Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2012

14:30 Uhr

Solarhybrid

Erst zugefüttert, dann ausgeschlachtet

VonJan Keuchel

Mit einem ungesicherten Darlehen ist die Briloner Firma Solarhybrid in den Fokus der Staatsanwaltschaft geraten. Offenbar ging der Kredit an die heute insolvente Solar Millennium, um deren US-Anteile auszuschlachten.

Die Millionen-Überweisung an Solar Millenium ist dubios. dapd

Die Millionen-Überweisung an Solar Millenium ist dubios.

DüsseldorfDas verfrühte Weihnachtsgeschenk aus der Provinz hat es in sich: Mitte Oktober 2011 landen rund 7,5 Millionen Euro auf den Konten des Erlanger Solarkraftprojektierers Solar Millennium. Absender ist die Firma Solarhybrid aus Brilon im Sauerland. 55 Mitarbeiter arbeiten dort in einem unscheinbaren Flachdachbau, neben dem Bistro „Suppenkasper“ und Farben Günther.

7,5 Millionen Euro, das ist eine Stange Geld für eine Firma, die an der Börse gerade mal 38 Millionen Euro wert ist - noch dazu, wenn es als unbesichertes Darlehen an ein Unternehmen ausgereicht wird, das kurz vor dem Zusammenbruch steht.

Auch Volker Böhm, der Insolvenzverwalter - das entsprechende Verfahren wird heute eröffnet - wundert sich über den seltsamen Zahlungsvorgang, der mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Denn Anfang Februar hat ein Anleger Strafanzeige gegen Solar-Millennium-Vorstand Jan Withag bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg erstattet. Die Vorermittlungen laufen. Withag will sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Ohne den Ermittlungsergebnissen vorzugreifen, ist eines ziemlich klar: Solarhybrid pflegt einen eher sorglosen Umgang mit Geld. Denn Mitte Februar verkündete Solar Millennium den Verkauf seiner US-Sparte - eben an Solarhybrid - die Gespräche darüber liefen aber bereits seit dem Sommer. Was hätte da näher gelegen, als die 7,5 Millionen auf den Kaufpreis anzurechnen - oder zumindest mit dem Kaufgegenstand zu besichern. Doch das ist nicht geschehen.

Und so gerät Solarhybrid in den Strudel der Insolvenz eines Unternehmens, bei dem offenbar auch Bilanztrickser am Werk gewesen sind. Die Zahl der potenziellen Solar-Millennium-Opfer hat sich seither auf über 30.000 summiert. Rund 16.000 Geldgeber fürchten um ihre Anleihen im Wert von etwa 227 Millionen Euro, 14.000 Aktionäre kauften Solar-Millennium-Papiere, weil sie den Gewinnversprechen des Kraftwerkbauers glaubten, dessen Ex-Chef Utz Claassen einst tönte: „Vor zehn Jahren hätte vermutlich auch nicht jeder einen Manager verstanden, der von General Motors zu Google gewechselt wäre - oder von IBM zu Microsoft.“

Renditen wie bei Google oder Microsoft aber blieben Anlegern und Gläubigern verwehrt. Viel Geld haben sie aus der Insolvenzmasse nicht zu erwarten. Derzeit gibt es zwar rund 60 Gesellschaften und Beteiligungen. Aber viel scheint dort nicht zu holen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

vandale

04.03.2012, 15:03 Uhr

Die Kombination aus der Illusion mit der Sonne Energie zu gewinnen, Anlagern die sich an diesen ökoreligiösen Illusionen erwärmen und die Relität vergessen, Politikern die sich gerne pflegen lassen (dies wird im Gegensatz zur sonstigen Politikpflege von den Medien systematisch ignoriert) und dafür reichliche Subventionen zu Lasten der Gesellschaft ausschütten hat zur Bildung eines ökokriminellen Komplexes geführt.

Die Zeitschrift WIWO hat in einem nüchternen Moment bereits über die Gepflogenheiten bei Solarmillenium und deren Verbindungen zu ehemaligen Vertretern des Grauen Marktes unter dem Titel "Die Geldkollektoren" berichtet.

Insofern sollte dies nicht verwundern.

Vandale

aufmandler

04.03.2012, 15:16 Uhr

der vorstand UTZ CLAASEN hatte nicht den arsch in der hose seine aktionäre über die tatsächlichen wirtschaftlichen verhältnisse bei SOLAR MILLENIUM aufzuklären.

erst später beim juristischen kampf um sein antrittsgeld präsentierte er die wahrheit

eine klare verletzung seiner vorstandspflichten.

ein fall für den staatsanwalt....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×