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28.07.2014

11:57 Uhr

Sparpläne bei VW

Audi und Porsche begehren gegen Winterkorn auf

Mit seinem Sparprogramm zieht VW-Chef Winterkorn nicht nur den Unmut der Beschäftigten auf sich: Die Tochtermarken Audi und Porsche wollen offenbar nicht mitmachen – und monieren falsche Entscheidungen in der Zentrale.

Interne Kritik

Porsche und Audi werfen VW Missmanagement vor

Interne Kritik: Porsche und Audi werfen VW  Missmanagement vor

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Düsseldorf/HamburgDie VW-Töchter Audi und Porsche rebellieren offenbar gegen das fünf Milliarden Euro umfassende Sparprogramm des Mutterkonzerns. Sie wollen ihre Investitionen nicht kürzen, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Montag. Die Oberklasse-Tochter Audi und der Sportwagenbauer Porsche sind hochprofitabel – im Gegensatz zur Kernmarke VW.

Die Marke Volkswagen müsse ihre Kosten endlich senken, fordern namentlich nicht genannte Audi- und Porsche-Manager dem Magazin zufolge. VW leide unter Missmanagement. Zwei Problemfelder sollen die Manager ausgemacht haben: Das US-Werk Chattanooga fahre hohe Verluste ein. Weil die richtigen Modelle für den US-Markt fehlten, sei das Werk, in das weit über eine Milliarde Euro investiert worden sei, nicht ausgelastet.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Im Stammwerk Wolfsburg seien zudem neue Produktionsanlagen installiert worden, die jetzt nur mangelhaft funktionieren, schreibt „Der Spiegel“. Produktionschef Michael Macht und Vertriebsvorstand Christian Klingler müssten wohl um ihre Posten fürchten.

Ein Projekt von VW-Chef Winterkorn sei den Audi- und Porsche-Managern besonders sauer aufgestoßen. Das geplante sogenannte Low-Budget-Car werde nur wenig Gewinn abwerfen, die Rendite des Autobauers werde dadurch weiter sinken. Das Billigauto soll für rund 7000 Euro zu haben sein.

Gegenwind erhält Winterkorn auch von den Arbeitnehmervertretern. Der VW-Betriebsrat erwartet heftige Auseinandersetzungen über den geplanten Sparkurs. „Das wird kein Spaziergang. Und schon jetzt ist klar, dass es an dem einen oder anderen Punkt auch richtig krachen wird“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh am vergangenen Mittwoch vor mehr als 20.000 Mitarbeitern des Wolfsburger Stammwerks. Winterkorn hatte auf der Betriebsversammlung rasche Sparerfolge gefordert. „Kurzfristig brauchen wir dringend mehr Effizienz und mehr Ergebnis“, sagte er.

Kommentare (7)

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Herr Josef Schmidt

28.07.2014, 13:07 Uhr

Wenn Bonis in Gefahr sind dann heisst es Nö danke wir wollen weter saugen.

Anstatt die Schulden zurück zu zahlen und profitabler zu werden saugt sich der Wasserkopf voll. Dieses Geschäftsmodell ist so wie so abgelaufen wenn die Tempolimits kommen und das Steuersparmodell Firmenwagen zu Ende ist. Der Trend geht zu Billigautos.

Herr Salvatore Bonpensiero

28.07.2014, 13:37 Uhr

Die Manager bei Audi und Porsche rebelieren? Die Chance für Winterkorn, seinen "Kumpel" Uli Hoeneß im Konzern unterzubringen, oder?

(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Peter Aue

28.07.2014, 14:51 Uhr

Das läßt in der Tat nichts Gutes für die Kernmarke erwarten, wenn es massive Probleme mit vom Management abgesegneten neuen Anlagen gibt, die nicht funktionieren und der Chef verkündet, daß die Ameisen mehr leisten müssen.

Das ist DAS typische Symptom eines parasitierenden Wasserkopfmanagements.

Mich wundert ein wenig, daß die Piechs da zuschauen, denn immerhin sollten die noch so bodenständig sein zu wissen, was Elite ist: sie geht mit gutem Beispiel voran und verlangt von anderen nichts, was sie nicht von sich selbst abverlangt. Das war das Geheimnis deutschen Erfolges.

Wenn nun die parasitierenden Erbsenzähler auch bei VW das Sagen haben, dann gute Nacht.

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