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14.02.2012

12:13 Uhr

Singapur Air Show

Machtwechsel über den Wolken

Neue Flughäfen, moderne Flotten – die asiatische Luftfahrtbranche strotzt vor Selbstbewusstsein. Auf der Singapur Air Show werben westliche Konzerne um die Kundschaft aus China und Saudi-Arabien.

Arabische Airlines wie Emirates wollen in den kommenden Jahren massiv expandieren. ap

Arabische Airlines wie Emirates wollen in den kommenden Jahren massiv expandieren.

Düsseldorf/SingapurDer US-Flugzeugherstellers Boeing feiert einen neuen Rekordauftrag - aus Indonesien. Die Fluggesellschaft Lion Air ordert 230 Kurzstreckenflieger vom Typ 737, deren Listenpreis auf 22,7 Milliarden Dollar beziffert wird. Damit nährt Asien erneut die Wachstumsfantasien der Flugzeughersteller. Dabei sind die Asiaten ambitioniert genug, die Branchenriesen aus Amerika und Europa herauszufordern. Auf der Singapur Air Show, der wichtigsten asiatischen Luftfahrtmesse, demonstriert die Branche von heute an (bis 19. Februar) ihr Selbstbewusstsein. 900 Aussteller aus 50 Ländern werden erwartet.

Die Stimmung in Singapur ist optimistisch. Der asiatische Hunger nach Flugzeugen ist groß – und dürfte weiter zunehmen. Allein Boeing erwartet in Asien zwischen 2011 und 2030 einen Bedarf von 11.450 Maschinen. Asien könnte Nordamerika damit als größten Flugzeugmarkt der Welt ablösen. Schon heute wird jeder dritte Dollar der Luftfahrtbranche im asiatisch-pazifische Markt verdienst, schätzt die Internationale Flug-Transport-Vereinigung (IATA). Allein in China sind 45 neue Flughäfen in Planung. Die Zahl der Passagiere soll bis 2015 von 2,8 auf 3,6 Milliarden steigen.

Dabei sollen vor allem asiatische Airlines eine Schlüsselrolle spielen. Experten trauen der arabischen Airline Emirates zu, bis 2015 zur größten Fluggesellschaft der Welt aufzusteigen. Auch Air China, China Eastern und China Southern stocken ihre Flotten massiv auf. Europäischen Airlines fehlt für eine Expansion meist das Kapital, weil die Banken konservativer bei der Kreditvergabe geworden sind. Chinesische und japanische Banken finanzieren Flugzeugkäufe deutlich häufiger. Airlines wie Air France, Lufthansa und Singapore Airlines droht der Machtwechsel am Himmel.

Deutlich optimistischer kann der Westen beim Flugzeugbau sein. Vom Boom der asiatischen Luftfahrt profitieren bisher vor allem der US-Hersteller Boeing und der europäische Konkurrent EADS. Die große Hoffnung der Chinesen - die C919 - soll erst 2014 auf Jungfernflug gehen, 2017 soll sie marktreif sein. Die Chinesen haben ein Problem: Sie haben das Geld, aber nicht das Know-How zur Flugzeugkonstruktion – und müssen darum auf Joint Ventures setzen. Bis Juni sollen alle Zulieferverträge unterzeichnet sein, teilte Comac in Singapur mit. Bis zum Ende des Jahres rechnen die Chinesen mit bis zu 300 Vorbestellungen für den Jet. Zu den Kunden zählen bisher aber im wesentlichen chinesische Staatskonzerne wie Air China und China Southern.

Die größten Airlines Asiens

Japan Airlines

Umsatz im letzten Geschäftsjahr: 19,5 Milliarden US-Dollar

Japan Airlines ist die größte Fluggesellschaft Japans und die sechstgrößte der Welt. Die hoch verschuldete JAL befindet sich gegenwärtig in einem Insolvenzverfahren.

