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17.11.2016

06:53 Uhr

Spritverbrauch und CO2

Autos schlucken 42 Prozent mehr als angegeben

Autos verbrauchen im Alltag meist deutlich mehr, als von den Herstellern angegeben. Möglich machen das Laborbedingungen – und Regelschlupflöcher. Eine Studie zeigt nun, dass die Diskrepanz viel höher ist, als angenommen.

Die Angaben der Autohersteller weichen teils bis zu 42 Prozent von den tatsächlichen Werten ab. dpa

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Die Angaben der Autohersteller weichen teils bis zu 42 Prozent von den tatsächlichen Werten ab.

BerlinErst das Atemgift NOx, nun auch der Klimakiller CO2. Der internationale Umweltforscher-Verbund ICCT - Mitenthüller des VW-Abgas-Skandals - erhebt mit einer neuen Untersuchung schwere Vorwürfe gegen die Autoindustrie. Während die Vereinten Nationen in Marrakesch um weitere Schritte im Kampf gegen die globale Erwärmung ringen, ziehen die Wissenschaftler eine alarmierende Zwischenbilanz zum tatsächlichen Treibhausgas-Ausstoß vieler Fahrzeuge - mögliche finanzielle Folgen für Staat und Autofahrer inbegriffen.

Kernergebnis der am Donnerstag vorgestellten Analyse: Auf der Straße verbrauchten neue Pkw 2015 im Schnitt 42 Prozent mehr Sprit, als die Hersteller im Prospekt offiziell angeben. Vor fünf Jahren hatte eine frühere Studie noch einen Unterschied von 23 Prozent, vor zehn Jahren von 15 Prozent ergeben. Weil die CO2-Werte direkt vom Verbrauch abhängen, dürften die Zahlen vor allem Klimaschützer aufschrecken.

Dabei mag das International Council Of Clean Transportation nicht so recht daran glauben, dass die massiven Abweichungen nur Zufall sind. „Ungefähr drei Viertel der Diskrepanz zwischen Real- und Testverbrauch (sind) darauf zurückzuführen, dass Fahrzeughersteller immer systematischer Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen“, meint Europa-Chef Peter Mock.

Gemeint sind etwa für Tests optimierte Reifen oder Batterien. Zudem spielten Faktoren hinein, die den Labor- gegenüber dem Straßenbetrieb sparsamer erscheinen lassen - wie die Abschaltung von Klimaanlagen.

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Ihrem zusammen mit dem niederländischen Institut TNO erstellten Zahlenwerk legten Mock und seine Kollegen eine breite Basis zugrunde. „Wir haben die Daten für etwa eine Million Fahrzeuge aus sieben europäischen Ländern untersucht“, berichtet ICCT-Mitglied Uwe Tietge.

Dabei griffen die Forscher auf Angaben privater Autonutzer bei spezialisierten Verbrauchs-Webseiten, Tankdaten von Leasingfirmen, Straßentests von Fachzeitschriften und Messungen von Autoclubs zurück. Nie sei die „Kluft zwischen offiziellem und tatsächlichem Verbrauch“ so groß gewesen. Nur 2005/2006 nahm sie einmal von 15 auf 14 Prozent ab.

Kommentare (7)

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Herr Stefan Nold

17.11.2016, 09:20 Uhr

Mir geht dieses ewige polemisieren auf die Nerven: Der arme unschuldige Autofahrer gegen die böse Automobilindustrie. Ich bin gestern von einer Messe nach Hause gefahren. Ich hatte nicht mehr viel Sprit im Tank aber keine Lust auf einer Autobahnraststätte zu tanken. Deshalb bin ich langsam gefahren. Tempo 100, Stau umfahren dank Navi. Ich war entspannt zu Hause, Duchschnittsverbrauch auf dieser Strecke 4,3 l/100. Wenn man so fährt erreicht man diese Werte, die Erfahrung habe ich schon mehrfach gemacht. (VW Passat, TDI 2,0 10 Jahre alt, also ohne "Schummelsoftware"). Und die Anzeige stimmt. Ich fahre immer ziemlich sparsam, wenn auch nicht immer so extrem wie gestern. Jeder kann etwas für den Klimaschutz tun - aber die Leute sind viel zu bequem. VW hatte mit dem Lupo ein 3 Liter Auto auf den Markt gebracht, aber wenn die Leute lieber SUV kaufen, dann wird eben das produziert. Wir sind Wähler - vor allem bei den Kaufentscheidungen. Die Grünen spielen so etwas wie eine zweite Verbraucherschutzorganisation. Aber wie man die Probleme technisch in den Griff bekommt, das interessiert sie nicht. Vielleicht sind Ursachen und Wirkungen des Klimawandels etwas anders als vorhergesagt, das mag sein. Es könnte weniger schlimm kommen, oder noch viel schlimmer, ganz genau weiß das niemand. Aber das ist doch keine Ausrede nichts zu tun. Nein, es ist grob fahrlässig und im höchsten Maße verantwortungslos wissenschaftliche Erkenntnisse einfach zu ignorieren. "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan" (1. Mose 1, 28). Gott hat uns die Erde gegeben, damit wir sorgsam und verantwortungsvoll damit umgehen und Gott hat uns einen Verstand gegeben, damit wir seine Gaben in Ehren und entwickeln können.

Herr harald morun

17.11.2016, 09:52 Uhr

Jeder Autokäufer weiß doch, dass die Angaben nicht stimmen. Jeder ist doch darüber informiert, dass er sein Auto zurückgeben kann, wenn der Verbrauch drastisch von den Angaben abweicht. Und?
Die Leute kaufen dennoch ! Und behalten dennoch ihren 3 Tonnen Kampfpanzer. Den Menschen ist es schlichtweg egal was die Potenzkrücke verbraucht. Was kostet die Welt. Ist doch eh zu 90 % auf Pump.

Herr Manfred Tauber

17.11.2016, 11:12 Uhr

@Herr Stefan Nold, ihre Ansicht mit dem vernünftigen Fahren ist zwar richtig, hat aber mit dem Thema absolut nichts zu tun! Wenn der Hersteller eines Fahrzeuges Angaben über sein Produkt macht, sollten diese auch stimmen. Darum geht es ausschließlich! Es werden Verbrauchszahlen genannt, welche eben nicht stimmen. Viele Menschen kaufen sich ein Fahrzeug, weil die angegebenen Werte für sie günstig sind (CO2-Ausstoß, Verbrauch). Diese Käufer werden schlichtweg betrogen. Auch die Untätigkeit des Staates muss man benennen. Es wurde ein Software eingebaut, welche betrügen sollte. Die nicht erreichten Abgaswerte, atmen WIR ALLE ein, aber die Autoindustrie kann so tun, als wäre nichts geschehen.

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