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11.04.2011

11:16 Uhr

Spionageaffäre

Großreinemachen bei Renault

VonTanja Kuchenbecker

Bei einer außerordentlichen Verwaltungsratssitzung geht es um die Verantwortung für die vermeintliche Spionageaffäre. Vizechef Patrick Pélata steht im Zentrum der Kritik.

Patrick Péla, bislang Vize-Chef von Renault. Quelle: Reuters

Patrick Péla, bislang Vize-Chef von Renault.

Paris

Nach der vermeintlichen Spionageaffäre beginnt bei Renault das Großreinemachen. Bei einer außerordentlichen Verwaltungsratssitzung geht es am Montag darum, wer die Verantwortung trug.

Dabei steht laut französischen Medienberichten auch die Zukunft einiger Verantwortlicher bei Renault auf dem Spiel, unter anderem von Vizechef Patrick Pélata. Renault-Chef Carlos Ghosn dagegen soll von möglichen Sanktionen aber zunächst nicht betroffen sein. Renault wollte die Sitzung im Vorfeld nicht kommentieren.

Renault hatte drei Managern des Unternehmens vorgeworfen, strategische Informationen über Elektroautos an die chinesische Konkurrenz weitergegeben zu haben. Doch offenbar war der Autobauer einem Schwindel aufgesessen, er wurde nicht ausspioniert. Bei der Sitzung wird es deshalb auch um die Entschädigungen gehen, die die drei beschuldigten Manager für die Entlassung und Rufschädigung fordern.

In dem Zusammenhang hatte Patrick Pélata, der bei Renault für das Tagesgeschäft zuständig ist, auch angedeutet, dass er zu persönlichen Konsequenzen bereit sei, falls sich die Anschuldigungen als falsch herausstellten. Er bot seinen Rücktritt an, Ghosn lehnte den Schritt ab. Eine abschließende Entscheidung kann auf der Verwaltungsratssitzung allerdings nicht fallen, dazu fehlt die juristische Berechtigung. Doch es könnte eine Orientierung für zukünftige Entscheidungen bedeuten.

In einem externen Untersuchungsbericht werden schwere Mängel in der Konzernleitung angeprangert. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde betonte im Rundfunksender France Inter: "Der Bericht zeigt, dass es offensichtliches Fehlverhalten gegeben hat." Sie habe den Vertretern des Staates im Verwaltungsrat Anweisung gegeben, den Empfehlungen des Berichtes zu folgen. Der Staat hält bei Renault 15 Prozent der Anteile.

Auch Industrieminister Eric Besson hatte zuvor gefordert, "Lehren aus diesem schweren Versagen" der Unternehmensleitung zu ziehen. In dem Bericht seien die Verantwortlichen für den Skandal benannt, betonte er im TV-Sender LCI, ohne deren Identität jedoch zu enthüllen. Die französische Regierung hat verärgert auf den Skandal reagiert.

Die Entschuldigung von Konzernchef Ghosn, der unter falschen Anschuldigungen drei Manager gefeuert hatte, seien noch nicht das Ende der Geschichte, hatte Besson bereits angekündigt. Renault war nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich auf einen Betrüger aus der eigenen Sicherheitsabteilung hereingefallen. Der hatte dem Konzern versichert, dass ranghohe Mitarbeiter strategische Information über die Entwicklung von Elektroautos an die chinesische Konkurrenz weitergeben. Für die Informationen, die sich später als falsch herausstellten, hat Renault nach Angaben des Staatsanwalts mehr als 300.000 Euro bezahlt.

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