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06.01.2010

11:00 Uhr

Industrie

Spaniens Konzerne erobern die USA

VonAnne Grüttner

Spanische Unternehmen setzen immer mehr auf Investitionen in die USA statt sich wie zuvor hauptsächlich auf Lateinamerika zu konzentrieren. Besonders Banken und Baukonzerne nutzten die Finanzkrise in den Staaten geschickt für Übernahmen. Doch auch spanische Energiekonzerne sind im Vormarsch.

Die spanische Bank Santander übernahm letztes Jahr die US-Bank Sovereign Quelle: Reuters

Die spanische Bank Santander übernahm letztes Jahr die US-Bank Sovereign

MADRID. Der spanische Baukonzern ACS hat das neue Jahr genauso begonnen, wie er das alte beschlossen hat: mit einer Übernahme in den USA. Anfang der Woche verkündete das Unternehmen, das auch Hauptaktionär der deutschen Hochtief ist, die Übernahme des New Yorker Tunnel- und Hydraulikexperten John P. Picone für 132 Mio. Dollar. Erst zwei Tage vor Weihnachten hatte ACS-Chef Florentino Pérez den Kauf der Infrastrukturfirma Pulice aus Arizona für 114 Mio. Dollar bekanntgegeben. Schon 2007 hatten die Spanier sich die US-Baufirma Schiavone einverleibt. Kein Wunder, dass sich der Umsatz im US-Geschäft bei ACS innerhalb der letzten zwölf Monate mehr als verdoppelt hat.

ACS ist keinesfalls das einzige spanische Unternehmen, das derzeit einen wesentlichen Teil seiner Investitionen auf die USA konzentriert. "Vor fünf Jahren lagen die spanischen Investitionen in den USA praktisch bei null, aber seit 2007 gehören die Spanier plötzlich zu den drei größten Auslandsinvestoren", sagt Jaime Malet, Präsident der US-Handelskammer in Spanien. In Bezug auf akkumulierte Auslandsinvestitionen haben sich die Iberer in den USA schon auf Platz zehn vorgearbeitet.

Spanische Firmen begannen erst spät, sich zu internationalisieren, und konzentrierten sich zunächst stark auf Lateinamerika. Zwar hat ihnen dieser Schwerpunkt in der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise sehr geholfen, da Lateinamerika sehr viel weniger betroffen war als die Industrieländer. Aber "die Unternehmen wollen neben den tendenziell volatilen lateinamerikanischen Märkten in stabilere Länder diversifizieren", sagt Analyst Antonio Lopez von BNP Paribas Fortis in Madrid. Vor allem Konzerne aus dem Bereich Energie, Infrastruktur und Finanzsektor, aber auch aus der Lebensmittel- und Modebranche stiegen daher in den letzten Jahren massiv im angelsächsischen Raum ein - und zuletzt vor allem in den USA.

Als Erstes rückten die Banken und die Baukonzerne aus. Im Oktober 2005 verkündete die größte spanische Bank Santander den Einstieg in die US-Bank Sovereign, letztes Jahr übernahm sie das strauchelnde Finanzinstitut schließlich ganz. 2007 kaufte die Nummer zwei der spanischen Banken, BBVA, die Bank Compass mit Sitz in Alabama für 9,6 Mrd. Dollar und gehört damit auf einen Schlag zu den 20 größten US-Banken. Dieses Jahr nutzte BBVA, die einmal aus der Banco de Bilbao hervorgegangen ist, die Finanzkrise für eine weitere Aufstockung ihres US-Geschäfts und übernahm die Bank Guaranty, die ebenso wie Compass im Süden der USA operiert. In Texas wird BBVA damit zur nunmehr viertgrößten Bank, in den USA insgesamt zur Nummer 15.

Bei den Banken stellt der US-Markt teilweise eine Erweiterung ihres lateinamerikanischen Geschäfts dar, nicht umsonst konzentrieren sich ihre Investitionen auf Florida und Texas, wo der hispanische Einfluss groß ist. "Doch die meisten Unternehmen setzen auf den amerikanischen Gesamtmarkt, wenngleich die Existenz von 40 Mio. Hispanics sicher hilfreich ist, vor allem im Bereich der Personalpolitik", sagt Malet von der US-Handelskammer.

Die letzten großen Investitionsvorhaben kamen von spanischen Energieunternehmen. So wird der andalusische Konzern Abengoa Solar das bisher weltgrößte Thermosolar-Kraftwerk in Arizona bauen. Der Energiekonzern Iberdrola stieg innerhalb kürzester Zeit sogar zum zweitgrößten Windkraftproduzenten der USA auf. "Spanische Firmen sind weltweit führend in den Bereichen Energie und Infrastruktur und profitieren entsprechend vom US-Investitionsplan für Infrastruktur", sagt Lopez von BNP Paribas Fortis.

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