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08.07.2013

16:54 Uhr

Sitzungsmarathon beginnt

Asbeck startet Rettungsmission für Solarworld

Sonnenkönig, Schlossbesitzer - Frank Asbeck dürfte manche Schlagzeilen von früher inzwischen verfluchen. Bei der Rettungsmission für sein Lebenswerk Solarworld wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel.

Das Logo von Solarworld: Der Rettungsmarathon beginnt. dpa

Das Logo von Solarworld: Der Rettungsmarathon beginnt.

BonnSolarworld-Chef Frank Asbeck braucht die nächsten vier Wochen gute Nerven und eine kräftige Stimme. Der Firmengründer ist am Montag in einen vierwöchigen Sitzungsmarathon gestartet, an dessen Ende die Rettung des schwer angeschlagenen Modulherstellers stehen soll. Dafür müssen aber die Gläubiger auf 55 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Asbeck selbst glaubt an die Zukunft: Er schießt 10 Millionen Euro vom eigenen Vermögen nach. Analysten sehen die Aussichten dagegen eher kritisch.

Die Insolvenz des einst ebenfalls hoch gehandelten Solarunternehmens Conergy vergangene Woche hat auch nicht gerade zur Vertrauensbildung beigetragen. Auch Solarworld hat massive Probleme. 931 Millionen Euro Schulden belasten das Unternehmen - und das in einem Markt, der in Deutschland nach der Absenkung staatlicher Förderung stark geschrumpft ist und weiter nachgeben dürfte.

„Wir warten noch auf einen Nachweis für eine positive Fortführung“, sagt Aktionärsvertreter Thomas Hechtfischer von der Schutzgemeinschaft deutscher Wertpapierbesitzer. „Auf die "bösen Chinesen" zu schimpfen reicht nicht aus.“

Der Sanierungsplan von Solarworld

Schuldenschnitt

Kernpunkte sind ein Schuldenschnitt und eine erhebliche Abwertung der Aktien im Verhältnis 1:20. Der Anteil des Gründers Frank Asbeck schrumpft beispielsweise dadurch von 28 auf 1,4 Prozent.

Neue Aktien

Gleichzeitig werden 55 Prozent der Schulden in neue Aktien umgewandelt. Außerdem steigt Qatar Solar als neuer Großinvestor mit einem Anteilspaket ein. Asbeck erwirbt für 10 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen neue Anteile.

Neue Verhältnisse

Falls die Gremien zustimmen, sehen die Eigentümerverhältnisse dann so aus: 5 Prozent Alt-Aktionäre, davon 1,4 Prozent Asbeck Altbestand 19,5 Prozent Asbeck neu dazugekauft 29 Prozent Qatar 46,5 Prozent Neu-Aktionäre - ehemalige Gläubiger

Aufsichtsrat

An der Spitze des Aufsichtsrates soll künftig ein Vertreter der Gläubiger stehen.

Auch die billigere chinesische Konkurrenz hatte den einstigen Börsenstar tief in die roten Zahlen getrieben. Allein 2012 betrug der Verlust knapp 480 Millionen Euro. Auch aktuell produziert das Unternehmen Verluste. Solarworld nennt keine Preise - aber von den gut 50 Cent pro Watt Sonnenstromkapazität, die die Chinesen für viele ihrer Module verlangen, dürften die Bonner weit entfernt sein.

Asbeck pocht auf EU-Strafzölle gegen die subventionierten chinesischen Produkte, doch die Verhandlungen zwischen der EU und China dazu ziehen sich hin. Das erste Angebot der Chinesen für einen Mindestpreis lag mit 50 Cent pro Watt knapp unter dem durchschnittlichen Marktpreis - das heißt, es würde praktisch keine Begrenzungswirkung entfalten. „Das ist ein Witz“, kritisiert ein Solarworld-Sprecher.

Mit den Gläubigern für zwei Solarworldanleihen im Gesamtwert von nominell 550 Millionen Euro hat Asbeck in diesen vier Wochen voraussichtlich vier Termine, dazu eine außerordentliche Hauptversammlung und dann die entscheidende Hauptversammlung am 7. August.

Kommentare (3)

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HofmannM

09.07.2013, 08:14 Uhr

Diese 4 Wochen sind das Schlusskapitel von Solarworld. Endlich findet diese monatelange Insolvenzverschleppung ein Ende. Asbeck wird zum Schluss die Insolvenz von Solarworld einräumen bzw. verkünden müssen.

Account gelöscht!

09.07.2013, 08:45 Uhr

Ja, diese Vermutung wird so auch von mir und sicherlich vielen weiteren Lesern geteilt, zumal von Solarworld, überhaupt keine Pläne über neue Fertigungsstrategien, neue Produkte oder neue Geschäftsfelder für die Zukunft bekannt sind.
Seine grünen Parteifreunde und Unterstützer in Düsseldorf, halten bewußt Abstand zu ihrem Parteifreund und Sonnenkönig, bevor nicht ein schlüssiges Konzept für die Zukunft von Solarworld auf dem Tisch liegt.

Account gelöscht!

09.07.2013, 11:20 Uhr

„Nach der finanziellen muss auch eine operative Restrukturierung kommen“ - sagt der Aktionärsschützer im obigen Artikel. Und was sagen die Klimaschützer? Wollen sie dem Maseratifahrer und Schlossbesitzer nun weitere Subventionen zukommen lassen?
Jeder Euro, der in der Realwirtschaft einmal 'umgedreht' wird, ist mit bisher nicht berechneten Mengen CO2-Emissionen behaftet. Das gilt für zuvor getätigte Förderungen und Investitionen, wie auch für die 931 Millionen Euro Schulden und weitere Verbindlichkeiten, welche das Unternehmen nun belasten. Welches kompetente Energie- und Klima-Institut berechnet uns nun, wieviel Klimaschutz damit bilanziell wieder verloren geht? Etwa die hoch angesehene Energieexpertin Prof. Dr. Claudia Kemfert aus dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung? Ob sie ihrem Gesinnungsgenossen Asbeck in Sachen Klimaschutz nun auch aus der Patsche hilft? http://goo.gl/rIxyg
Alina Alanka

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