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26.04.2012

10:52 Uhr

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die brisanten Gas-Geschäfte der EnBW

VonJürgen Flauger, Jan Keuchel

Vorstandschef Hans-Peter Villis arbeitete mit dem russischen Lobbyisten Andrey Bykov an einem großen Gasgeschäft. Doch der Zwei-Milliarden-Deal scheiterte. Nun ist die Staatsanwaltschaft mit dem Streit beschäftigt.

Der Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis. dpa

Der Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis.

DüsseldorfFür Hans-Peter Villis ist der Auftritt heute in der Karlsruher Stadthalle schon unangenehm genug. Obwohl sein Abschied als Chef der Energie Baden-Württemberg (EnBW) seit langem feststeht, muss er den Aktionären auf der Hauptversammlung eine durch den Atomausstieg verhagelte Bilanz erklären.

Auf der Tagesordnung steht aber auch ein besonders unangenehmes Thema: Die dubiosen Geschäfte der EnBW mit dem russischen Lobbyisten Andrey Bykov, für die sich seit Anfang des Jahres die Staatsanwaltschaft interessiert. Sie hat Vorermittlungen wegen des Verdachts der Untreue und Steuerhinterziehung eingeleitet. Es geht um 120 Millionen Euro, die die EnBW von Bykov zurück fordert, weil es laut EnBW keine Gegenleistung gibt.

Mindestens ein Gegenantrag liegt zu dem Thema vor: Was es mit den „2005 bis 2008 unter obskuren Umständen mit dem russischen Lobbyisten Andrey Bykov“ abgeschlossenen Verträgen auf sich habe, will Rechtsanwältin Barbara Puche aus Annweiler wissen. Weil der Vorstand sich nicht „um eine sachgerechte Aufklärung des Geschehens“ bemühe, lehnt sie dessen Entlastung ab. Und Puche wird nicht die einzige Aktionärin sein, die das heikle Thema anspricht.

Für Villis ist der Gegenantrag brisant, weil er – anders als bislang bekannt – nach Informationen des Handelsblatts selbst mit Bykov Geschäfte machte. Mit Recherchen dieser Zeitung konfrontiert, bestätigte das Unternehmen, dass Villis im Jahr 2008 gemeinsam mit Bykov an einem großen Gasgeschäft arbeitete. Das Scheitern des Deals im Volumen von ungefähr zwei Milliarden Euro war offenbar auch der Auslöser, dass die bis dahin gut funktionierende Geschäftsbeziehung eskalierte.

Seit 2009 streiten sich die beiden Parteien, mittlerweile vor drei internationalen Schiedsgerichten. EnBW wirft Bykov vor, dieser habe Verträge über eine Zusammenarbeit im Kernenergiebereich, die zwischen 2005 und 2008 abgeschlossen worden waren, nicht erfüllt und 120 Millionen Euro zu Unrecht einbehalten.

Andrey Bykov. Pressefoto

Andrey Bykov.

Dabei reicht die Zusammenarbeit des Energieversorgers mit dem Russen bis in die 90er Jahre zurück – und verlief lange problemlos. Es ging zunächst um die Vermittlung von Brennstäben für die EnBW-Reaktoren. Über die Jahre summierte sich das Geschäftsvolumen auf einen Betrag im Milliardenbereich. In den Jahren 2005 bis 2008 kamen dann zwei weitere Projekte mit Bykov hinzu. Eine Kooperation mit teilweise Bykov gehörenden russischen Firmen zur Überwachung nuklearer Transporte in Russland und eine Kooperation beim Rückbau des Kernkraftwerks Obrigheim.

Kommentare (2)

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klaasenutz

29.04.2012, 09:35 Uhr

stehen derartige vorwürfeind haus,müßte der aufsichtsrat schon einmal der form halber dem vorstandsvorsitzenden den streit erklären,ansonsten haften die aufsichtsräte

ist in der richtung schon etwas passiert

Account gelöscht!

29.04.2012, 11:49 Uhr

Passiert doch eh nichts...der feine Herr Villis hat ein krummes Ding gedreht und kommt trotzdem ohne Schaden davon.
Die Kleinen verknackt man, die Grossen lässt man laufen..war schon immer so und wird auch immer so sein. Ein Zumwinkel hat es ja fantastisch vorgemacht und zeigt seitdem der deutschen Rechtssprechung den Mittelfinger.

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