konkurrenten zurück. Kaeser setzt auf mehr Innovationen und einen besseren Kundenzugang. Ab dem Geschäftsjahr 2016 soll Siemens schneller wachsen als die Wettbewerber.

Ertragsschwäche

Kaesers Vorgänger Peter Löscher wähnte Siemens schon in der Champions League der weltbesten Unternehmen. Doch nach einem Zwischenhoch bröckelten die Renditen wieder ab. Für das Geschäftsjahr 2014/15 hatte Kaeser eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent im Industriegeschäft versprochen. Angesichts der Kosten für den Umbau ist das ordentlich. Doch die besten Konkurrenten wie General Electric sind in vielen Bereichen besser. Durch kürzere Hierarchiewege, eine Sanierung der renditeschwachen Bereiche und den Abbau von Stellen will Kaeser mit seiner „Vision 2020“ Boden gut machen.

Dresser-Rand

Der Kauf des US-Kompressorenherstellers für zunächst 7,6 Milliarden Dollar war einer der größten Zukäufe in der Unternehmensgeschichte. Kaeser hatte sich, auch von seinem Vorgänger Peter Löscher, in einen Bieterwettbewerb treiben lassen. Doch seit der Übernahme ist der Ölpreis drastisch gefallen, die Förderer stellen ihre Investitionen zurück. Der Kaufpreis war im Nachhinein viel zu hoch. Nun muss Kaeser auf eine Erholung der Ölpreise hoffen und Dresser-Rand wenigstens erfolgreich integrieren.

Autor: ax

Gamesa liegt mit einem Weltmarktanteil von fünf Prozent nur auf Platz acht, würde aber mit seinem Portfolio gut zu den Münchnern passen, die erst 2004 mit der Übernahme der dänischen Bonus Energy in das Geschäft mit Windparks eingestiegen sind. Siemens beschäftigt in dem Bereich rund 13.000 Menschen und verkauft vorwiegend Anlagen für den Betrieb auf See, Gamesa ist dagegen im Bereich der Turbinen an Land vertreten. Während Siemens bisher meist Industrieländer in Europa und Nordamerika beliefert, machen die Basken praktisch ihren kompletten Umsatz im Ausland, vor allem in Lateinamerika, Indien und anderen Schwellenländern.

Und das junge Unternehmen aus dem Hinterland von Bilbao ist mit seinen 6400 Mitarbeitern deutlich profitabler als das Windgeschäft von Siemens mit seinem Hauptsitz in Hamburg. Für das abgelaufene Geschäftsjahr hat Gamesa eine operative Rendite von über acht Prozent in Aussicht gestellt. Siemens, das mit 5,7 Milliarden Euro fast doppelt so viel Geld mit Windkrafttechnik einnimmt wie die Spanier, erreichte zuletzt kaum drei Prozent Marge.

Siemens: Joe Kaeser wird auch Pressesprecher

Siemens

Joe Kaeser wird auch Pressesprecher

Stephan Heimbach, oberster Pressesprecher von Siemens, verlässt den Konzern. Einen kommissarischen Nachfolger gibt es auch schon – Vorstandschef Joe Kaeser übernimmt selbst den Posten übergangsweise.

Als Schwierigkeit bei einem Zusammengehen kann sich die Kooperation von Gamesa mit der französischen Areva entpuppen. Die beiden unterhalten ein relativ kleines Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Windanlagen auf See. Mit dem früheren Partner Areva machte Siemens allerdings zuletzt schlechte Erfahrungen.

Analysten blicken mit gemischten Gefühlen auf einen Zusammenschluss. „Aus unserer Sicht wäre es für die Siemens-Aktionäre negativ, da die Windkraftindustrie vor einem Abschwung steht und das Management eigentlich genug mit der Integration von Dresser-Rand und der Rolls-Royce-Sparte zu tun hat“, urteilte Mark Freshney von Credit Suisse. „Andererseits wäre ein Zusammenschluss in einer Tochter eine positive Entwicklung für Siemens und entspräche der Strategie der Portfolio-Rationalisierung und der Sanierung schwacher Geschäftsfelder.“

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