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22.01.2010

21:16 Uhr

Solar-Branche

Deutsche Technik für eine Sonnenregion

VonMichael Backfisch

Deutsche Solarunternehmen entdecken den Nahen Osten: Auf einer Fachmesse in Abu Dhabi erkunden derzeit große und kleine Spieler den Markt für erneuerbare Energien. Das passt gut: Die arabischen Regierungen wollen bald einen Teil ihres Energieverbrauchs über erneuerbare Quellen decken - und weg von Öl und Gas.

Modell der Modellstadt Masdar beim World Future Energy Summit 2010 in Abu Dhabi. dpa

Modell der Modellstadt Masdar beim World Future Energy Summit 2010 in Abu Dhabi.

ABU DHABI. Deutsche Solarunternehmen suchen immer öfter Chancen im Nahen Osten. Dabei nutzen sie die Pläne der Regierungen, auf erneuerbare Energien umzustellen. Sowohl kleinere als auch größere Spieler entdecken derzeit den Markt.

"Die Region hat sehr großes Potenzial", sagte Dietmar Siersdorfer, der für Siemens das Energie-Geschäft im Nahen Osten leitet, dem Handelsblatt. Die Schrittmacher seien das Emirat Abu Dhabi sowie der Golfstaat Katar. Auch in Saudi-Arabien führe Siemens erste Gespräche, sagte Siersdorfer am Rande der gestern zu Ende gegangenen Messe "World Future Energy Summit" in Abu Dhabi.

Der Münchner Konzern fokussiert sich derzeit in Arabien vor allem auf solarthermische Anlagen, die Wärme aus der Sonneneinstrahlung nutzbar machen. Grundsätzlich könne sich Siemens aber auch vorstellen, als Generalunternehmer für Photovoltaik-Werke aufzutreten, hieß es. In der Photovoltaik wird Sonnenlicht direkt in Elektrizität umgewandelt. Nach Berechnungen der Firma wächst der Bedarf an Photovoltaikanlagen in der Region zwischen 2010 und 2020 jährlich um rund 24 Prozent. An zweiter Stelle rangieren demnach solarthermische Anlagen mit 22 Prozent vor Onshore-Windparks mit neun Prozent.

Die Prognosen decken sich mit den Plänen der arabischen Regierungen: So wollen die öl- und gasreichen Staaten künftig ihre Rohstoffe verstärkt auf dem Weltmarkt verkaufen. Bislang verfeuern sie einen bedeutenden Teil für die Stromerzeugung im eigenen Land. So speist sich der Gesamtbedarf der Vereinigten Arabischen Emirate über rund 15 000 Megawatt pro Jahr zu 85 Prozent aus Gaskraftwerken. Bis zum Jahr 2020 will die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region sieben Prozent ihres Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen decken.

"2009 ist im Nahen Osten der Knoten geplatzt", sagte Oliver Beckel, Chef für internationale Projekte beim Solarhersteller Q-Cells. Einen Auftrag habe die Bitterfelder Firma zwar noch nicht an Land gezogen, führe jedoch intensive Gespräche in verschiedenen Ländern.

Der Energieversorger Eon sieht im Nahen Osten ebenfalls einen langfristigen Wachstumsmarkt. "Die Region verfügt über eine junge Bevölkerung, der Strom- und Wasserbedarf steigt", sagt Frank Mastiaux, der die Abteilung Erneuerbare Energien in dem Düsseldorfer Konzern leitet. Mit dem Staatsunternehmen Masdar aus Abu Dhabi gründete Eon in dieser Woche ein Joint Venture zur Vermeidung von CO2-Emissionen. Die Firma will sich im Nahen Osten, in Afrika und Asien im Zertifikate-Handel engagieren. Eon, das sich bei erneuerbaren Energien bislang zu 95 Prozent auf den Bereich Windenergie stützt, hat sich bereits bei dem Offshore-Windpark London Array den Partner Masdar ins Boot geholt. Mittelfristig will Eon den Solar-Anteil im eigenen Portfolio hochfahren. "Es ist denkbar, dass wir ein solarthermisches Werk im Nahen Osten bauen", sagte Mastiaux.

Kommentare (2)

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Gerhard Herres

25.01.2010, 17:58 Uhr

Die Mangrovenwälder der Erde sind nicht groß genug, um genügend Treibstoff für den Weltbedarf zu liefern. Es muß zusätzlich auch jetzige Wüstenfläche urbar gemacht werden. Auf 10% der weltweiten Wüstenfläche könnte man 3600 Milliarden Liter biotreibstoff, z.b. Jatropha-Öl erzeugen. So groß war der bedarf 1996 weltweit. Das benötigte Wasser liefern Meerwasserentsalzungsanlagen, die mit der Abwärme solarthermischer Kraftwerke betrieben werden. Das Öl kann zu Kosten von nur 0,42 Euro pro Liter erzeugt werden. Zahlt man dem Plantagenbetreiber CO2-Zertifikate aus (heute 15 Euro/tonne CO2), so kann das Öl 0,17 Euro pro Liter billiger sein, denn die Pflanzen binden pro Liter erzeugten Öls 12 kg CO2 in Wurzeln, Stamm, Ästen und dem Presskuchen.
Zusätzlich würden 2-3% der Wüstenfläche genügen, die Nahrung der Plantagenarbeiter anzubauen. Es ergeben sich viele Millionen Arbeitsplätze in Entwicklungsländern, die den Menschen dort ein Einkommen von etwa 20 Euro pro Tag ermöglichen.
Die gesamte CO2-Menge, die auf diese Weise jährlich von den Pflanzen eingesammelt und dauerhaft gebunden wird, ist 1,5 mal so groß, wie die heute jährlich durch Verbrennung fossiler Stoffe freigesetzt Menge. Der Klimawandel ließe sich nicht nur verlangsamen, sondern umkehren. in 50 Jahren könnte der CO2-Pegel der Luft wieder so niedrig sein, wie 1950. Diese 3 Argumente: 1. sichere Energieversorgung durch Strom aus solarthermischen Kraftwerken und Pflanzenöl von Plantagen in der Wüste, 2. Umkehrung des Klimawandels und 3. beschaffung von Arbeit und Einkommen für viele Millionen Menschen in den Entwicklungsländern sollten die Politiker eigentlich zwingen, solche Projekte ernsthaft zu betrachten und durchzuführen.

Gerhard Herres

25.01.2010, 18:05 Uhr

Details zu dem oben genannten Konzept einer Pfanzenölproduktion in der Wüste findet man auf folgender Webseite:
http://www.humane-wirtschaft.de/01-2010/Herres_Rettung-des-Weltklimas.pdf
oder
http://thet.uni-paderborn.de/publikationen/pdf/Rettung%20des%20Weltklimas%20durch%20Oelpflanzenanbau%20in%20der%20Wueste_091001.pdf

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