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07.05.2014

07:41 Uhr

Sonderlasten in Kanada

Windparks verderben Siemens das Ergebnis

Der Anschluss von Windparks ist für Siemens turbulent – und kostspielig. Zwar steigert der Konzern den Quartalsgewinn, auf Kurs ist der Industrieriese jedoch dennoch nicht. Auch der Auftragseingang enttäuscht.

Schriftzug an einem Siemens-Gebäude in Berlin: Der Industriekonzern schaffte es auch im vergangenen Quartal nicht, seine Windpark-Turbulenzen zu bereinigen. AFP

Schriftzug an einem Siemens-Gebäude in Berlin: Der Industriekonzern schaffte es auch im vergangenen Quartal nicht, seine Windpark-Turbulenzen zu bereinigen.

MünchenSiemens hat vor dem geplanten Großumbau seine Investoren abermals mit teuren Fehlern in der Energietechnik enttäuscht. Der operative Gewinn kletterte zwar im abgelaufenen Quartal um ein Sechstel auf 1,57 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Wert blieb aber hinter den Erwartungen der Analysten zurück, da Siemens wegen des verzögerten Baus einer Starkstromleitung in Kanada 310 Millionen Euro Sonderlasten verbuchte.

Der Konzern hat bereits mit dem Anschluss von Anlagen in der Nordsee Hunderte von Millionen Euro an Lehrgeld bezahlt. An Land hatte Siemens bisher keine Schwierigkeiten. In Kanada trat der Konzern allerdings als Generalunternehmer für den Bau einer Gleichstrom-Hochspannungsleitung auf und muss für Verzögerungen seiner Partner im Tiefbau geradestehen.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Der Gesamtumsatz der Münchner stagnierte bei 17,5 Milliarden Euro. Der Auftragsgang schrumpfte überraschend stark um 13 Prozent. Erzrivale GE freute sich zuletzt über kräftig wachsende Bestellungen. Siemens erwartet kaum Rückenwind von der Konjunktur. Siemens-Chef Joe Kaeser sieht sich durch die Zahlen in seinen Umbauplänen bestätigt. „Das zweite Quartal hat gezeigt, dass wir in der Verbesserung der operativen Performance noch viel zu tun haben“, erklärte er. Sein Haus werde dennoch im laufenden Jahr den Gewinn je Aktie um mindestens 15 Prozent steigen - vorausgesetzt der Umsatz bleibe auf Vorjahresniveau.

Um sein Haus profitabler zu machen, verpasst Kaeser dem Konzern eine neue Struktur. Er richtet ihn stärker auf Energietechnik und Industrieautomatisierung aus. Siemens kauft für knapp eine Milliarde Euro das Gasturbinengeschäft der britischen Rolls-Royce und formt die neue Division „Digital Factory“. Die Mehrheit am Stahlwerkausrüstungsgeschäft gibt Siemens an die japanische Mitsubishi ab. Die Hörgerätesparte soll an die Börse gehen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

07.05.2014, 09:10 Uhr

Wer Wind(mühlen) säht ....
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Siemens lernt es eben nicht (oder will es nicht lernen).
Offshore-Windmühlen sind die teuerste Art, Strom zu erzeugen. Noch nichts ist hier richtig erprobt.
Die Netze gibt es noch nicht. Für die "Hermesversicherung" darf - natürlich - der Verbraucher aufkommen. So wird Strom zum Luxusgut.

Der Konzern hat bereits mit dem Anschluss von Anlagen in der Nordsee Hunderte von Millionen Euro an Lehrgeld bezahlt. An Land hatte Siemens bisher keine Schwierigkeiten.

Dann sollte sich Siemens mehr auf Onshore-Windmühlen konzentrieren. Die rechnen sich schon heute im Gegensatz zu Offshore-Windmühlen!

Der Auftragsgang schrumpfte überraschend stark um 13 Prozent. Erzrivale GE freute sich zuletzt über kräftig wachsende Bestellungen. Siemens erwartet kaum Rückenwind von der Konjunktur.

Das ist eben der Unterschied zwischen Siemens und GE.

Account gelöscht!

07.05.2014, 11:10 Uhr

Die sog. Erneuerbaren Energien (Windmühlen, Solarparks, Faulgasanlagen) sind und bleiben auf dem weltweiten Energiemarkt ein Nischenprodukt.
Nur durch hohe Subventionierung wird aus diesen Nischenprodukt ein "Schein-Wirtschaftsprodukt" am Energiemarkt! Siemens setzt auf staatliche Subventionszahlungen und lässt den Wettbewerb des Energiemarktes damit komplett aussen vor! Dies ist der größte strategische Fehler!
Der weltweite Energiemarkt (Absatzmarkt) wird seit über hundert Jahren und wird die nächsten tausend Jahren vom Kraftwerk (Dampf-Druck-Maschine) und damit von den zuverlässigen und unbegrenzt reichenden Energieträger Kohle, Gas und Uran/Thorium bestimmt!
Subventionen = Erneuerbare Energien können nur solange gezahlt werden, solange ein Staat/Land genug Steuer und Abgaben von seinen Bürgern abknöpfen kann. Damit wird dieses Land nicht nur in der Energieversorung abhängig von Subventionen und dem Ausland, sondern wird über diese Zwangsabgabe eines EEG auch an Wohlstand verlieren.
Energie Mangel und Wissen Armut werden die Folge einer solchen ideologischen Energiewende Subventionspolitik ala EEG Zwang sein!
Deutschland hat sich mit der Energiewende nicht nur von den Industrieländern verabschiedet, sondern auch von jeglicher Vernunft und Verstand! Wohlstandverlust durch Arbeitsplatzabbau von wertschöpfenden Arbeitsplätzen in der wohlstandsschaffenden deutschen Industrie (Volkswirtschaft) wird die Folge sein!

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