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24.08.2012

07:16 Uhr

Solarstrom

Deutsche Energiewende macht Schweizer Speicherkraft unrentabel

VonAlexandra Stühff

Schweizer Stromkonzerne wollen vom deutschen Atomausstieg profitieren und investieren in neue Speicherkraftwerke. Bisher ein sicheres Geschäft. Doch die Solarenergie könnte das Geschäftsmodell ruinieren.

Schweizer Flagge am Genfer See. Reuters

Schweizer Flagge am Genfer See.

ZürichJahrzehntelang war das Geschäftsmodell quasi eine Lizenz zum Gelddrucken: Schweizer Elektrizitätskonzerne kauften billigen Nachtstrom aus Deutschland und pumpten damit Wasser aus den Unterseen ihrer Speicherkraftwerke in die Oberseen. Am Morgen oder auch gegen Mittag des folgenden Tages, wenn der Strompreis aufgrund der hohen Nachfrage massiv anstieg, öffneten sie die Schleusen - und lieferten die Elektrizität zurück.

Damit erzielten sie deutlich zweistellige Renditen - schließlich geht beim Hochpumpen kaum Energie verloren. Der Wirkungsgrad der Anlagen liegt bei rund 80 Prozent. Und dank des geplanten Atomausstiegs malten sich die Eidgenossen eine rosige Zukunft aus. Denn während Atommeiler zuverlässig und gleichmäßig Strom liefern, führt ein immer größerer Anteil an erneuerbaren Energien zu starken Schwankungen in den Netzen. Und um die auszugleichen, braucht es Pumpspeicherkraftwerke.

Um bei dem Geschäft dabei zu sein, gingen die Schweizer Stromkonzerne schon mal kräftig in Vorlage. Axpo, das größte Elektrizitätsunternehmen, baut gerade - Potenz verpflichtet - das größte Pumpspeicherwerk des Landes. Zwei Milliarden Franken soll es kosten und 2015 fertig sein. Gleich zwei Werke baut Alpiq für zusammen über zwei Milliarden Franken. Ein viertes Kraftwerk von einem kleineren Betreiber ist ebenfalls im Bau. Fünf weitere sind geplant.

Damit käme die Schweiz auf eine Kapazität von rund 4000 Megawatt - 800 mehr als alle Schweizer Atommeiler zusammen. Doch die Milliarden könnten verloren sein. Denn anders als erhofft, können bereits die bestehenden Pumpspeicherwerke kaum mehr rentabel betrieben werden. Trotz Fukushima und des geplanten Atomausstiegs ist der Strompreis nämlich gesunken.

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„Die Preisdifferenz zwischen billigem und teurem Strom muss mindestens 30 Prozent betragen. Dieser sogenannte Spread ist aber so stark geschrumpft, dass es fraglich ist, ob sich diese zusätzlichen Pumpspeicherwerke je rentabel werden betreiben lassen“, kritisiert Jürg Buri, Geschäftsführer der unabhängigen Schweizerischen Energie-Stiftung (SES).

Kommentare (14)

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Samweis

24.08.2012, 07:45 Uhr

"Trotz Fukushima und des geplanten Atomausstiegs ist der Strompreis nämlich gesunken."
Nanu? Warum hat davon noch niemand etwas gemerkt?

„Die Preisdifferenz zwischen billigem und teurem Strom muss mindestens 30 Prozent betragen. Dieser sogenannte Spread ist aber so stark geschrumpft"
Aha - so wird ein Schuh daraus.
Nicht der Durchschnittspreis ist gesunken sondern der Unterschied zwischen Tag und Nacht.
Klar, da Solarenergie ja nur tagsüber und besonders mittags erzeugt wird.
Das Problem der Schweizer ist also nicht, dass der Strom generell zu billig ist, sondern im Gegenteil dass der billige Nacht-(Atom-)Strom wegfällt, um die Speicherkraftwerke zu laden.

Account gelöscht!

24.08.2012, 07:56 Uhr

Ich weiss nur eines....ein Schweizer zahlt ungefähr die Hälfte an Stromkosten obwohl die den grössten Teil ihres Stromes einkaufen...wie geht das bitte? und wie kann es sein dass man in der gesamten EU wesentlich weniger für Strom bezahlt als in D?

vandale

24.08.2012, 08:07 Uhr

Hallo Samweis...der Strompreis ist in Europa aufgrund der verschlechterten wirtschaftlichen Lage gesunken.

Ueblicherweise werden die Kraftwerke mit den niedrigsten Betriebskosten, umweltfreundliche Kernkraftwerke, rund um die Uhr betrieben und dann je nach Bedarf teurere, Kohle, Erdgas Kraftwerke zugeschaltet. Aufgrund der Rezession in Südeuropäischen Staaten wie Spanien, Stagnation in Frankreich ist das Angebot recht gross. Deutschland ist eben nicht allein im Europäischen Verbundnetz.

Ein weiterer Punkt der im Artikel nicht erwähnt wurde ist der starke Franken. Vor der Banken und € Krise galt ein Wechselkurs von 1,55:1, seit gut einem Jahr 1,2:1. Die Kosten der Schweizer Versorger fallen in Franken an, die Erträge in €.

Einen wesentlichen Punkt den der Journalist unterschlagen hat ist die Launenhaftigkeit des Wetters. An Sonnentagen im Sommer kann der Strombörsenpreis durchaus auf Niedrigstwerte sinken. An Regentagen sieht dies anders aus. Das heisst die Kapazitäten werden benötigt, nur ist dies für den Betreiber nicht mehr wirtschaftlich wenn er an 40 - 80 Tagen im Jahr, mit hohem Frankenkurs, einen Teil des Geschäfts verliert.

Vandale

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