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28.01.2007

09:09 Uhr

Skihersteller Völkl

Schnelle Bretter

VonPeter Steinkirchner
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Völkl ist der letzte deutsche Skihersteller, gehört aber Amerikanern. Das traditionsreiche Unternehmen mit dem guten Namen hat den Verkauf an seinen Konkurrenten K2 aus Übersee gut überstanden. Doch bleibt die Produktion in Deutschland?

Skifahren ist zwar beliebt, doch gehen die Verkäufe von neuen Brettern zurück. Foto: ap

Skifahren ist zwar beliebt, doch gehen die Verkäufe von neuen Brettern zurück. Foto: ap

DÜSSELDORF. Es kann gar nicht anders sein: Nachts träumt Helmut Jakoby sicher von Skiern. Von Twin Tips, Flexzonen, Seitenschnitt. Von Epoxydharzen, Kantenschleifern, geprimerten, sandgestrahlten Stahlkanten mit T- oder Rundlochung.

Hunderte Modelle pro Winter schwirren durch Jakobys Kopf. Und Arbeitsschritte, die optimiert werden müssen, um Ski noch haltbarer, schneller, raffinierter zu machen - und dann steht der Technikchef von Deutschlands letztem großen Skihersteller Völkl sicher auf, fährt zur Arbeit und macht da weiter, wo der Traum endete.

Nach einem alten Spruch der Branche fabrizierte vor dem Krieg noch in jedem Tal mindestens ein Skibauer seine Bretter - heute ist das Traditionsunternehmen Völkl das letzte seiner Art in Deutschland. Es gehört zur Weltspitze: Hinter Marken wie Rossignol, Salomon, Atomic rangieren die Niederbayern, zu denen auch der weltweit zweitgrößte Bindungshersteller Marker gehört, mit einem Umsatz von rund 150 Millionen Euro auf Rang vier. Im Kampf um die endgültige Struktur des Skimarktes hat Völkl eine gute Ausgangsposition. "2007 wird es zu weiteren Konsolidierungsschritten in der Branche kommen", sagt Christoph Bronder, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Marker Völkl Gruppe.

Dabei gibt es eigentlich gar nicht mehr viel zu konsolidieren. Zwar kaufte gerade erst die italienische Tecnica-Gruppe (Skimarke: Nordica) den österreichischen Hersteller Blizzard. Doch in den vergangenen drei Jahren kreiste das Übernahmekarussell bereits mit der Geschwindigkeit eines durchgedrehten Ankerlifts.

Eine Folge der mauen Entwicklung: Kauften Skifans Mitte der Achtzigerjahre noch mehr als acht Millionen Paar Ski, rechnet die Branche in diesem Jahr allenfalls noch mit viereinhalb Millionen verkauften Brettern. Und das bei steigenden Rohstoffpreisen und noch immer zu großen Produktionskapazitäten. Galt noch 2004 eine Produktionsmenge von 400 000 Paar Skiern als kritische Größe für einen Massenhersteller, sehen Experten wie Roland Wagner, Deutschland-Chef der slowenischen Marke Elan, diese Grenze bereits bei 500 000 Paar - wer darunter liegt, habe auf dem Weltmarkt kaum Chancen. Einzelne Hersteller gerieten immer stärker in die Bredouille bei dem Versuch, dem Druck aus permanentem Innovationszwang, notwendiger internationaler Präsenz sowie hohen Marketing- und Vertriebskosten gerecht zu werden.

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