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02.01.2007

08:14 Uhr

KAHL. „Wir wollen unser Geschäftsfeld erweitern, und die Solartechnik ist eine sinnvolle Ergänzung“, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan A. Baustert dem Handelsblatt.

Mit dem Ausweichen auf zusätzliche Geschäftsfelder versucht das im TecDax notierte Unternehmen, einer fatalen Lage zu entkommen: Weil sich die Industrie über die kommende Generation der DVD-Technologie nicht einigen kann – zur Auswahl stehen die „Blu Ray“- und die „HD DVD“-Technologie –, zögern Kunden ihre Aufträge immer weiter hinaus. Die Firma aus Kahl bei Offenbach ist mit einem Anteil von rund 65 Prozent Weltmarktführer bei Anlagen zur Herstellung von CD und DVD.

„Die Kunden warten ab, welches System sich durchsetzt“, sagt Baustert. Zusätzlich hat die Verzögerung bei Sonys Playstation 3, die auf der Blu-Ray-Technologie basiert, den Markt verunsichert. Singulus hat als einziger Hersteller Maschinen für die beiden konkurrierenden Systeme entwickelt. Doch der Absatz ist geringer als erwartet. Statt der erhofften 15 Maschinen hat Singulus bisher erst zehn Blu-Ray-Anlagen ausgeliefert, die aber noch bei den Kunden in der Testphase sind und daher noch keinen Umsatz bringen. „Wir waren zu optimistisch“, räumt Baustert ein. Der Umsatz fiel 2005 von 440 auf 244 Mill. Euro und dürfte 2006 bei rund 260 Mill. liegen.

Nun denkt der Vorstand an Maschinen zur Herstellung von Solarzellen, die nicht aus dem teuren Silizium bestehen, sondern wie CD und DVD mit Dünnschichttechnologie hergestellt werden. Dieses Verfahren gilt als zukunftsträchtig. „Wir können diese Technologien selbst entwickeln, oder wir können Hersteller am Markt übernehmen“, sagt Baustert.

Zudem ist Singulus vor kurzem in das automatische Beschichten von Brillenglas aus Kunststoff eingestiegen. Anfang Dezember lieferte die Firma die erste Maschine an einen Kunden in Spanien aus, zwei weitere stehen bei Brillenherstellern in Deutschland zum Testlauf. Nach Brancheninformationen soll es sich dabei um Zeiss und Rodenstock handeln. „2007 halten wir die Bestellung von fünf bis sieben Maschinen für Brillenbeschichtung für realistisch“, sagt Baustert. „Wir sind der einzige Hersteller.“

Weitere Einsatzmöglichkeiten sieht der Singulus-Chef bei Anwendungen im Bereich Kosmetik oder Schmuck oder bei der Beschichtung von Handyschalen. „In fünf Jahren könnte dieses neue Geschäftsgebiet rund 30 Mill. Euro Umsatz pro Jahr bringen“, sagt Baustert. „Erfolgskriterium wird sein, dass die Beschichtungstechnologie für andere Anwendungen nutzbar gemacht werden kann“, meint Analystin Alexandra Hauser von der Landesbank Baden-Württemberg.

Den größten Konkurrenten Oerlikon aus der Schweiz und dem Japaner Origin Electric ergeht es derzeit bei der DVD-Technologie nicht besser. Die großen Filmstudios warten ab, bis es auch Blu-Ray-Anlagen gibt, auf denen DVD mit zwei Schichten und daher höherem Speichervolumen hergestellt werden können. Diese Technologie beherrscht bisher nur Sony, doch die Japaner produzieren ausschließlich Maschinen für den eigenen Bedarf. Im Mai will auch Singulus diese Maschinen anbieten.

Ähnlich ist die Lage beim konkurrierenden Format HD-DVD. „Wir können liefern und sehen auch einen Markt in Europa“, sagt Baustert. Doch auch hier ist die Nachfrage noch nicht angesprungen. 2006 hat Singulus 120 DVD-Maschinen abgesetzt, nur die Hälfte des Spitzenjahres 2004. Vor allem die US-Kunden haben sich zurückgehalten. Für 2007 erklärt Baustert lediglich als Ziel, „über 100 DVD-Maschinen“ zu verkaufen.

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