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21.01.2009

15:30 Uhr

Sondersitzung

Continental rüstet sich gegen Schaeffler

Nach der Eskalation im Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler will Conti sich nun offenbar einen Schlachtplan zurechtlegen. Zumindest soll der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Unterstützung fürs Top-Management kommt von Gewerkschaften und den Conti-Führungskräften. Und: Jetzt will Altbundeskanzler Schröder eingreifen.

Am Samstag soll eszu einer Sondersitzung des Aufsichtsrats kommen. Foto: dpa dpa

Am Samstag soll eszu einer Sondersitzung des Aufsichtsrats kommen. Foto: dpa

HB HANNOVER. Der Streit zwischen Schaeffler und Conti ist eskaliert. Die Schaeffler-Gruppe hatte Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg vorgeworfen, er sabotiere systematisch gemeinsame Lösungen und verfolge eigene Interessen. Das Vertrauen sei zerstört. Logische Konsequenz für Schaeffler: Von Grünberg muss weg. Deswegen will nun, wie aus Kreisen zu erfahren war, der Aufsichtsrat von Conti offenbar zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Das wiederum ruft nicht nur von Grünbergs Kollegen auf den Plan. Auch die Gewerkschaft IG BCE hat den von Schaeffler geforderten Rücktritt von Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg abgelehnt. „Die an den Aufsichtsratsvorsitzenden gerichtete Rücktrittsforderung ist sachlich nicht zu begründen und widerspricht den in Mitteleuropa üblichen Umgangsformen“, sagte der stellvertretende Conti-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der IG BCE am Mittwoch.

Die Gewerkschaft IG Metall macht ebenfalls Front gegen die Drohung von Großaktionär Schaeffler zur Neubesetzung des Aufsichtsrats von Continental. IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine, der Mitglied des Aufsichtsrats von Conti ist, bezeichnete ein solches Vorgehen als Bruch der Investorenvereinbarung von Conti und Schaeffler. "Wir werden einen Vertragsbruch nicht akzeptieren“, sagte Meine am Mittwoch in Hannover.

Von Grünberg habe sich bleibende Verdienste um Conti erworben. Bischoff forderte, der seit Monaten andauernde Konflikt um die Zukunft der Conti müsse umgehend beendet werden. Die Belegschaften seien „zutiefst verunsichert“.

Ein Indiz dafür könnte sein, dass sich inzwischen auch schon die mittlere Führungsebene offen gegen Schaeffler in Stellung bringt. Der Vertreter der Leitenden Angestellten bei Conti, Thorsten Reese, hat das Vorgehen von Großaktionär Schaeffler scharf kritisiert und von einer „feindlichen Übernahme“ gesprochen. „Bei der Conti setzt langsam eine gewisse Lähmung und Frustration ein, weil keine Perspektive erkennbar wird“, sagte der Sprecher der rund 1400 leitenden Angestellten des Autozulieferers.

Schaeffler hält jedoch die am Vortag gemachte Rücktrittsforderung aufrecht. Sollte von Grünberg nicht „zeitnah“ zurücktreten, behalte man sich das Recht vor, alle zehn Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseignerseite neu zu besetzen. Man werde sich dabei an die Investorenvereinbarung halten, die vorsieht, dass nur vier Mitglieder aus den Reihen von Schaeffler kommen dürfen. „Beide Unternehmen brauchen jetzt einen schnellen Zusammenschluss des Automotive-Geschäfts“, sagte der Unternehmenssprecher. „Es geht dabei nicht um Schuldenabwälzung, sondern darum positive Synergien zu heben, etwa im Einkauf.“

Nun hat sich auch noch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in den Streit zwischen Continental und seinem Großaktionär Schaeffler eingeschaltet. „Er führt in seiner Funktion als Garant Gespräche mit beiden Seiten und den Gewerkschaften“, sagte ein Sprecher Schröders in Berlin. Der Altbundeskanzler war beim Einstieg des fränkischen Familienunternehmens im vergangenen Jahr angeheuert worden, um für die Einhaltung der Investorenvereinbarung zwischen beiden Unternehmen zu sorgen.

Hintergrund für die jüngsten Querelen: Angesichts der Blockade des Aufsichtsrats von Continental liebäugeln mit Schaeffler verbundene Banken offenbar damit, den Konzern komplett zu übernehmen und im Anschluss von der Börse nehmen zu lassen. Dieses Szenario spielen Kreditinstitute jedenfalls für Schaeffler durch, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. „In dieser verfahrenen Situation könnte ein Squeeze out helfen“, hieß es.

Ein solcher Schritt wäre politisch prekär, weil der Schaeffler damit die im Sommer 2008 geschlossene Investorenvereinbarung mit Conti und den Gewerkschaften eindeutig brechen würde. Das fränkische Familienunternehmen hat zugesichert, seinen Anteil an dem MDax-Konzern bis zum Jahr 2012 auf die aktuell gehaltenen 49,9 Prozent zu begrenzen. Die im Rahmen des Übernahmeangebots eingesammelten überschüssigen Conti-Aktien hatte Schaeffler unmittelbar an die Privatbanken Metzler und Sal. Oppenheim weitergereicht. Zusammen halten beide rund 40 Prozent.

„Es gibt keine solche Prüfung in unserem Auftrag“, heißt es offiziell von Schaeffler zu einem möglichen Squeeze out.

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