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05.10.2017

16:29 Uhr

Spezialchemiebranche

Clariant-Huntsman-Fusion steht auf der Kippe

Die geplante Fusion von Clariant-Huntsman könnte doch noch scheitern. Beide Seiten trommeln für den Deal, ein Aktivist könnte den Zusammenschluss aber noch vereiteln. Dies führt zur Nervosität in der Clariant-Chefetage.

Der im Mai angekündigte Zusammenschluss mit der texanischen Huntsman würde Clariant zur Nummer Zwei der Spezialchemiebranche mit einem Umsatz von 13,2 Milliarden Dollar machen. Reuters

Clariant

Der im Mai angekündigte Zusammenschluss mit der texanischen Huntsman würde Clariant zur Nummer Zwei der Spezialchemiebranche mit einem Umsatz von 13,2 Milliarden Dollar machen.

Zürich/FrankfurtWenn Hariolf Kottmann am Fenster des Sitzungszimmers steht, sieht der Clariant-Lenker 40 Meter unter sich leicht bekleidete Menschen. Im Wellness-Tempel „Aquabasilea“ genießen die Gäste Whirlpools, sieben Rutschen und den gemäß Eigenwerbung größten Hamam der Schweiz. Hoch oben im Büroturm ist die Stimmung weniger entspannt.

Denn der Fusion mit dem US-Konzern Huntsman, die eigentlich Kottmanns lange Karriere in der Chemieindustrie krönen sollte, droht Schiffbruch. Der aggressive Großanleger White Tale hat dem 20-Milliarden-Dollar-Unterfangen den Kampf angesagt. „Ich glaube nicht, dass der Deal zu den gegenwärtigen Bedingungen zustande kommt“, sagt Fondsmanager Martin Lehmann von 3V Invest.

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Ein Großinvestor will mit aller Macht die Fusion des Schweizer Chemiekonzerns Clariant mit dem US-Rivalen Huntsman verhindern. Die US-Gesellschaft White Tale hat daher den Anteil an Clariant aufgestockt.

Der im Mai angekündigte Zusammenschluss mit der texanischen Huntsman würde Clariant zur Nummer Zwei der Spezialchemiebranche mit einem Umsatz von 13,2 Milliarden Dollar machen. Wäre da nur nicht White Tale. Aus Sicht des US-Investors rechnet sich der Deal für die Clariant-Eigner nicht. Und mit jeder Aktie, die die Amerikaner dazukaufen, wird es für Kottmann ein wenig ungemütlicher.

Das Kräftemessen ist nicht spurlos an den Protagonisten vorbeigegangen. Clariant-Finanzchef Patrick Jany sei jüngst bei einer Konferenz in London „etwas aufgeregter rübergekommen als normal“, notierte Bernstein-Analyst Jeremy Redenius. Es herrsche Nervosität in der Chefetage, sagen mehrere Personen übereinstimmend. Kein Wunder, es steht viel auf dem Spiel für den Hersteller von Flugzeug-Enteisungsmitteln oder Pigmenten.

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Kottmann ist zum Schluss gekommen, dass die Basler Firma zu klein ist, um längerfristig mit den Konkurrenten mithalten zu können. Für Baader Helvea-Analyst Markus Mayer geht es bei der Firmenhochzeit denn auch in erster Linie darum, eine mögliche feindliche Übernahme zu vereiteln. Im Umkehrschluss heißt dies: Platzt der Deal, könnte Clariant – laut Mayer „das Übernahmeziel Nummer eins in der Branche“ – zur Gejagten werden.

Begeisterungsstürme hat die Fusion bisher bei den Aktionären nicht ausgelöst. Kottmann und auch sein Gegenüber Peter Huntsman werden zwar nicht müde zu betonen, dass die großen Aktionäre „fast ausnahmslos“ Zustimmung signalisierten. Öffentliche Unterstützungsbekunden sind aber rar. Eine Ausnahme war der Finanzinvestor Atlantic Investment Management.

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