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10.02.2012

11:52 Uhr

Solarbranche

Subventionen schützen nicht vor Konkurrenz

VonChristian Müßgens, Georg Weishaupt, Jessica Schwarzer

Seit Jahren bekommen deutsche Solarkonzerne hohe Zuschüsse - auch direkt aus der Staatskasse. Selbst in der Pleite kosten die angeschlagenen Unternehmen den Staat Millionen. Ein genauer Blick auf ein fragwürdiges System

Solarmodule von Conergy: Die Branche lebt von Privilegien. dpa

Solarmodule von Conergy: Die Branche lebt von Privilegien.

In Sachsen-Anhalt schlägt das Herz der deutschen Solarindustrie. So sahen es zumindest die dort ansässigen Photovoltaikfirmen, als sie vor vier Jahren in der mitteldeutschen Provinz das „Solarvalley“ gründeten – ein Netzwerk aus mehr als dreißig Unternehmen, darunter Branchengrößen wie Bosch, Schott Solar, Q-Cells, Jenoptik und Heraeus. Gemeinsam wollten sie den Weltmarkt erobern. Chinas Solarkonzerne sollten erzittern

Die Politik betrachtete das mit Wohlwollen, erst im vergangenen Jahr zeichnete das Forschungsministerium die Allianz erneut als Spitzencluster aus – und ließ 80 Millionen Euro an Fördergeldern springen. Doch die guten Zeiten sind vorbei: Innerhalb weniger Monate könnte das „Solarvalley“ vom Vorzeigeprojekt zum Symbol einer Branche werden, die nur durch Privilegien und Zuschüsse am Leben erhalten wird.

Seit vergangener Woche steht mit Q-Cells eines der wichtigsten Unternehmen aus dem Zusammenschluss am Abgrund. Dem Konzern ist das Geld ausgegangen, das Landgericht in Frankfurt am Main kippte den bisher geplanten Weg der Restrukturierung. Experten fürchten, dass die Pleite  nur eine Frage der Zeit ist. Bei Q-Cells sind derzeit etwa 2200 Beschäftigte in Lohn und Brot.

Zuletzt war eine ganze Reihe von Solarfirmen ins Taumeln geraten. Der Wettbewerbsdruck wird schärfer, chinesische Konzerne wie Yingli und Suntech jagen den deutschen Herstellern lukrative Projekte ab. Die Folgen sind dramatisch: So muss etwa Conergy für das vergangene Jahr einen Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 80 bis 85 Millionen Euro ausweisen. Im Dezember hatten die Branchenpioniere Solon und Solar Millennium Insolvenz angemeldet.

Es ist kein Zufall, dass die deutschen Firmen jetzt in Schwierigkeiten geraten. Sie profitierten jahrelang von Zuschüssen, die sie vor dem Wettbewerb schützten. Befürworter der deutschen Förderpraxis sagen zwar, dass die Unternehmen in Deutschland kaum direkte Mittel bekommen, sondern dass ihnen nur die indirekte Hilfe durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz zugute kommt: Darin werden den Käufern und Betreibern von Anlagen feste Einspeisesätze für 20 Jahre garantiert.

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Berechnungen aus Branchenkreisen, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen aber: Unternehmen haben neben der indirekten Unterstützung durch das EEG jahrelang auch hohe, direkte Zuschüsse aus der Staatskasse bekommen. Den Berechnungen zufolge hat zum Beispiel die angeschlagene Q-Cells AG mitsamt Tochtergesellschaften und Beteiligungen seit März 2005 mindestens 240 Millionen Euro an staatlicher Beihilfe bekommen. Solche Zuschüsse müssen bei der EU-Kommission angemeldet werden. Die Behörde veröffentlicht die Angaben in einer Datenbank.

Kommentare (19)

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PVInsider

10.02.2012, 12:47 Uhr

Liebe Handelsblatt-Redakteure:

Die immer wiederkehrende falsche Behauptung, Deutschlands Solarindustrie würde durch Subventionen vor dem Wettbewerb geschützt, zeugt nur von Unwissenheit: Tatsächlich kommen die Subventionen aus der EEG-Umlage jeder Solaranlage in D zugute, egal wo die Module und Komponenten herkommen! Das ist ja gerade der Unfug bei der jetzigen Förderung: Nur durch die Milliarden-Subventionen durch die deutschen Stromverbaucher wurde der Erfolg der chinesischen Solarindustrie überhaupt erst möglich! Es gibt in D eben keinerlei Schutz der deutschen Hersteller vor dem Wettbewerb, egal wie verzerrt der Wettbewerb durch niedrige Lohnkosten, mangelnden Arbeits-, Umweltschutz und sonstige "unfaire" Vorteile wird. Aussderdem gehörte es zu journalistischen Sorgfaltspflicht, zu recherchieren wieviel Subventionen die chinesischen Hersteller vom Staat bekommen, erst dann wäre der Vergleich halbwegs korrekt.
Dass der deutsche Solar-Subventions-Irrsinn so nicht weiter gehen kann, ist jedem realistisch denken Mensch in der Branche klar, zumal es weder eine großtechnisch anwendbare Speichermöglichkeit gibt noch die Entsorgung der Module geregelt ist.
mfg vom Insider

Subventionsberater

10.02.2012, 12:52 Uhr

Hier haben wir es mit den Wulffschen Prinzip zu tun:
- Suche Dir eine befreundete Firma / z. Bsp. Öko Industrie
aus als Politiker
- behaupte, daß bald eine Klimaerwärumg eintritt,
- spende deshalb Subventionen um das zu verhindern
- ruiniere damit Ackerflächen und Urwald
- Halte die Hand auf oder sichere dir ein Pöstchen
in der geförderten Industrie.
- sei Jurist, dann kannst du besser abschätzen, wo sie
dich erwischen können
- Fällt die Klimaerwärmung aus, scheiß drauf,
du hast schon einen neuen Job


tib-tib

10.02.2012, 13:05 Uhr

Googeln sie mal Solarbranche und Systemwechsel.
Dann schauen sie mal, ab wann und mit welcher Verteilung diese Begriffskombination auftaucht und denken Sie darüber nach, ob das ein Zufall ist.
Von einer seriösen Zeitung sollte man erwarten, dass keine Lobby-Beiträge im redaktionellen Teil auftauchen. Der Chefredakteur des Handelsblatts sollte die Autoren mal fragen, ob sie noch Nebentätigkeiten ausüben.
Vor allem vermisse ich eine technisch und wirtschaftlich fundierte Auseinandersetzung damit, wie denn die tatsächliche Kostenentwicklung verschiedener Energieträger auf kurz/mittlere und lange Sicht aussieht und welche Marktteilnehmer welche Interessen vertreten.

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