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11.10.2012

17:41 Uhr

Sparprogramm

Siemens feilt an seiner Giftliste

Siemens hat einen massiven Auftragseinbruch zu verkraften. Vorstandschef Peter Löscher schwenkt daher auf Sparkurs. Bereits 8000 Stellen sind ausgemacht, die wegfallen könnten. Und die Liste dürfte noch länger werden.

Siemens-Gebäude in der Schweiz: Der Konzern reagiert mit einem Sparprogramm auf den Auftragseinbruc. Reuters

Siemens-Gebäude in der Schweiz: Der Konzern reagiert mit einem Sparprogramm auf den Auftragseinbruc.

Düsseldorf/BerlinSiemens könnte im Zuge seines Sparprogramms bis zu 10.000 Stellen abbauen. Das hat die Nachrichtenagentur Bloomberg von einer mit den Vorgängen informierten Person erfahren. 8000 zu streichende Stellen habe Siemens bereits identifiziert, 2000 weitere könnten bis zum Jahresende hinzukommen. Die Pläne seien zum Großteil noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sagte die informierte Person zu Bloomberg.

Siemens will mit einem zweijährigen Sparprogramm Kosten senken und verloren gegangenen Boden zur Konkurrenz gut machen. Auf einer Führungskräftetagung am Donnerstag in Berlin stellte Vorstandschef Peter Löscher die Eckpunkte vor und räumte auch hausgemachte Probleme als Grund für das Programm ein. Konkrete Schritte will er aber erst am 8. November auf der Jahrespressekonferenz vorstellen.

Offiziell blieb offen, wie viele Stellen auf der Kippe stehen. Die Manager müssen in den nächsten Wochen konkrete Maßnahmen erarbeiten. „Wir geben eben keine Arbeitsplatzzahl vor“, sagte Löscher in der Mitarbeiterzeitung. Aber die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat unterstütze das Programm. In Deutschland beschäftigt Siemens heute rund 119.000 Mitarbeiter, 3000 mehr als vor einem Jahr.

Der Konjunkturabschwung habe Siemens auf dem falschen Fuß erwischt, die Kosten seien ausgeufert, erklärte Löscher. Siemens müsse Bürokratie und Doppelstrukturen im Unternehmen abbauen, Forschung und Entwicklung enger mit der Produktion verzahnen und „im Vergleich mit dem Wettbewerb günstiger werden“.

Zwischenbilanz der Ära Löscher

Siemens 2007 und 2011 in Zahlen

Was hat Peter Löscher als Siemens-Vorstandschef bisher erreicht? Die wichtigsten Zahlen aus den Geschäftsberichten 2007 und 2011 im Vergleich.

Umsatz

Umsatz des gesamten Konzerns 2007: 72,5 Milliarden Euro

2011: 73,5 Milliarden Euro

Umsatz in Asien

Erlöse in Asien 2007: 10,9 Milliarden Euro

2011: 14,4 Milliarden Euro

Gewinn nach Steuern:

2007: 4,0 Milliarden Euro

2011: 6,3 Milliarden Euro

Dividende

Dividende je Aktie 2007: 1,60 Euro

2011: 3,00 Euro

Aktienkurs

Aktienkurs 2007 (Jahresdurchschnitt): 96,42 Euro

2011: 68,12 Euro

Börsenwert

Unternehmenswert an der Börse 2007: 88 Milliarden Euro

2011: 59,5 Milliarden Euro

Mitarbeiterzahl

Mitarbeiter im Siemenskonzern insgesamt 2007: 471.000

2011: 402.000

Hauptaktionäre

Hauptaktionäre 2011: Die Familie von Siemens hält sechs Prozent, der US-Vermögensverwalter Blackrock fünf Prozent.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Vertrieb seien zu stark gestiegen, sagte Löscher. Bürokratie müsse abgebaut, Doppelfunktionen sollen gestrichen werden. Der Auslandsvertrieb werde verschlankt. Schwächelnde Geschäfte, die zur Dauerbelastung für das Unternehmen zu werden drohten, kämen auf den Prüfstand. Konkrete Schritte und Zahlen will er am 8. November mit der Jahresbilanz präsentieren.

Siemens habe in seinem im September abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 zwar eines der besten operativen Ergebnisse seiner Unternehmensgeschichte erreicht, sei aber hinter den eigenen Zielen zurückgeblieben und gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten - auch wegen „hausgemachter Probleme“, räumte der Vorstandschef ein.

An der Börse kam Löschers Ankündigung nicht als der große Wurf an. Siemens-Aktien waren mit einem Verlust von gut einem Prozent die einzigen Verlierer im Dax.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

11.10.2012, 18:57 Uhr

Der Löscher kann nur eines - volle Attacke rückwärts.

Jetzt funktioniert noch nicht einmal seine Gesundschrumpfkur

Pfeiffen dort, echt wahr. Einst der Stolz der Deutschen Industrie.

Wo bleibt denn mal eine EXPANSIVE VORWÄRTSSTRATEGIE??

Vor lauter Rendite-Gegeier machen die sich in die Hosen und verpennen die Chancen von morgen. Null Risikobereitschaft.

Seit Jahren Rückzug, Verkauf, Aktienrückkauf. Was Siemens abliefert ist müdestes Luschitum. Erbämlich. Hasenfüssig. Jammerlappend.



RoadRunner

11.10.2012, 19:08 Uhr

Siemens darf nicht mehr Schiergelder fuer Grossprojekte benutzen. Sie stehen unter der Lupe der eigenen Medien, des BND und anderen Sicherheitsdiensten verschiedenster Nationen.
Saemtliche Konzerne der Welt benutzen Schmiergelder um an Projekte gelangen und werden sogar durch deren Regierungen unterstuetzt, von Frankreich ueber China und Korea.
Nur die eigenen Volksverraeter koennen nicht es abwarten deutsche Unternehmen und Arbeitsplaetze zu zerstoeren.

so-isses

11.10.2012, 19:22 Uhr

war es nur Zufall, dass Siemens mit allmöglichen Schmiergeldverfahren beschuldigt wurde und zum gleichen Zeitpunkt General Electric zum grossen Angriff auf Siemens bliess?
Der CIA unterstützt seine grossen nationalen Unternehmen um jeden Preis. Wer hatte denn die Informationen über Schmiergelder in Gang gebracht?

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