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11.01.2011

21:47 Uhr

Skandal bekommt politische Dimension

China bestreitet Renault-Spionage

VonHolger Alich

Die Spionage-Affäre beim französischen Autokonzern Renault droht politische Spannungen zwischen Frankreich und China auszulösen. Zwar bestreitet Peking die Vorwürfe, doch in Paris gilt China als wahrscheinlichster Drahtzieher hinter dem Versuch, Renaults E-Auto-Programm auszukundschaften. Die Zeitung "Le Figaro" nennt sogar Namen.

Elektro-Fahrzeug von Renault. Der französische Autokonzern fühlt sich von China ausspioniert. Quelle: DAPD

Elektro-Fahrzeug von Renault. Der französische Autokonzern fühlt sich von China ausspioniert.

PARIS. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums bestritt, dass China etwas mit dem Versuch zu tun habe, Renaults E-Auto-Programm auszuspionieren. "Diese Anschuldigungen sind grundlos und inakzeptabel, zitiert Reuters Außenamtssprecher Hong Lei aus einem Pressebriefing.

Der französische Autobauer Renault will nun eine offizielle Beschwerde vorbringen. Dies werde am Mittwoch geschehen, kündigte ein Unternehmenssprecher am Dienstagabend nach einem Treffen mit den drei suspendierten Managern an. Den Mitarbeitern wird vorgeworfen, Informationen im Zusammenhang mit ihren Elektroauto-Projekten weitergegeben zu haben. Renault spricht von einer schwerwiegenden Straftat. Einer der Manager bestreitet die gegen ihn erhobenen Spionagevorwürfe. "Renault hat sehr ernsthafte Beschuldigungen gegen mich, die ich vollkommen zurückweise", sagte der Vize-Chef einer Forschungsabteilung von Renault.

Frankreichs Regierungssprecher François Baroin versuchte zu beruhigen: "Es gibt keine offiziellen Anschuldigungen durch Frankreich gegen irgendein Land. Die Ermittlungen laufen", sagte Baroin in einem Radiointerview.

In Paris gilt dennoch China als wahrscheinlichster Drahtzieher hinter dem Versuch, Renaults E-Auto-Programm auszuspionieren. Die Zeitung "Le Figaro" nennt sogar Namen: Demnach stecke die China Power Grid Corporation hinter Geldzahlungen an die drei beschuldigten Renault-Topmanager; diese hätten Konten in Liechtenstein und der Schweiz gehabt. Das Blatt bezieht sich dabei auf private Ermittler, die Renault mit dem Fall betraut habe. Renault selbst will bis auf weiteres keine weiteren Angaben zu dem Fall machen.

Anfang vergangener Woche hatte Renault drei Topmanager suspendiert. Sie werden beschuldigt, interne Informationen zum E-Auto-Programm an Dritte weitergereicht zu haben. Laut Patrick Pelata, Renaults Nummer zwei, sei aber kein strategisches Geheimnis wie die Formel für die neuen Lithium-Batterien nach außen gedrungen. Die Spionage sei jedoch von einem "ausländischen Netzwerk" organisiert worden, hatte Pelata erklärt, ohne ein bestimmtes Land zu nennen.

Am Dienstag führte Renault mit den drei suspendierten Managern das Personalgespräch, das vor jeder Entlassung geführt werden muss. Einer der Beschuldigten, Michel Balthazard, beteuerte anschließend seine Unschuld: "Renault erhebt schwere Anschuldigungen gegen mich, die ich zurückweise." Er habe in seiner 30-jährigen Laufbahn bei Renault stets die Regeln beachtet, er sei "Opfer" dieser Affäre.

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