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03.06.2011

21:16 Uhr

Staat steigt aus

Fiat übernimmt US-Anteile an Chrysler

Die USA geben ihre verbliebene sechsprozentige Beteiligung am Autobauer Chrysler an Großaktionär Fiat ab und ziehen sich damit endgültig aus dem Unternehmen zurück. Die Italiener denken bereits über eine Fusion nach.

Präsident Obama beim Besuch eines Chrysler-Werkes in Ohio. Quelle: dapd

Präsident Obama beim Besuch eines Chrysler-Werkes in Ohio.

WashingtonKnapp zwei Jahre nach der Insolvenz des US-Autobauers Chrysler zieht sich der Staat komplett aus der ehemaligen Daimler-Tochter zurück. Die verbliebene sechsprozentige Beteiligung im Besitz der USA geht nach Angaben des US-Finanzministeriums für 560 Millionen Dollar an Großaktionär Fiat, der damit eine Mehrheit von 52 Prozent erreicht. Die Verluste für die Steuerzahler hielten sich am Ende in Grenzen: Das Ministerium investierte nach eigener Auskunft 12,5 Milliarden Dollar in Chrysler und bekam rund 11,2 Milliarden Dollar zurück.

Die gesamte Hilfsaktion für die durch die Weltwirtschaftskrise 2007 bis 2009 schwer gebeutelte heimische Autoindustrie ist aus Sicht der Regierung in Washington eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Finanzminister Timothy Geithner sprach von „einer der unglaublichsten Kehrtwenden der jüngeren Geschichte“. Präsident Barack Obama feierte am Freitag bei einem Besuch in einem Chrysler-Werk in Toledo im US-Bundesstaat Ohio die Rettung der einstigen Vorzeigebranche.

Auch der frühere Weltmarktführer General Motors (GM) ging 2009 in die Insolvenz und begab sich unter die Fittiche des Staates, der mittlerweile noch knapp ein Drittel an GM hält. Inzwischen übertrifft die Opel-Mutter mit ihren Gewinnen wieder die Erwartungen. Ford musste nicht die Regierung zu Hilfe rufen, profitierte aber von finanziellen Erleichterungen im Rahmen anderer Programme.

Anfangs wurde erwartet, dass das Rettungspaket für die Autobranche die Steuerzahler etwa 80 Milliarden Dollar kostet. Mittlerweile geht die Regierung nur noch von etwa 14 Milliarden aus. Sie argumentiert ferner, indirekt seien die Belastungen noch weit geringer, denn das Eingreifen des Staates habe Hunderttausende von Arbeitsplätzen in dem Sektor gesichert. Damit sei enorm viel Geld für Arbeitslosenhilfe gespart und massive Steuerausfälle verhindert worden.

Chrysler löst sich rund sechs Jahre früher als ursprünglich geplant aus der staatlichen Kontrolle. Bereits vergangene Woche zahlte der Konzern seine Hilfskredite vorzeitig komplett zurück: 5,9 Milliarden Dollar an das US-Finanzministerium und 1,7 Milliarden an die kanadische Regierung. Die Zukunft liegt bei Fiat - nicht nur finanziell, sondern auch operativ. Fiat-Chef Sergio Marchionne, der zugleich auch Chrysler lenkt, hat bereits die Möglichkeit einer Fusion betont. Auch an einem Börsengang von Chrysler zeigt er Interesse. Ein Sprung auf das Handelsparkett sei aber erst 2012 wahrscheinlich. „Ich sehe keine Nutzen in einem IPO 2011“, sagte der Fiat-Chef.

Von

rtr

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