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18.01.2010

13:47 Uhr

Solarbranche

Centrotherm freut sich über hohen Auftragsbestand

Es gibt trotz der Debatte um sinkende Förderung auch noch gute Nachrichten aus der Solarbranche. Der für die Branche produzierende Anlagenbauer Centrotherm hat im vierten Quartal von einer rasant gestiegenen Nachfrage nach Solartechnik profitiert.

HB BLAUBEUREN. Das Geschäft des auf die Solarindustrie spezialisierten Anlagenbauers Centrotherm hat sich im vierten Quartal deutlich belebt. Nach einer Durststrecke im zweiten und dritten Jahresviertel gingen von Oktober bis Dezember 2009 Aufträge im Gesamtwert von 400 Mio. Euro ein, wie die im TecDax notierte Gesellschaft am Montag in Blaubeuren (Baden-Württemberg) mitteilte. Da es sich bei einem Großteil der Bestellungen um langfristige Rahmenverträge handelt, verbuchte das Unternehmen davon nach eigenen Angaben aber lediglich 117 Mio. Euro als feste Aufträge.

Zum Jahresende lag der Bestand an gesicherten Aufträgen bei 900 Mio. Euro, das sind rund 100 Mio. Euro weniger als Ende 2008. Nach dem ersten Quartal 2009 verfügte Centrotherm sogar über Aufträge im Wert von 1,3 Mrd. Euro. Die Aktien des Unternehmen bauten nach der Veröffentlichung der Auftragszahlen ihre Gewinne an der Börse zunächst aus. Am frühen Nachmittag notierten sie gut vier Prozent im Plus.

Die Krise der Solarbranche hatte Centrotherm erst mit Verspätung erreicht. Im ersten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres verbuchten die Schwaben noch einen Rekordeingang von 416 Mio. Euro an sicheren Aufträgen. Danach brachen die Bestellungen aber ein - im zweiten Quartal kam Centrotherm nur noch auf einen Wert von 14,5 Millionen, im dritten auf 41,2 Mio. Euro. Als sichere Aufträge bezeichnet Centrotherm Aufträge, für die bereits ein Teil des Auftragsvolumens bezahlt ist. Das schützt das Unternehmen aber nicht davor, dass einige Kunden im vergangenen Jahr Aufträge wegen der angespannten Absatzlage für Solaranlagen verschoben.

Die Solarbranche litt im vergangenen Jahr wegen der Wirtschaftskrise und der gekürzten Förderung in Spanien unter einem heftigen Nachfrageeinbruch. Zugleich nahmen viele neue Fabriken die Produktion auf, was die Preise für die Module schwer unter Druck brachte. Investitionen in neue Anlagen wurden verschoben, was auch die Centrotherm-Konkurrenten Roth & Rau und Manz Automation belastete.

Inzwischen stehen die Signale für die Photovoltaik-Branche wieder auf Wachstum. Der Preisverfall und die stabile Förderung lösten bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 in Deutschland einen Solarboom aus. Inzwischen steigt nach Expertenangaben auch die Nachfrage im Ausland. Langfristig gelten die Aussichten für die Solarbranche ohnehin als gut, so dass die Unternehmen wieder in neue Anlagen investieren. Davon profitiert Centrotherm. In den zum Jahresende vereinbarten Verträgen enthalten ist unter anderem ein Rahmenauftrag für die Lieferung von acht schlüsselfertigen Linien für die Zellherstellung sowie sechs Modullinien über 160 Mio. Euro.

Weitere 160 Mio. Euro umfasst ein Zusatzauftrag für Maschinen zur Produktion von Silizium, dem Grundstoff für Photovoltaikanlagen.

Zugleich meldete die Entwicklungsabteilung von Centrotherm Fortschritte. Bei einem Kunden in Taiwan ist die erste Anlage zur Herstellung von sogenannten CIGS-Dünnschichtmodulen, die aus den Rohstoffen Kupfer, Indium, Gallium und Diselenid gebaut werden, in Betrieb gegangen. Centrotherm setzt große Hoffnungen auf die neue Technologie, da sich damit in der Dünnschicht-Massenproduktion die höchsten Wirkungsgrade erzielen ließen. Dies wiederum soll dazu beitragen, die Solarenergie wettbewerbsfähiger zu machen. Centrotherm geht davon aus, dass die Produktionskosten sich damit auf unter einen Euro je Watt drücken lassen und damit den bislang alles beherrschenden kristallinen Anlagen Konkurrenz machen.

In diesem Jahr rechnet das Unternehmen allerdings noch nicht mit einem Nachfrage-Anstieg. „Die sinkenden Kosten für kristalline Zellen setzen die Messlatte höher“, sagte Technologievorstand Peter Fath.

„Die Dünnschichttechnologie muss im Vergleich dazu noch stark aufholen.“ Als Haupthindernis für einen verstärkten Einsatz der eigentlich billigeren Dünnschichttechnologie gilt, dass die Investitionen in eine Produktionsanlage höher sind als bei kristallinen Zellen.

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