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06.03.2013

10:28 Uhr

Smith & Wesson

Amerikas Waffenschmieden im Goldrausch

VonNils Rüdel

Schnell noch ein Sturmgewehr kaufen: Aus Sorge vor neuen Gesetzen stürmen die Amerikaner die Waffenshops. Hersteller wie Smith & Wesson oder Sturm Ruger melden Rekordgewinne. Doch wie lange hält der Boom?

Ein Mitarbeiter des US-amerikanischen Herstellers Smith & Wesson mit einer 9-mm-Handfeuerwaffe. dpa

Ein Mitarbeiter des US-amerikanischen Herstellers Smith & Wesson mit einer 9-mm-Handfeuerwaffe.

New YorkFür Wayne LaPierre können die Worte nicht groß genug sein, wenn es darum geht, die Amerikaner vor dem Untergang zu warnen. „Hurrikane. Tornados. Terroristen. Gangs. Einzelne Kriminelle“, zählte der Chef der Waffenorganisation NRA kürzlich in einem Aufsatz auf, „das sind Gefahren, denen wir mit Sicherheit begegnen werden“. Deshalb sei es „keine Paranioa“, eine Waffe zu kaufen, so LaPierre. „Es geht ums Überleben“.

Seit dem Massaker an einer Schule in Newtown Mitte Dezember flutet die Organisation Tag um Tag Medien und soziale Netzwerke mit solchen Botschaften. Die NRA führt einen ihrer größten Kämpfe seit Bestehen – gegen strengere Waffengesetze, die Präsident Barack Obama durchsetzen will. Der Appell der Lobby an die Bürger: Kauft Gewehre und Pistolen, so lange es noch geht.

Wer die Welt mit Waffen ausrüstet

Das Ranking

Einmal jährlich erstellt das Magazin „Defense News“ ein Ranking der größten Rüstungskonzerne der Welt. Die Liste ist dominiert durch US-Konzerne, allerdings werden chinesische Rüstungsriesen wie China South Industries, China State Shipbuilding und China Aerospace Science wegen unsicherer Datenlage nicht im Ranking aufgeführt. Handelsblatt Online zeigt, welche zehn Unternehmen 2011 zu den größten Waffenproduzenten der Welt gehörten.

Platz 10

United Technologies (USA) - 11,0 Milliarden Dollar Umsatz in der Militärsparte

Der US-Mischkonzern gehört zu den größten Unternehmen der Welt und mischt auch im Rüstungsgeschäft kräftig mit. Zum Portfolio der US-Amerikaner gehören Hubschrauber für die zivile und militärische Luftfahrt, Raketenantriebe, aber auch Klimaanlagen. Die Militärsparte macht knapp 20 Prozent des Umsatzes aus.

Platz 9

L-3 Communications (USA) - 12,52 Milliarden Dollar

Die US-Firma aus New York erlangte zuletzt als einer der Marktführer für Körperscanner einige Bekanntheit. Vor allem aber stellt L-3 Kommunikationslösungen sowie Navigationssysteme und -geräte für militärische Zwecke her. Das macht den Konzern laut „News Defense“ zum weltweit neuntgrößten Hersteller von Kriegsgerät - mit einem Umsatz in diesem Sektor von 12,52 Mrd. Dollar im Jahr 2011. Kriegsgerät macht fast 83 Prozent am Gesamtumsatz aus.

Platz 8

Finmeccanica (Italien) - 14,58 Milliarden Dollar

Auch der italienische Finmeccanica-Konzern gehört zu fast einem Drittel dem Staat. Im zivilen Bereich baut das Unternehmen unter anderem U-Bahnen, Lokomotiven und Verkehrsleitsysteme. Im militärischen Bereich gehören Hubschrauber, Lenkwaffen und Panzer zum Portfolio. Im Jahr 2011 setzte Finmeccanica 14,58 Mrd. Dollar mit Kriegsgerät um (knapp 61 Prozent Gesamtanteil).

Platz 7

EADS (Westeuropa) - 16,10 Milliarden Dollar

Auf Platz sieben der Top 10 landet der von Deutschland und Frankreich kontrollierte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Er bietet neben zivilen Verkehrsflugzeugen (Airbus-Reihe) sowie Trägerraketen (Ariane) und Satelliten Militärflugzeuge (zum Beispiel Eurofighter, im Bild) und Sicherheitslösungen an. Mit militärischen Produkten erwirtschaftete EADS 2011 laut „Defence News“ knapp 16,10 Mrd. Dollar. Das entspricht knapp 24 Prozent Anteil am Gesamtumsatz.

Platz 6

Northrop Grumman (USA) - 21,4 Milliarden Dollar

Schlagzeilen machte Northrop Grumman als US-Partner von EADS bei der Bewerbung um einen Milliardenauftrag zum Bau von Tankflugzeugen für das US-Militär. Der Konzern mit seinen mehr als 75.000 Mitarbeitern erzielte in seinem militärischen Segment 2011 einen Umsatz von 21,4 Mrd. Dollar und ist damit der sechstgrößte Rüstungskonzern der Welt. Rüstung macht an seinem Umsatz 81 Prozent aus. Zu den bekanntesten Produkten zählt der Tarnkappenbomber B-2 (im Bild) oder die Atom-U-Boote.

