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04.04.2012

15:50 Uhr

Solarbranche

Nur die Giganten dürfen sich sonnen

VonGeorg Weishaupt

Die einst erfolgsverwöhnte Solarindustrie übt sich heute in Preisdrückerei. Unternehmen wie Q-Cells und Solon sind erste Opfer des brutalen Wettbewerbs. Jetzt haben nur noch die Großen eine Chance.

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Solarwatt setzt auf Standort Deutschland

Video: Solarwatt setzt auf Standort Deutschland

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DüsseldorfNiedliche kleine Roboter flitzen durch den Raum, die Waschmaschine läuft friedlich – alles betrieben mit Solarenergie. „Machen auch Sie ihre persönliche Energiewende“, sagt der Sprecher im Werbespot von Solarworld.

Dem Aufruf folgen zwar immer mehr deutsche Kunden. Doch sie kaufen immer weniger deutsche Module. Der Anteil deutscher Firmen am Gesamtmarkt von 7,5 Gigawatt lag im vergangenen Jahr gerade noch bei 20 Prozent, hat das Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin ausgerechnet. Der Anteil chinesischer Unternehmen lag demnach bei 54 Prozent.

Das liegt vor allem an den Niedrigpreisen, mit denen chinesische Hersteller in den Markt drängen. Chinesische Module konnten Monteure und Händler im Februar schon für 0,77 Euro pro Watt im Großhandel kaufen, hat das Internetportal Solarserver ausgerechnet. Module aus deutscher Produktion kosteten 1,03 Euro pro Watt. Alleine im vergangenen Jahr sind die Preise für Solarmodule um 30 bis 40 Prozent gefallen.

Dafür sind vor allem zwei Faktoren maßgeblich: Die sinkende Solarförderung und die weltweiten Überkapazitäten. Alleine bei Solarzellen, einem Vorprodukt für Solarmodule, erhöhten sich die Produktionszahlen nach Angaben des Solarstrom-Magazins „Photon“ von 4,3 Gigawatt im Jahr 2007 auf 37,1 Gigawatt im vergangenen Jahr. Die Produktionskapazitäten lagen Ende 2011 bei 57,9 Gigawatt.

Gleichzeitig kürzte Deutschland seine Förderung für Solarstrom deutlich. Denn für jede Kilowattstunde, die deutsche Solaranlagenbetreiber ins Netz einspeisen, erhalten sie einen festen Betrag. Wenn der sinkt, sinkt auch die Rendite einer Solarstromanlage. Um das auszugleichen, mussten die Hersteller ihre Modulpreise kürzen. Viele Firmen konnten ihre Kosten nicht anpassen und stürzten in die roten Zahlen.

Am schlimmsten erwischte es den Solarmodulhersteller Solon aus Berlin und den einst weltweit größten Solarzellenhersteller Q–Cells aus Bitterfeld-Wolfen. Beide haben Insolvenz angemeldet. Q-Cells hat in seinen erfolgreichen Zeiten bis 2008 seine Kostenstruktur vernachlässigt. Die Finanzkrise brachte das Unternehmen ins Strudeln. Vorstandschef Nedim Cen, der als Sanierer kam, ergänzte die Zellen- durch eine eigene Modulproduktion und investierte in die Marke. Doch das reichte nicht. Jetzt versucht er in der Insolvenz, das Unternehmen oder Teile zu retten.

Cen und die 2200 Mitarbeiter hoffen darauf, dass sie wie Solon einen Retter finden. Dort übernahm Microsol aus den Vereinigten Arabischen Emiraten große Teile des Unternehmens in der Insolvenz. „Ich unterstütze ausdrücklich die Restrukturierungsbemühungen des Unternehmens“, betonte gestern der zuständige Insolvenzverwalter Henning Schorisch.

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