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11.07.2012

14:39 Uhr

Sparpläne

Tausende Jobs bei Peugeot-Citroën in Gefahr

Fiat steigt aus einem gemeinsamen Werk mit den französischen Autobauern Peugeot-Citroën aus. Die Belegschaft fürchtet um ihre Jobs - ihr steht ohnehin ein harter Sparplan bevor, der morgen bekannt gegeben werden soll.

Peugeot-Mitarbeiter: Tiefe Einschnitte erwartet. Reuters

Peugeot-Mitarbeiter: Tiefe Einschnitte erwartet.

HordainNach der Allianz mit dem Opel-Mutterkonzern GM stehen beim angeschlagenen französischen Autobauer PSA Peugeot-Citroën einschneidende Veränderungen bevor: Das Unternehmen kündigte am Mittwoch an, dass sich der italienische Partner Fiat bis Ende des Jahres komplett aus dem gemeinsamen Werk Sevelnord in Nordfrankreich zurückziehen werde. PSA will am Donnerstag weitere Maßnahmen bekanntgeben, die tausende Jobs kosten könnten.

Im Werk Sevelnord mit seinen 2800 Mitarbeitern werden bisher größere Modelle wie der Van Peugeot 807 sowie Nutzfahrzeuge wie die Kleintransporter Citroën Jumpy und Fiat Scudo produziert. PSA gab nun bekannt, dass der französische Autobauer den Fiat-Anteil von 50 Prozent übernehmen werde. Leichte Nutzfahrzeuge sollen dort aber weiterhin gebaut werden.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Die Gewerkschaft CGT kritisierte, dass Fiat bis Ende 2016 zwar weiterhin Fahrzeuge in Sevelnord kaufen wolle. Die Italiener hätten aber keine Garantie dafür abgegeben. Gewerkschafter hatten vor wenigen Tagen hervorgehoben, dass die Produktion von Fiat-Modellen rund 20 bis 25 Prozent in Sevelnord ausmache und dass ein Ausstieg des italienischen Partners daher den Wegfall von mehr als 500 Stellen bedeuten könnte.

PSA Peugeot-Citroën war im Februar eine Allianz mit dem US-Autobauer General Motors eingegangen, zu dem auch Opel gehört. Seither werden zusätzliche Stellenkürzungen befürchtet, denn die Kooperation soll beiden Konzernen Einsparungen bringen. Ende Juni kündigte Konzernchef Philippe Varin weitere Sparmaßnahmen an, die teils am Donnerstag bei einem Treffen mit dem Zentralbetriebsrat bekanntgegeben werden sollen.

Absatzzahlen: Frankreich bereitet Hilfen für Autobranche vor

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Laut Finanzminister Moscovici soll unter anderem ein Werk von PSA Peugeot profitieren.

Die Gewerkschaften befürchten seit Monaten, dass das traditionsreiche Werk in Aulnay-sous-Bois bei Paris geschlossen werden könnte, das mehr als 3000 Angestellte hat. Dort wird nur noch der Kleinwagen C3 hergestellt, dessen Produktion 2014 auslaufen soll. Auch mehr als 1000 Stellen im westfranzösischen Rennes gelten als bedroht. Ein Vertreter der Gewerkschaft FO hatte Anfang Juli sogar davon gesprochen, dass in Frankreich insgesamt 10.000 Stellen wegfallen könnten.

Der sozialistische Arbeitsminister Michel Sapin erwartete "schlechte" Nachrichten für Aulnay-sous-Bois und einen Sozialplan. Er warf dem abgewählten konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Sender France Inter vor, die Bekanntgabe von Stellenstreichungen wegen der Wahlen in Frankreich um Monate verzögert zu haben.

Peugeot-Citroën hat Absatzschwierigkeiten insbesondere bei seinen Kleinwagen, 60 Prozent seiner Autos verkauft das Unternehmen in Europa. PSA und Opel haben nach Ansicht von Experten dieselben Probleme: Überkapazitäten und eine zu starke Konzentration auf Europa.

Der französische Autobauer, der auf dem europäischen Markt dieses Jahr einen Absatzrückgang um fünf Prozent erwartet, hatte ab Herbst 2011 bereits Einsparungen von insgesamt einer Milliarde Euro für 2012 angekündigt. Diese kommen zu den Einsparungen in Höhe von 3,7 Milliarden über drei Jahre hinzu, die PSA schon 2009 bekanntgegeben hatte. Insgesamt sollen bisher bereits fast 6000 Stellen in Europa wegfallen, davon 4300 in Frankreich.

Von

afp

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

11.07.2012, 16:39 Uhr

Hier helfen nur Umstrukturierungen. Effizientere Fertigung, Löhne und Sozialleistungen runter, Belegschaft verringern und das Rentenalter erhöhen. So kommen PSA und der französische Staat wieder auf die Zielgerade. Hollande hat aber gerade das Gegenteil versprochen. Bin mal gespannt wie er aus der Missere kommt ohne daß der deutsche Steuerzahler dafür einstehen muß, was er ja wohl gerne hätte.

HarteRealitaet

12.07.2012, 05:43 Uhr

"Normale" EU-Kleinwagen werden momentan aufgerieben, zwischen Koreabilligprodukten (aber technisch OK)und den teueren Premiummarkenprodukte einzelnen EU-Hersteller. Kunden kaufen zunehmend "billig" oder "sehr teuer (Markenemotion).
PSA wird noch als normale Marke wahrgenommen und ist nicht billig. Der Markt fodert hier Sonderrabatte ein, da der Kunde hier keinen Premiummarkenzuschlag honoriert. Das ist tragisch, da PSA im Design und Cockpitanmutung große Fortschritte vollzogen hat. Der "Deal" mit GM sichert eine bessere Kostenbasis auch bei reduziertem Marktanteil.

Trotzdem sind Werksanpassungen unvermeidlich, da schlicht einfach zu wenige Kunden PSA-Autos kaufen. Irgendwann muss halt reagiert werden, da mangelnde Auslastung und größere Personalvorhaltung das Unternehmen sonst runterziehen können. Während MINI blendend verkauft wird, kriselt es bei PSA-Kleinwagen; auch das ist ein Phänomen der heutigen Zeit. Teile der PSA-Probleme sind auch sicherlich hausgemacht.

Account gelöscht!

12.07.2012, 11:08 Uhr

PSA plant Stellenstreichungen
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Wo ist/bleibt Hollande? wo die S(K)PD-Troika?
Sie müssen doch "sofort" eine "Transfergesellschaft" fordern!
Oder einen "Rettungsschirm" für PSA.
Oder einen"Soli" für PSA.
Es kann doch nicht angehen, daß ein Unternehmen der "La Grande Nation" Stellen streicht und z.B. VW "Rekordgewinne" meldet.
Das kann/darf nicht sein!

PSA und Opel haben sich gesucht und gefunden. Sie sind auf "gleicher Augenhöhe".

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