Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.09.2015

14:41 Uhr

Sirona geht an Dentsply

Milliarden für Ex-Siemens-Tochter

Für 5,6 Milliarden Dollar geht die ehemalige Siemens-Dentaltechnik-Tochter Sirona an Dentsply. Der US-Rivale wird damit neuer Weltmarktführer. Für Sirona endet eine wechselvolle Unternehmensgeschichte.

Der US-Konzern Dentsply krönt sich mit dem Kauf der ehemaligen Siemens-Tochter Sirona zum Weltmarktführer. dpa

Milliardendeal in der Dentaltechnik

Der US-Konzern Dentsply krönt sich mit dem Kauf der ehemaligen Siemens-Tochter Sirona zum Weltmarktführer.

New York/FrankfurtDie ehemalige Dentaltechnik-Sparte von Siemens wird für 5,6 Milliarden Dollar an den größeren US-Rivalen Dentsply International verkauft. Aus Sirona und Dentsply soll ein Weltmarktführer für die Ausrüstung von Zahnarztpraxen mit Geräten und Verbrauchsmaterial mit einem Jahresumsatz von 3,8 Milliarden Dollar entstehen, wie die beiden Unternehmen am Dienstag (Ortszeit) mitteilten. An der Börse ist die fusionierte Dentsply Sirona 13,3 Milliarden Dollar wert. Während Dentsply vor allem Einwegprodukte wie Zahnfüllungen herstellt, setzt Sirona auf Gerätetechnik wie bildgebende Systeme und zahnmedizinische Instrumente.

Sirona hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, seit Siemens die Sparte 1997 an einen Finanzinvestor verkauft hat. Innerhalb von acht Jahren ging das Unternehmen durch die Hände von drei Beteiligungsgesellschaften. Seit 2006 ist Sirona durch die Fusion mit der börsennotierten Schick Technologies an der US-Börse Nasdaq gelistet. Einer der größten Standorte ist noch immer das südhessische Bensheim. Die USA sind vor Deutschland mittlerweile der größte Absatzmarkt. Weltweit beschäftigt der Erfinder des ersten elektrischen Zahnbohrers nach eigenen Angaben mehr als 3300 Mitarbeiter. Gelenkt wird Sirona bisher aus Salzburg. Dort soll das internationale Geschäft der künftigen Dentsply Sirona angesiedelt sein, die Konzernzentrale zieht aber nach York im US-Bundesstaat Pennsylvania, dem Sitz von Dentsply.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Dentsply wird in der Fusion etwas höher bewertet als Sirona. Die bisherigen Dentsply-Aktionäre hielten 58 Prozent der Anteile an dem neuen Branchenriesen. Die Sirona-Aktionäre erhalten je 1,81 Dentsply-Aktien für ihre Papiere. Vorstandschef wird Sirona-Chef Jeffrey Slovin, während sich Dentsply-Chef Bret Wise auf den Posten des Verwaltungsratschefs (Executive Chairman) zurückzieht. Zusammen kommen die beiden Fusionspartner auf einen operativen Gewinn (Ebitda) von 900 Millionen Dollar. Sie hoffen innerhalb von drei Jahren auf mindestens 125 Millionen Dollar an Synergieeffekten.

An der Börse kam die Nachricht gut an. Im nachbörslichen Handel am Dienstag legten Sirona-Aktien 2,5 Prozent zu, Dentsply-Papiere kletterten um zwei Prozent. Nach dem Vollzug der Fusion sollen über einen Aktienrückkauf 500 Millionen Dollar an die Aktionäre zurückgegeben werden.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×