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13.12.2011

16:09 Uhr

Sparmaßnahmen

Areva streicht in Deutschland bis zu 1.500 Stellen

Der französische Atomkonzern Areva streicht in Deutschland bis zu 1.500 Stellen. Dies soll aber ohne Standortschließungen ablaufen, so das Unternehmen. Auch in Frankreich fallen Jobs weg.

Noch im November hatte CEO Luc Oursel versichert, dass in Frankreich keine Stellen gestrichen würden. Reuters

Noch im November hatte CEO Luc Oursel versichert, dass in Frankreich keine Stellen gestrichen würden.

Paris/ErlangenIm Zuge der weltweiten Sparmaßnahmen baut der französische Atomkonzern Areva in Deutschland bis zu 1500 Stellen ab. Die Unternehmensleitung der Areva NP GmbH sprach am Dienstag von 1.200 bis 1.500 Jobs, die in Deutschland wegfallen sollen, ohne dass Standorte geschlossen werden. In Frankreich sollen ausscheidende Mitarbeiter in der Verwaltung nicht ersetzt werden, was jährlich rund 200 Posten ausmachen soll.

In Deutschland sollen bei dem Stellenabbau, den das Unternehmen mit dem deutschen Atomausstieg begründete, betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. In der Deutschland-Zentrale in Erlangen rechnet die IG Metall allerdings neben den bereits angekündigten Stellenstreichungen mit einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen.

Grund sei ein auslaufender Vertrag aus Finnland, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte in Erlangen, Wolfgang Niclas, im Bayerischen Rundfunk. „Wenn dann keine neuen Aufträge ins Haus kommen, ist das Thema Arbeitsplatz-Abbau mit den jetzigen Zahlen mit Sicherheit nicht beendet und die Zukunft sieht da auch nicht sehr positiv aus.“ Nach Angaben des Gewerkschafters könnten tausend Jobs zusätzlich bedroht sein. In Deutschland arbeiten derzeit noch 5.800 Angestellte für das staatlich kontrollierte französische Unternehmen.

Der Betriebsrat des Gesamtkonzerns forderte bereits, den Sparplan auf Eis zu legen, bis genaue Zahlen zum Stellenabbau bekannt sind. Die Belegschaftsvertreter drohten sogar damit, vor Gericht zu gehen. In Frankreich sprach die Gewerkschaft CGT von 1200 Mitarbeitern, deren Zeitverträge nicht verlängert werden sollen oder die nach dem Ende ihrer Verträge nächstes Jahr nicht ersetzt würden. Industrieminister Eric Besson bezeichnete die Zahl am Dienstag als „frei erfunden“.

Die Unternehmensleitung nannte eine Zahl von jährlich rund 200 bis 250 Stellen im Verwaltungsbereich, die nach dem Ausscheiden der Mitarbeiter nicht wieder besetzt werden sollen. Da der Sparplan bis 2016 läuft, wären mindestens 1000 Jobs betroffen.

Firmenchef Luc Oursel hatte Ende November versichert, dass in Frankreich, wo Areva rund 28.000 Mitarbeiter hat, keine Stellen gekürzt werden sollen.

Areva hatte am Montag jährliche Einsparungen von einer Milliarde Euro bis 2015 angekündigt. Die Investitionen sollen um ein Drittel auf 7,7 Milliarden Euro zurückgefahren werden. Betroffen ist unter anderem die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague, wo auch Deutschland immer noch schwach radioaktiven Atommüll aufarbeiten lässt.

In diesem Jahr rechnet der Konzern mit einem Betriebsverlust von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro. Damit schreibt das Unternehmen, das jahrelang erfolgreich Atomkraftwerke in alle Welt verkaufte, erstmals seit zehn Jahren rote Zahlen. Insbesondere die afrikanischen Uranminen schlagen negativ zu Buche: Sie sind heute fünfmal weniger wert als bei ihrem Kauf 2007.

Trotz des Einbruchs im Markt für Atomkraftwerke nach dem Unglück von Fukushima rechnet der Konzern damit, bis 2016 zehn Druckwasserreaktoren (EPR) zu verkaufen. Bisher baut Areva vier EPR: einen in Frankreich, einen in Finnland und zwei in China. Die Fertigstellung des ersten EPR in Finnland, den Areva als besonders sicher anpreist, verzögert sich allerdings immer weiter.

Von

afp

Kommentare (1)

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Vadim_Prodanov

13.12.2011, 17:02 Uhr

Für Leute, die russisch können:

http://www.kommersant.ru/doc/1837523

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