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07.02.2013

15:12 Uhr

Solarzulieferer

Wacker Chemie blickt in düstere Zukunft

Das Geschäft mit traditioneller Chemie läuft. Allerdings belastet die Krise der Solarbranche auch den Zulieferer Wacker Chemie. Die Geschäftsführung rechnet vorerst nicht mit einer Erholung.

Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie AG. Die Firma geht von einer mauen Zukunft aus. dpa

Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie AG. Die Firma geht von einer mauen Zukunft aus.

MünchenNach einem mageren Jahr sehnt der Spezialchemiekonzern Wacker ein Ende der Talfahrt in der Solarbranche herbei. Im Schlussquartal 2012 stoppten die Münchner immerhin ihren Abwärtstrend. Dank einträglicher Geschäfte mit herkömmlichen Chemieprodukten sei der Preisverfall bei hochreinem Silizium und Vorprodukten für die Solar- und Halbleiterindustrie einigermaßen ausgeglichen worden.

Der Quartalsumsatz habe mit 1,02 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums gelegen, teilte das auf Silizium- und Silikonchemie spezialisierte Unternehmen am Donnerstag mit. Unter dem Strich blieb dennoch ein Verlust von rund 20 Millionen Euro stehen.

Das sind die größten Chemieunternehmen Deutschlands

Platz 10

Das Ranking der umsatzstärksten deutschen Chemieunternehmen eröffnet Beiersdorf. Die Hamburger sind vor allem als Kosmetikhersteller mit Nivea und Co. bekannt. Umsatz 2012: 6,0 Milliarden Euro.

Platz 9

Die Lanxess AG ist ein Ableger von Bayer. Der Spezialchemie-Konzern machte 2012 einen Umsatz von 9,1 Milliarden Euro. Das reicht für den neunten Platz.

Platz 8

Das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck KGaA mit Sitz in Darmstadt kommt auf Rang acht der Rangliste. 2012 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro.

Platz 7

Der Essener Konzern Evonik hat im Jahr 2012 einen Umsatz von 13,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das reicht für Platz sieben.

Platz 6

Boehringer Ingelheim ist das zweitgrößte forschende Pharmaunternehmen in Deutschland. Der Umsatz 2012: 14,7 Milliarden Euro.

Platz 5

Der Spezialgase-Spezialist Linde kommt auf den fünfte Rang der umsatzstärksten deutschen Chemieunternehmen. 2012 lag der Umsatz bei 15,3 Milliarden Euro.

Platz 4

Henkel kommt auf den vierten Platz der Rangliste. Der Düsseldorfer Konzern ist vor allem bekannt für Persil-Waschmittel und Pritt-Kleber. Der Umsatz 2012: 16,5 Milliarden Euro.

Platz 3

Das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius ist einer der größten Krankenhausbetreiber Deutschlands. Das Bad Homburger Unternehmen erzielte einen Umsatz von 19,3 Milliarden Euro (inklusive Pharma).

Platz 2

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist die deutsche Nummer zwei. Der Umsatz 2012 betrug 39,8 Milliarden Euro (inklusive Pharma).

Platz 1

BASF ist das weltweit größte Chemieunternehmen. Die Ludwigshafener haben im Jahr 2012 einen Umsatz von 78,7 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Im Gesamtjahr musste das Familienunternehmen einen kräftigen Dämpfer hinnehmen. Bei einem Umsatzrückgang von sechs Prozent auf 4,63 Milliarden Euro sackte der Gewinn um zwei Drittel auf 107 Millionen Euro ab. „In unserem Polysiliziumgeschäft haben Preisdruck, hohe Lagerbestände und die schwierige finanzielle Situation vieler Marktteilnehmer im Jahr 2012 deutliche Spuren hinterlassen“, erklärte Vorstandschef Rudolf Staudigl. „In den vergangenen Wochen gab es ermutigende Signale, die auf einen verstärkten Ausbau der Photovoltaik hindeuten, speziell in China und den USA. Das könnte sowohl den Absatz als auch die Preise für Solarsilizium positiv beeinflussen.“ Er warnte vor einem Handelsstreit zwischen China und Japan in der Solarbranche.

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Finanzchef Joachim Rauhut warnte trotz erster Besserungssignale: „Es sieht so aus, dass sich bei den Polysiliziumpreisen ein Boden gebildet hat. Das heißt aber noch nicht, dass wir auf eine deutliche Verbesserung hinlaufen. Wir sind vorsichtig, wie sich das weiter entwickelt“, sagte er im Reuters-Interview. „Das erste Quartal wird ein schwieriges Quartal für Wacker.“

Zuletzt habe sein Haus mehr von dem einst heiß begehrten Ausgangsstoff für die Solar- und Halbleiterindustrie ausgeliefert als erwartet. Die Läger der Kunden hätten sich vor Weihnachten einigermaßen geleert. Das Geschäft mit Siliziumscheiben laufe indes weiter schleppend. Wacker scheint zudem die Lust an der schwankungsanfälligen Abnehmerbranche zu verlieren. Den nächsten Entwicklungsschritt auf größere Wafer-Durchmesser wollen die Münchner nicht mehr mitmachen.

Der Abschwung im Photovoltaikgeschäft erweist sich für Wacker nur sehr kurzfristig als Wohltat. Im Schlussquartal habe das Unternehmen 55 Millionen Euro aus Kundenanzahlungen und Schadenersatz für stornierte Bestellungen vereinnahmt. Analysten zeigten sich skeptisch. Es gebe auf absehbare Zeit wenig Hoffnung für den Polysilizium-Markt, urteilte Stefan Freudenreich von Equinet. Die Wacker-Aktie gab drei Prozent nach und war damit größter Verlierer im MDax.

Im laufenden Jahr will sich Wacker mit sinkenden Investitionen gegen den fortschreitenden Renditeverfall wappnen. Der kostspielige Ausbau der Produktion sei vorerst beendet, erklärte Finanzchef Joachim Rauhut. Die Investitionen würden auf etwa 550 Millionen verglichen mit dem Vorjahr halbiert. Die neue Fabrik in Tennessee, deren geplante Eröffnung Wacker bereits um 18 Monate verschoben hat, soll nun Mitte 2015 angeworfen werden. Rauhut kündigte an, dass der US-Standort teurer werde als veranschlagt, aber auch mehr Ausstoß liefern werde.

„Wir erwarten dort mehr Kapazität durch die laufende Verbesserung. Die Investitionen werden sich auch erhöhen. Bisher haben wir 1,8 Milliarden Euro für 18.000 Tonnen geplant, jetzt werden beide Größen um je etwa zehn Prozent höher.“ Bereits im vergangenen Jahr hat sich Wacker mit einer weltweit verkauften Menge von 38.000 Tonnen Polysilizium an den Branchenprimus Hemlock herangerobbt. „Wir haben uns inzwischen auf eine Augenhöhe-Position mit Hemlock bewegt“, sagte Rauhut.

Von

rtr

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