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22.02.2013

11:18 Uhr

Spezialchemie

Evonik stößt Hintertür zur Börse auf

Erste Anteile am Essener Chemiekonzern gehen an institutionelle Investoren. Diese Erweiterung des Eignerkreises ist ein erster Schritt in Richtung Börse. Für März ist das Listing geplant - es ist nicht der erste Anlauf.

Blick auf das leuchtende Logo an der Evonik-Zentrale. dpa

Blick auf das leuchtende Logo an der Evonik-Zentrale.

DüsseldorfDer Spezialchemiekonzern Evonik wagt nach mehreren Rückschlägen einen neuen Anlauf an die Börse. Der Konzern habe die Vorbereitungen für eine geplante Notierungsaufnahme an der Frankfurter Börse wieder aufgenommen, teilten Evonik und die Eigner des Konzerns am Freitag mit. Von einem Teil ihrer Evonik-Aktien hätten sich die Eigentümer, die RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC, bereits getrennt. Die Anteile seien vorab an institutionelle Investoren abgegeben worden, hieß es weiter. Diese Erweiterung des Eigentümerkreises stelle den ersten Schritt für die angestrebte Börsennotierung dar. Der neue Chef der RAG-Stiftung, Werner Müller, betonte, die Tür für die geplante Börsennotierung des Unternehmens sei nun "ein weiteres Stück geöffnet".

Das sind die größten Chemieunternehmen Deutschlands

Platz 10

Das Ranking der umsatzstärksten deutschen Chemieunternehmen eröffnet Beiersdorf. Die Hamburger sind vor allem als Kosmetikhersteller mit Nivea und Co. bekannt. Umsatz 2012: 6,0 Milliarden Euro.

Platz 9

Die Lanxess AG ist ein Ableger von Bayer. Der Spezialchemie-Konzern machte 2012 einen Umsatz von 9,1 Milliarden Euro. Das reicht für den neunten Platz.

Platz 8

Das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck KGaA mit Sitz in Darmstadt kommt auf Rang acht der Rangliste. 2012 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro.

Platz 7

Der Essener Konzern Evonik hat im Jahr 2012 einen Umsatz von 13,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das reicht für Platz sieben.

Platz 6

Boehringer Ingelheim ist das zweitgrößte forschende Pharmaunternehmen in Deutschland. Der Umsatz 2012: 14,7 Milliarden Euro.

Platz 5

Der Spezialgase-Spezialist Linde kommt auf den fünfte Rang der umsatzstärksten deutschen Chemieunternehmen. 2012 lag der Umsatz bei 15,3 Milliarden Euro.

Platz 4

Henkel kommt auf den vierten Platz der Rangliste. Der Düsseldorfer Konzern ist vor allem bekannt für Persil-Waschmittel und Pritt-Kleber. Der Umsatz 2012: 16,5 Milliarden Euro.

Platz 3

Das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius ist einer der größten Krankenhausbetreiber Deutschlands. Das Bad Homburger Unternehmen erzielte einen Umsatz von 19,3 Milliarden Euro (inklusive Pharma).

Platz 2

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist die deutsche Nummer zwei. Der Umsatz 2012 betrug 39,8 Milliarden Euro (inklusive Pharma).

Platz 1

BASF ist das weltweit größte Chemieunternehmen. Die Ludwigshafener haben im Jahr 2012 einen Umsatz von 78,7 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Bereits in zwei Monaten könnten die Evonik-Aktien auf dem Kurszettel erscheinen: "Wir streben dieses Listing für Ende April an", hieß es in einem Brief des Vorstands der RAG-Stiftung, der Reuters vorliegt. Der "angestrebte sogenannte Freefloat von ca. zehn Prozent der Aktien" werde "mit hoher Wahrscheinlichkeit" erreicht werden, schrieb der Vorstand weiter an die Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung. "Weitere Investoren haben ihr Interesse am Erwerb von Evonik-Aktien bekundet", bilanzierte der Vorstand.

Die kleine Frankfurter Investmentbank MainFirst verkaufe sieben Prozent der Evonik-Anteile an mehr als zehn Anleger, je die Hälfte der Anteilsscheine stellten die Stiftung und CVC zur Verfügung, hatte Reuters aus Finanz- und Eignerkreisen erfahren. Der Prozess habe vor zwei Wochen begonnen, etwa die Hälfte der sieben Prozent sei schon verkauft. Für knapp vier Prozent der Anteile seien rund 550 Millionen Euro gezahlt worden, hieß es an anderer Stelle weiter. Im April müssten dann nur noch drei Prozent der Aktien an den Mann gebracht werden. Die Deutsche Bank hat einem der Insider zufolge gute Chancen, diesen Teil des Börsengangs zu organisieren.

Im Sommer 2012 waren die Börsenpläne Evoniks auf die lange Bank geschoben worden, weil potenzielle Anleger nicht bereit waren, Preise nach den Vorstellungen der Stiftung zu zahlen. Damals war Evonik mit rund zwölf Milliarden Euro bewertet worden. Nun liegt die Bewertung höher: Dem aktuellen Plan liege ein Firmenwert von mindestens 14 Milliarden Euro zu Grunde, so dass die mit knapp 75 Prozent beteiligte RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC mit einem Erlös von rund 1,4 Milliarden Euro rechnen könnten, hieß es im Umfeld der Stiftung.

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Trotz sinkender Nachfrage rechnet der Konzern mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau.

Unter dem Dach der Stiftung ist der deutsche Steinkohlebergbau gebündelt. 2018 sollen die öffentlichen Hilfen für den Steinkohlebergbau auslaufen - die Stiftung soll dann für die Folgekosten gerade stehen. Diese soll sie mit Hilfe von Evonik bestreiten - erste Milliarden hatte sie bereits mit dem Verkauf von Evonik-Anteilen an CVC eingesammelt. Entworfen hatte dieses Modell der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, der seit vergangenem Dezember an der Spitze der Stiftung steht. Müller nimmt mit dem Börsengang nun ein Projekt in Angriff, mit dem sein Vorgänger an der Spitze der Stiftung, Wilhelm Bonse-Geuking, gescheitert war.

Das Eis für Börsengänge in Deutschland ist nun gebrochen - auch die Deutsche Annington will Finanzkreisen zufolge noch vor der Sommerpause den Sprung auf das Börsenparkett wagen. LEG Immobilien hatte Anfang des Jahres bereits den Börsengang gewagt.

Von

rtr

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