Platz 5

Raytheon (USA) - 23,06 Milliarden Dollar

Der US-Konzern Raytheon stellt hauptsächlich Raketen und optische Militärsysteme her: Den Marschflugkörper „Tomahawk“ etwa, die Luft-Luft-Rakete „Sidewinder“ oder das Flugabwehrsystem „Patriot“. Das Unternehmen mit seinen mehr als 71.000 Mitarbeitern hat 2011 mit militärischen Gütern einen Umsatz von 23,06 Mrd. Dollar (93 Prozent Anteil am Umsatz) erzielt.

Platz 4

General Dynamics (USA) - 25,51 Milliarden Dollar

Der US-Konzern, der unter anderem schwere Militärfahrzeuge herstellt, setzte 2011 mit militärischen Gütern 25,51 Mrd. Dollar um und landet damit auf dem 4. Rang. Zu den Produkten gehören unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, Kampfflugzeuge sowie Lenkflugkörper und IT-Lösungen. 78 Prozent des Gesamtumsatzes machen die Kriegsgüter aus.

Platz 3

BAE Systems (Großbritannien) - 29,13 Milliarden Dollar

Platz drei nehmen die Briten ein: BAE Systems erzielte mit seinen 88.000 Mitarbeitern 2011 einen Umsatz im Rüstungsgeschäft von 29,13 Mrd. Dollar. Der größte Rüstungskonzern Europas (der in seinem zivilen Segment vor allem in der Luft- und Raumfahrt aktiv ist) stellt eine bunte Palette militärischen Geräts her: Von Kriegsschiffen über Raketensystemen bis zu Kampfflugzeugen. Hierbei kooperiert BAE zum Teil mit anderen Rüstungskonzernen, wie etwa mit Lockheed Martin bei der F-22 oder mit EADS beim Eurofighter. BAE hängt mit knapp 95 Prozent Kriegsanteil am Gesamtumsatz fast vollständig von Rüstungsaufträgen ab.

Platz 2

Boeing (USA) - 30,7 Milliarden Dollar

Der drittgrößte Rüstungskonzern ist Boeing - mit einem Umsatz laut „Defense News“ von 30,7 Mrd. Dollar im Rüstungsgeschäft, was knapp knapp 45 Prozent der Gesamtumsätze entspricht. Im zivilen Bereich konkurriert der 170.000 Mitarbeiter starke US-Konzern seit Jahren mit EADS/Airbus um die Vorherrschaft. Im Rüstungsgeschäft hat Boeing eine breite Palette an Flugzeugen und Lenkwaffen im Angebot: von der Transportmaschine C-17 über den Bomber B-52 Flying Fortress bis zum Tankflugzeug KC-767.

Platz 1

Lockheed Martin (USA) - 43,98 Milliarden Dollar

An der Spitze der Rüstungskonzerne steht Lockheed Martin. Der US-Konzern erwirtschaftete 2011 aus seiner Rüstungssparte 43,98 Mrd. Dollar. Knapp 95 Prozent der Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen mit Kriegsgerät: Lockheed Martin stellt einerseits Kampfflugzeuge und -bomber her, darunter die F-16 und die neue, milliardenteure F-22A Raptor. Daneben produziert der Konzern Aufklärungsmaschinen wie die auch von der Bundeswehr genutzte P-3 sowie Luftschiffe. Rein deutsche Hersteller sind im Ranking der größten Rüstungskonzerne nicht in der Top-10.

Für die Waffenschmieden und -händler sind solche Aufrufe bares Geld wert. Seit Obamas Wahl im November 2008, besonders aber seit der Tragödie im Dezember, rennen besorgte Amerikaner den Waffenläden die Türen ein.

Die Folgen dieses Booms sehen etwa beim legendären Hersteller Smith & Wesson dann so aus: Im vergangenen Quartal bis 31. Januar, in das Obamas Wiederwahl und das Attentat fallen, hat sich der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 14,6 Millionen Dollar mehr als verdreifacht. Das teilte der Hersteller am Dienstag mit.

Auch der Umsatz legte demnach kräftig zu: Er kletterte um 39 Prozent auf 136 Millionen Dollar. Smith & Wesson ist anders als der der privat gehaltene Branchenprimus Freedom Group börsennotiert und muss seine Geschäftszahlen veröffentlichen, anders als die meisten anderen in der verschwiegenen Branche.

Firmenchef James Debney sprach am Dienstag von einer „anhaltend robusten Nachfrage nach Schusswaffen“. Obwohl das Unternehmen aus Massachusetts seine Kapazitäten erhöht habe, sei es nicht möglich gewesen, ausreichend herzustellen, um alle Kunden zu befriedigen. „Das Auftragsbuch hat sich im Quartal verdoppelt“, sagte Debney. Auch für die Zukunft zeigte er sich optimistisch – und hob die Prognose an.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

06.03.2013, 11:05 Uhr

Da wird man bald wieder über Massaker in den USA berichten dürfen ...

Account gelöscht!

06.03.2013, 11:40 Uhr

"The best is yet to come" (O-Ton G.Bush, B.Obama)

ich liebe diesen Satz *wegduck*

RMartin

06.03.2013, 13:19 Uhr

Die Amerikaner wissen eben, daß sich nur ein bewaffneter Bürger gegen Diktatoren wehren kann, das Department of Homeland Security hat in den vergangenen Monaten ja auch gigantisch aufgerüstet, natürlich nur gegen Terroristen. Wenn ich mir aber die Umsätze der Waffenhersteller so ansehe - z.B. Smith&Wesson 136 Mio$ im Quartal - dann sind das wirklich nur Peanuts im Vergleich zu Firmen, die die Welt wirklich bedrohen, wie z.B. Goldman Sachs oder Monsanto, um nur zwei zu nennen.

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