All Nippon

Umsatz: 13,91 Milliarden US-Dollar

All Nippon st eine japanische Fluggesellschaft mit Sitz in Tokio. Sie ist im Nikkei 225 gelistet und Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance.

Emirates

Umsatz: 12,03 Milliarden US-Dollar

Emirates ist eine staatliche Fluggesellschaft mit Sitz in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im November 2011 bestellte die Airline 50 Langstreckenflugzeuge des Typs Boeing 777-300ER.

Singapore Airlines

Umsatz: 11,13 Milliarden US-Dollar

Die größte Fluggesellschaft des Stadtstaates Singapur ist Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance. Die Passagierfluglinie und das Tochterunternehmen Singapore Airlines Cargo werden unter dem Dachunternehmen Singapore Airlines Group zusammengefasst.

Cathay Pacific

Umsatz: 11,12 Milliarden US-Dollar

Die Fluggesellschaft aus Hongkong gehört zu den sieben 5-Sterne-Fluggesellschaften der Welt. Nach der Schließung von Hongkongs Flughafen Kai Tak 1998 machte Cathay Pacific Chek Lap Kok zu ihrem neuen Luftfahrt-Drehkreuz.

Qantas

Umsatz: 9,73 Milliarden US-Dollar

Qantas Airways Limited ist die größte australische Fluggesellschaft. Im Oktober 2011 stellte Qantas vorübergehend den gesamten Flugbetrieb ein, der Grund waren Streitigkeiten mit der Pilotengewerkschaft.

Korean Air

Umsatz: 9,71 Milliarden US-Dollar

Die südkoreanische Fluggesellschaft mit Sitz in Seoul und Basis auf dem dortigen Flughafen Incheon befördert Fracht zu 41 Zielen in 25 Ländern. Ihr Frachtbetrieb ist als weltgrößter kommerzieller Frachtbetrieb einer Fluggesellschaft eingestuft worden.

China Southern

Umsatz: 7,96 Milliarden US-Dollar

China Southern ist die größte Fluggesellschaft der Volksrepublik China mit Sitz in Guangzhou. Die Fluggesellschaft ist der weltweit siebte und der erste chinesische Betreiber des Airbus A380.

Air China

Umsatz: 7,27 Milliarden US-Dollar

Air China ist nach China Southern Airlines die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik China mit Sitz in Peking. Im März 2011 unterzeichnete Air China eine Absichtserklärung zum Kauf von fünf Boeing 747-8, bisher wurde der Kauf aber noch nicht durch die Regierung bestätigt.

Thai Airways

Umsatz: 6,08 Milliarden US-Dollar

Thai Airways ist die staatliche Fluggesellschaft Thailands mit Sitz in Bangkok. Die Airline will in den nächsten Jahren insgesamt 37 neue Flugzeuge leasen, darunter auch den Airbus A350 und Boeing 787.

Große Hoffnungen setzen die Chinesen darum in die Kooperation mit dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier. In den kommenden zwei Monaten soll feststehen, wie mit dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier im Detail aussehen soll. Die Kanadier sind gezwungen, mit den Chinesen zu kooperieren, weil die als Airbus-Konkurrenz geplante C-Serie des Konzerns mit 183 Bestellungen die hohen Erwartungen bisher nicht erfüllen konnte. Sogar ein Teilverkauf der Bombardier-Flugzeugsparte nicht ausgeschlossen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

14.02.2012, 13:36 Uhr

Die Chinesen sind selbsbewusst und clever genug, um dem Märchen Klimaerwärmung und Abzocke durch Emissionshandel zu widerstehen. Richtig so; und vielleicht regt das die anderen Länder auch noch mal zum Nachdenken an.......

Brasil

14.02.2012, 14:47 Uhr

Wie man es übersehen kann, dass die alten Wirtschaftsregionen verloren haben und dem Untergang geweiht sind, ist nicht zu verstehen.
Aber die Hoffnung stribt zuletzt! Schalft weiter!

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