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09.12.2016

11:57 Uhr

Siltronic

Chinesen sagen weiteren Deal in Deutschland ab

Nach dem geplatzten Aixtron-Deal hat sich auch eine Mehrheitsbeteiligung von chinesischen Investoren an Siltronic zerschlagen. Der wachsende Widerstand in Deutschland und den USA, Technologie abzugeben, irritiert China.

Vorerst steigen keine Chinesen bei dem Unternehmen ein. dpa

Siltronic

Vorerst steigen keine Chinesen bei dem Unternehmen ein.

Peking/MünchenChinesische Investoren haben ihre Bemühungen um den Halbleiter-Zulieferer Siltronic aufgegeben. Die National Silicon Industry Group (NSIG) hatte nach Berichten eine Mehrheitsbeteiligung an den Münchnern ins Auge gefasst. „Es gibt keine Verhandlungen mehr. Sie sind beendet“, sagte am Freitag eine Managerin, die für Investitionsprojekte von NSIG im Ausland zuständig ist, der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Die Gründe für den Abbruch wollte die Unternehmensvertreterin nicht nennen. Die Aktien von Siltronic sackten nach der Nachricht um bis zu fünf Prozent ab.

Die Shanghaier Firma hatte laut der Nachrichtenagentur Bloomberg bereits Mehrheitsaktionär Wacker Chemie kontaktiert, um dessen Anteil von knapp 58 Prozent zu übernehmen. Allerdings seien die Chinesen nicht bereit gewesen, mehr als den aktuellen Marktwert von 1,16 Milliarden Euro zu zahlen, hieß es Ende vergangener Woche. Für Irritationen sorgt auch der wachsende Widerstand in Deutschland und den USA, Technologie nach China zu verkaufen.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Ein Wacker-Sprecher gab auf Anfrage keinen Kommentar zu den Vorgängen ab. Seit dem Börsengang von Siltronic 2015 sei aber generell klar, dass Wacker Chemie mittelfristig bei Siltronic in die Minderheit gehen wolle, bekräftigte er. Wacker habe zuletzt auch deutlich gemacht, dass man Siltronic nicht unter Wert verkaufen werde. Angesichts des Abschlusses großer Investitionsvorhaben habe der Konzern auch keinen akuten Finanzierungsbedarf.

Erst am Vortag war der geplante Verkauf des deutschen Spezialmaschinenbauers Aixtron an chinesische Investoren endgültig geplatzt. US-Präsident Barack Obama hatte den Erwerb des US-Geschäfts von Aixtron am Wochenende untersagt. Grund sind Befürchtungen, dass Aixtron-Produkte auch militärisch genutzt werden könnten.

Aixtron-Chef Martin Goetzeler: „Wir hoffen jetzt auf Rückendeckung der Politik“

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Nach der geplatzten Übernahme durch den chinesischen Finanzinvestor FGC fordert der Aixtron-Chef nun Hilfen von Bund und Land. Im Interview spricht er über die Gründe des gescheiterten Deals und die Folgen für Aixtron.

Chinas Handelsministerium übte scharfe Kritik an den USA: „Die USA benutzen häufig die „nationale Sicherheit“ als Vorwand, was gegen Marktregeln und kommerzielle Grundsätze verstößt“, sagte der Sprecher Shen Danyang der dpa zum Scheitern der Übernahme von Aixtron. „Es ist ein weiterer klassischer Fall von Einmischung in normale geschäftliche Tätigkeiten.“ China hoffe, dass die USA objektiv die ausländischen Investitionen chinesischer Unternehmen betrachteten und nicht mehr in gewöhnliche Aktivitäten intervenierten.

Aixtron-Chef Martin Goetzeler forderte unterdessen Hilfen von der Bundes- wie Landesregierung, um seinem Unternehmen langfristig das Überleben in der jetzigen Form zu ermöglichen. „Deutschland will den Hochtechnologiestandort fördern und ist gefordert, im Interesse der Sicherheit und der Arbeitsplätze zu handeln“, sagte Goetzeler im Handelsblatt-Interview. Die Politik sei jetzt in einer gewissen Bringschuld.

Aixtron stellt Maschinen für die Chipindustrie her und steckt seit langem wegen einer schwachen Auftragslage in der Krise. Chinesische Investoren griffen zuletzt verstärkt nach deutschen Mittelständlern und Technologieunternehmen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte angekündigt, heimische Schlüsseltechnologien besser schützen zu wollen.

Von

dpa

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