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08.01.2004

07:01 Uhr

Staatsanwaltschaft befragt Deutsche Bank

Ex-Finanzvorstand belastet Parmalat-Banken

VonMarcello Berni und Michael Maisch (Handelsblatt)

Der langjährige Finanzchef von Parmalat, Fausto Tonna hat die bei dem Milchkonzern engagierten Banken schwer belastet. „Es ist unmöglich, dass sich die Institute nicht vorstellen konnten, was geschah“, sagte Tonna in einem zwölfstündigen Verhör. Die Ermittler wollen nun klären, ob die beteiligten Institute die Anleger zum Kauf von Parmalat- Bonds ermutigt haben, obwohl sie bereits über die kritische Finanzlage informiert waren.

MAILAND/FRANKFURT/M. Die Staatsanwaltschaft in Parma befragte dazu gestern vier Manager der Deutschen Bank aus London. Inhalt des Gesprächs war die Rolle der Bank bei der Ausgabe einer Parmalat-Anleihe, hieß es aus Ermittler- Kreisen. Die Deutsche Bank hatte im September – wenige Monate vor der Insolvenz des achtgrößten italienischen Industriekonzerns – die letzte Parmalat-Anleihe über 350 Mill. € an den Markt gebracht und die Papiere auch bei Fonds in Frankfurt vermarktet. Nach Informationen aus Finanzkreisen war die Platzierung schleppend angelaufen, die Bank hat zunächst ein größeres Paket in die eigenen Bücher genommen. Mittlerweile seien die Anleihen aber vollständig platziert.

Die Deutsche Bank nahm zum Inhalt des Informationsgesprächs nicht Stellung. Aus Ermittlerkreisen hieß es jedoch weiter, dass die Manager auch die Frage beantworten mussten, warum das Geldinstitut noch im November überraschend seinen Anteil an der Parmalat-Tochter Parmalat Finanziaria von 2,5 auf rund 5,1 % verdoppelt hatte, obwohl der Lebensmittelkonzern bereits vor der Insolvenz stand. Laut der Internetseite der italienischen Börsenaufsicht Consob hat die Bank diese Beteiligung am 19. Dezember wieder auf 1,6 % zurückgefahren. An diesem Tag wurde der Beweis für die Bilanzmanipulationen bei Parmalat erbracht und die Aktie vom Handel ausgesetzt. Bei der Transaktion habe es sich lediglich um ein Finanzgeschäft gehandelt, bei dem die Deutsche Bank die Aktien leihweise für einen Kunden übernommen habe, betonte ein Sprecher des Frankfurter Geldhauses.

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