Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2012

09:53 Uhr

Solarkonzern

Q-Cells erwägt Klage gegen China-Importe

Der Solarkonzern Q-Cells kämpft wegen des Preisdrucks ums Überleben. Nun sammelt das Unternehmen Mitstreiter, die vor der EU-Kommission Sonderzölle einklagen wollen - um so die chinesische Konkurrenz zu bekämpfen.

Der Solarkonzern Q-Cells kämpft derzeit um Überleben. dpa

Der Solarkonzern Q-Cells kämpft derzeit um Überleben.

DüsseldorfDer in Schieflage geratene Solarkonzern Q-Cells erwägt im Kampf gegen die ungeliebte Konkurrenz aus China zusammen mit Mitstreiter Solarworld bei der EU-Kommission für Sonderzölle zu klagen. „Wenn sich die irrationalen Preisbewegungen fortsetzen, werden wir ernsthaft prüfen, uns zu beteiligen“, sagte Konzernchef Nedim Cen am Dienstag. Die Bonner Solarworld will nach den USA nun auch bei der EU-Kommission Strafzölle gegen Dumping-Importe aus China einklagen.

Der Konzern versucht dafür eine Unterstützergruppe zu organisieren, die mindestens 25 Prozent der Jahresproduktion in Europa repräsentiert. Im Sommer soll dann die Klage eingereicht werden. Derweil kämpft Q-Cells - trotz reger Nachfrage - wegen des Preisdrucks ums Überleben: Nach tiefroten Zahlen im Vorjahr erwartet Cen auch 2012 Millionenverluste. „Vor der Branche und vor uns steht ein sehr, sehr schwieriges Jahr. Wir werden im ersten Quartal einen sehr guten Zubau sehen bei einem dramatischen Preisverfall“, kündigte er an.

Cen rechnet daher mit einem Umsatzrückgang und einem negativen operativen Ergebnis (Ebit). Zudem würden erhebliche Restrukturierungskosten im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich das Ergebnis belasten. Cen sieht erst 2013 zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) die Chance auf schwarze Zahlen. Der Preisverfall in der Solarbranche und millionenschwere Abschreibungen hatten Q-Cells 2011 tiefrote Zahlen eingebrockt.

Netto summierte sich der Verlust auf 846 Millionen Euro nach einem Gewinn von 19 Millionen Euro im Jahr zuvor. Bei einem Umsatzrückgang um rund 300 Millionen auf 1,023 Milliarden Euro lag das Minus operativ bei 720 (Vorjahr: plus 82,3) Millionen Euro. Zum Jahresbeginn hatte Q-Cells zudem den Verlust des Eigenkapitals anzeigen müssen. Der Solarkonzern aus dem ostdeutschen Bitterfeld-Wolfen steht am Abgrund: Das Eigenkapital ist aufgezehrt und Anleihegläubiger machen Druck. Nach einem Verhandlungsmarathon gewährten sie Q-Cells Ende Februar im letzten Moment einen Zahlungsaufschub bis Ende April für eine Wandelanleihe über 200 Millionen Euro.

Bis dahin will sich Cen mit den Zeichnern zweier weiterer Wandelanleihen verständigen, die bis 2014 und 2015 laufen. Anschließend soll die 2012er-Anleihe nochmals bis Ende des Jahres verlängert werden. Bis dahin soll das Sanierungskonzept stehen. Im Zuge dessen sollen die Zeichner der Bonds größtenteils auf die Rückzahlung verzichten und stattdessen Aktien erhalten. Doch ein Sanierungsplan könnte ins Wanken geraten angesichts der Förderkürzungen für Solarstrom. Experten erwarten für die Solarbranche in Deutschland - dem immer noch größten Solarmarkt weltweit - einen Markteinbruch.

Solarstrom

Unerschöpfliche Energiequelle

Solarstrom: Die unerschöpfliche Sonnenenergie

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

rtr

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RD1

27.03.2012, 10:08 Uhr

Wer nicht wirtschsften kann und nur von Subventionen lebt soll pleite gehen.
Aber das darf in unsererem Sozialismus ja nicht mehr sein.

vandale

27.03.2012, 10:47 Uhr

Zum Glück ist erst kommendes Jahr Bundestagswahl und so kann man hoffen, dass nicht allzu viele Arbeitsplätze dieser parasitäten Branche "gerettet" werden.

Wenn sich die Deutsche Solarindustrie auflöst, dürfte auch der Druck der Branche auf die Politik zugunsten von Subventionen nachlassen. Gleichfalls dürften die Medienpflege mit ihren euphorischen Artikeln zurückgehen.

Allerdings ist zu befürchten dass man dann viele euphorische Windenergieartikel vorgesetzt bekommt. Wesentliche Spieler wie Siemens und GE sind sehr finanzstark und zumindest Siemens scheint noch nicht realisiert zu haben, dass diese Partie (völlig ungeeignete Energiequellen mit Hilfe extremer Subventionen zur ökoreligiösen Erbauung zu installieren) angesichts der Kosten der Energiewende und der sehr kostenintensiven Alimentierung Südeuropas nicht mehr zu finanzieren ist.

Vandale

RE1

27.03.2012, 10:52 Uhr

wenn man kaum Ahnung hat sollte man sich vielleicht nich so weit aus dem fenster lehnen!
Der Preisdruck aus China ist enorm, darausfolgen niedrige Preise(steht übrigens auch so im Artikel!)! Um wettbewerbs- und konkurrenzfähig zu bleiben muss Q.cells und auch alle anderen Solarkonzerne mitziehen!! Zudem muss man 1 Milliarde Umsatz in solchen Zeiten auch erstmal schaffen! Großer Respekt!

Fördert man die Solarbranche nicht, haben wir wieder zig tausende Arbeitslose, macht das mehr Sinn?
Fördert man aber die Solarbranche somit fördert man auch regenerative Energien und genau das brauchen wir auf dieser Welt!

Man sollte sich vielleicht auch mal den gesamten Werdegang von Q.Cells anschauen bevor man solche Aussagen wie "Wer nicht wirtschaften kann soll pleite gehen." von sich gibt!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×