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16.04.2016

12:02 Uhr

Skoda

Vom Ostauto zur globalen Marke

Viele Inder, Chinesen und Russen, aber auch Deutsche fahren heute einen Skoda. 25 Jahre nach dem Einstieg des Wolfsburger Konzerns bei den Tschechen ist der Skoda der eigentliche Volkswagen, meint ein Experte.

28. März 1991: Der damalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Carl Horst Hahn (r.) und der tschechoslowakischen Industrieminister Jan Vraba nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit Skoda. dpa

25 Jahre VW-Einstieg bei Skoda

28. März 1991: Der damalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Carl Horst Hahn (r.) und der tschechoslowakischen Industrieminister Jan Vraba nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit Skoda.

PragAls Volkswagen vor 25 Jahren beim Autobauer Skoda einstieg, ahnte kaum jemand, was für ein Erfolg sich innerhalb weniger Jahre einstellen würde. Autos aus dem ehemaligen Ostblock galten als unzuverlässige Rostlauben. Die tschechoslowakische Staatsfirma schrieb Anfang der 1990er-Jahre Verluste und stellte weniger als 200.000 Kompaktwagen des Modells „Favorit“ im Jahr her. Ein Manager einer großen amerikanischen Automarke sagte angesichts der damals 21.000 Beschäftigten nur trocken: „Das machen wir mit 4000 Leuten.“

Die Unkenrufer sollten nicht recht behalten. Heute produziert die Marke mit dem geflügelten Pfeil mehr als eine Million Fahrzeuge im Jahr. Auch die Zeiten, in denen Volkswagen Skoda als Einsteigermarke etablieren wollte, sind längst passé. Skoda zeige die gleiche Wertigkeit wie Ford, Opel und sogar die Konzernmarke VW, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Uni Duisburg-Essen. Und fügt hinzu: „Man könnte sagen, die Tochter Skoda frisst ihre Mutter.“

Das ist Skoda

Markenzeichen

Seit 1926 verlassen Fahrzeuge der Marke Skoda die Werkshallen in Mlada Boleslav. Wer das Logo mit dem geflügelten Pfeil erfunden hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Der ursprünglich blaue Pfeil wurde 1999 in das heute bekannte Schwarz-Grün-Schema getaucht. Vor fünf Jahren erhielt das Logo eine Auffrischung - mit einem neuen Grünton und Chrom-Akzenten.

Quelle:dpa

Beschäftigte

Skoda Auto hat rund 25.500 Beschäftigte - ohne Leiharbeiter. In diesem Jahr will der Autobauer 2000 neue Mitarbeiter einstellen. Gefertigt wird an insgesamt 14 Standorten. Neben den drei tschechischen Werken werden Fertigungskapazitäten unter anderem in China, Indien, Russland und der Slowakei genutzt.

Auslieferungen

Im Jahr 2015 lieferte Skoda das zweite Jahr in Folge mehr als eine Million Fahrzeuge aus. Genau waren es 1.055.501. Der Marktanteil an den Pkw-Neuzulassungen in der EU liegt bei gut 4,5 Prozent (Stand Februar 2016). In den ersten drei Monaten dieses Jahres konnte Skoda seine Auslieferungszahlen noch einmal steigern – um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Finanzielle Ergebnisse

Der Gewinn der tschechischen Volkswagen-Marke stieg 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Prozent auf 708 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 6,2 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro zu.

Kapitaleigner

Im Jahr 1991 erwarb Volkswagen für 620 Millionen DM zunächst 31 Prozent am Unternehmen. Der Rest blieb im Staatsbesitz. Nach und nach erhöhten die Wolfsburger ihren Anteil bis zur vollständigen Übernahme im Mai 2000.

Doch beinahe wäre Skoda am 16. April 1991 nicht zu 31 Prozent deutsch, sondern französisch geworden. Renault hätte in Mlada Boleslav gerne von den niedrigen Löhnen profitiert und einen Kleinwagen gebaut, den späteren Twingo. Französische Minister und Präsident François Mitterrand gaben sich in Prag die Klinke in die Hand. Die Tschechoslowakei galt als Tor zum vielversprechenden mittel- und osteuropäischen Automarkt.

Gegen Renault sprach, dass Skoda als eigenständige Marke untergegangen wäre, sagte der damalige Ministerpräsident des tschechischen Teilstaats, Petr Pithart, einmal im dpa-Gespräch. Angesichts antideutscher Ressentiments war der Zuschlag für VW für den Christdemokraten eine gewagte Entscheidung: „Es war politischer Selbstmord“, sagte Pithart unverblümt.

Heute ist das kaum mehr vorstellbar. Skoda ist zu einer globalen Marke geworden. Größter Absatzmarkt ist nicht mehr Tschechien, sondern das bevölkerungsreiche China. Als der chinesische Staatspräsident Xi Jinping Ende März Prag besuchte - sein einziger Zwischenstopp auf dem Weg in die USA - wurden wichtige Verträge unterschrieben. Gemeinsam mit dem staatlichen Autohersteller SAIC will Skoda in den nächsten fünf Jahren rund zwei Milliarden Euro unter anderem in die Ausweitung der Modellpalette investieren.

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