Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2012

15:36 Uhr

Solarunternehmen

Q-Cells geht am Dienstag in die Insolvenz

Die vierte große Pleite in der deutschen Solarbranche steht kurz bevor. Q-Cells hat angekündigt, am Dienstag die Insolvenz zu beantragen. Der Solarzellenhersteller will in Eigenregie seine Schulden loswerden.

Q-Cells will am Dienstag einen Insolvenzantrag stellen. dpa

Q-Cells will am Dienstag einen Insolvenzantrag stellen.

Bitterfeld-WolfenNach der Aufgabe seines Sanierungsplanes geht der Solarkonzern Q-Cells in die Insolvenz. Das Unternehmen aus dem ostdeutschen Bitterfeld-Wolfen kündigte am Montag an, Dienstag beim zuständigen Amtsgericht Dessau einen entsprechenden Antrag zu stellen. Q-Cells will sich nach eigenen Angaben unter Gläubigerschutz in Eigenregie sanieren.

„Nach intensiver Prüfung von alternativen Konzepten zur Umsetzung der Finanzrestrukturierung ist das Management zu der Einschätzung gelangt, dass die Fortführungsprognose für das Unternehmen nicht mit hinreichender rechtlicher Sicherheit wiederhergestellt werden kann.“ Daher sei die Stellung eines Insolvenzantrags rechtlich geboten.

An der Börse war bereits mit der Pleite gerechnet worden. Die Aktie war am Vormittag um 35 Prozent abgerutscht, am Nachmittag notierte sie zuletzt 18,4 Prozent im Minus bei 0,173 Euro. Kurz vor der Nachricht wurden die Papiere um 14.20 Uhr für eine Stunde vom Handel ausgesetzt. Die Papiere werden allerdings erst seit kurz nach 15.30 Uhr wieder gehandelt.

Q-Cells, Solon, Solar Millennium: Der Niedergang der Solaraktien

Q-Cells, Solon, Solar Millennium

Der Niedergang der Solaraktien

Nach der Pleite von Q-Cells fragen sich viele Anleger: Wer ist der nächste? Die meisten Solaraktien haben ihnen in der vergangenen Jahren herbe Verluste eingebracht. Ein Überblick über den Absturz der Branche.

Q-Cells hatte am Freitag seinen Sanierungsplan aufgegeben. Gegen den Plan hatte ein Gläubiger beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt geklagt. Das Gericht hat in diesem Fall noch nicht entschieden, wohl aber in einem sehr ähnlichen: Das OLG hatte am Dienstag die Sanierungspläne des Holzverarbeiters Pfleiderer gekippt, die ähnlich wie bei Q-Cells zur Rettung unter anderem den Verzicht der Anleihegläubiger auf ihre Ansprüche vorsahen. Nach dem abschlägigen Gerichtsurteil meldete Pfleiderer Insolvenz an.

Q-Cells Chronologie

1999

Die Q-Cells AG wird von drei Ingenieuren gegründet.

2000

In Thalheim bei Bitterfeld wird mit dem Bau der ersten Produktionslinie begonnen.

2001

Das sogenannte Start-up-Unternehmen beschäftigt 19 Mitarbeiter, die ersten Solarzellen laufen vom Band.

2002

Die Zahl der Beschäftigten steigt auf 82, das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen.

2004

484 Frauen und Männer arbeiten bei Q-Cells, das sich an der australischen Solarfirma CSG Solar beteiligt.

2005

Im Herbst geht das Unternehmen an die Börse, im selben Jahr wird das Joint Venture EverQ gegründet, das heute als Sovello GmbH firmiert und als eigenständiges Unternehmen am Markt agiert - 2007 wächst das Unternehmen weiter und beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter.

2007

Das Unternehmen wächst weiter und beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter.

2008

Die Gesamtkapazität erreicht 574 Megawattpeak, Q-Cells gilt als der weltweit größte Hersteller von Solarzellen.

2009

Q-Cells verlagert Teile der Produktion nach Malaysia und nimmt dort die Produktion von kristallinen Solarzellen auf.

2010

Das Unternehmen ändert sein Geschäftsmodell und wandelt sich vom bisherigen Hersteller von Solarzellen zum Anbieter von Photovoltaik-Lösungen.

2011

Q-Cells rutscht in tiefrote Zahlen. Das überschuldete Unternehmen macht einen Verlust von 846 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,02 Milliarden Euro.

Das Produktionsvolumen beträgt indes 783 Megawattpeak, davon entfallen 717 Megawattpeak auf die Produktion von Solarzellen, von denen rund 60 Prozent im malaysischen Werk produziert wurden.

2012

2012 stand Q-Cells vor einem Schulden- und Kapitalschnitt. Nach Konzernplänen sollten die Gläubiger keine Rückzahlung bei Fälligkeit der Anleihen erhalten, sondern diese im Rahmen des Schulden- und Kapitalschnitt einbringen. Sie hätten damit auf ihre Ansprüche in Höhe von zusammen mehr als 550 Millionen Euro gegenüber Q-Cells verzichtet. Im Gegenzug sollten sie Aktien erhalten. Doch der Plan scheiterte.

Q-Cells will am 3. April einen Insolvenzantrag stellen. Q-Cells beschäftigt derzeit 2.300 Menschen, davon 500 in Malaysia.

Angesichts des Urteils sei dem Restrukturierungskonzept die Basis entzogen worden, erklärte Q-Cells. „Vor diesem Hintergrund geht der Vorstand davon aus, dass die Fortführungsprognose zurzeit nicht gegeben ist“, hieß es in einer Pflichtmitteilung. Q-Cells sei zwar überzeugt, dass die Entscheidung des OLG falsch ist. Zu erwartende Klagen gegen das Restrukturierungskonzept von Q-Cells wären jedoch von demselben Gericht zu entscheiden. Es sei nicht anzunehmen, dass es seine Ansicht ändere.

Die Mitarbeiter bei Q-Cells fürchten nun um ihre Jobs. „Wir haben noch keine Informationen, wie es weitergeht“, sagte Sylke Teichfuß, Vize-Bezirksleiterin der Gewerkschaft IG BCE. Jedoch gebe es Hoffnung: „Ich denke, dass Q-Cells Zukunft hat“, sagte Teichfuß.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.04.2012, 15:15 Uhr

Mööööp. Zonk.
So viel zu den Wachstumstreibern und dem Zukunftsmarkt.
Wir Deutsche sind die Geisterfahrer auf der Energie-Autobahn und wundern uns, wieso die anderen alle in die falsche Richtung fahren.

sailing

02.04.2012, 15:30 Uhr

wenn Unternehmen in hochsubventionierten Branchen mit "geliehenem Geld" Monopoly spielen, dann geht dies langfrisitg nicht gut.
Die angesprochene "Brancehnkrise" die auf "ÜBERKAPAZITÄTEN"
beruht mußte kommen bzw., war schon lange ersichtlich. Wenn man allerdings nicht strategisch denken kann dann wird man "überrascht".

AllesQuatsch

02.04.2012, 15:57 Uhr

womit wieder mal bewiesen ist, das subventionen schädigend für die normale marktwirtschaft sind. meine forderung: alle subventionen streichen und schon kann deutschland europa 2mal retten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×