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13.02.2004

07:42 Uhr

Sorge vor explodierenden Gesundheitskosten – Unternehmen schon stark belastet

US-Autokonzerne blockieren den Bau neuer Krankenhäuser in Detroit

VonJens Eckhardt

„Amerikanische Autofirmen ziehen gegen den Bau von zwei neuen Krankenhäusern in Vororten von Detroit vor Gericht.“ Diese Meldung aus den USA überrascht. Doch die explodierenden Gesundheitskosten, die die Konzernkassen belasten, haben amerikanische Unternehmen alarmiert. Sie wehren sich auf allen Ebenen und lassen den Ruf nach dem Staat immer lauter werden. Manager und Gewerkschaft ziehen an einem Strang.

PORTLAND/FRANKFURT. Ford-Chef William Clay Ford kann sich nationales Versorgungssystem vorstellen. „Washington muss aktiv werden. Auf lokaler Ebene sind die Probleme nicht zu lösen“, sagt der Vize-Chef der Automobilgewerkschaft UAW, Nate Gooden.

Die Auseinandersetzung hat viele Facetten, wie der Fall aus Detroit zeigt: Dort wollen private Krankenhausbetreiber in die Wohngebiete Besserverdienender expandieren, um Verluste auszugleichen, die ihnen durch die Behandlung sozial Schwacher in innerstädtischen Spitälern entstehen. Die Autofirmen hingegen fürchten, dass es bald zu viele Krankenbetten gibt, die auf ihre Kosten mit den eigenen Mitarbeitern gefüllt werden.

Der Streit um die Krankenhäuser ist eine Konsequenz aus der ungleichen Verteilung der Kosten und Leistungen im US-Sozialsystem. Er erklärt auch, warum die US-Autokonzerne als Leidtragende ihre hohen Sozialbelastungen gerne offen legen. Dagegen geben sich die meisten deutschen Autokonzerne sowohl hinsichtlich ihrer heimischen wie auch ihrer US-Werke und der damit zusammenhängenden Krankenkosten bemerkenswert zugeknöpft.

Seit dem 1993 gescheiterten Versuch der Clinton-Regierung, eine nationale Krankenversicherung einzuführen, verschärfen sich die Probleme ständig. Mehr als 44 Millionen Amerikaner sind ohne Krankenversicherung, die Kosten im Gesundheitswesen steigen zweistellig. Die drei großen US-Autokonzerne, die ihre Arbeitnehmer und deren Ehepartner per Tarif praktisch lebenslang versichern müssen, klagen besonders laut. Sie bekommen Schützenhilfe von der UAW, die in den Kosten eine Gefahr für die Arbeitsplätze sieht. Gewerkschaftsboss Ron Gettelfinger fordert eine steuerfinanzierte nationale Krankenversicherung nach dem Vorbild Kanadas. Unterstützung bekommt er von Daimler-Chrysler-Vertretern und General-Motors-Finanzchef John Devine.

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