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15.10.2012

19:29 Uhr

Staatsfonds Aabar

Starke Daimler-Aktie zwang Investor zum Ausstieg

Zu gut um wahr zu sein: Als Retter in der Not sprang der arabische Staatsfonds Aabar im Jahr 2009 dem Autokonzern Daimler bei. Seitdem hat sich der Aktienkurs fast verdoppelt. Der Investor schoss dennoch ein Eigentor.

Ein Mann besucht ein Mercedes-Autohaus in Dubai (Archiv). dpa

Ein Mann besucht ein Mercedes-Autohaus in Dubai (Archiv).

Dubai/FrankfurtDer Rückzug der arabischen Investmentgesellschaft Aabar beim Autobauer Daimler geht Insidern zufolge auf fehlgeschlagene Derivategeschäfte zurück. Der staatlich kontrollierte Fonds aus dem Emirat Abu Dhabi habe seinen restlichen Aktienanteil von gut drei Prozent vergangene Woche nicht einfach an einen anderen Investor verkauft, sondern an Banken aus der Not heraus abgetreten. Zu den Käufer zählen Deutsche Bank und Goldman Sachs. Das sagten vier mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Marktwert des Pakets lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 1,25 Milliarden Euro.

„Die Aktien-Derivate, die an die Finanzierung geknüpft waren, haben zu einer Verwässerung des Anteils geführt“, erklärte ein Insider. Die Investmentgesellschaft war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, die anderen Unternehmen wollten sich zur Sache nicht äußern. Für seinen ursrpünglichen Anteil hatte das Emirat 2009 je Aktie 20,27 Euro bezahlt und insgesamt 1,95 Milliarden Euro. Heute notieren die Papiere über 38 Euro.

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Als Retter in der Not war der arabische Staatsfonds Aabar dem Autokonzern Daimler in der Finanzkrise zur Hilfe geeilt. Das Engagement sollte mindestens 50 Jahre währen. Stattdessen macht Abu Dhabi jetzt schon Kasse.

Aabar war den in der Finanzkrise in Bedrängnis geratenen Stuttgartern beigesprungen und hatte einen direkten Aktienanteil von gut neun Prozent an Daimler erworben. Inzwischen ist Daimler an der Börse knapp doppelt so viel wert wie zum Zeitpunkt des Einstiegs von Aabar, was eigentlich ein Grund zur Freude sein müsste. Allein: Aabar hatte den Deal mit Hilfe von Investmentbanken eingefädelt und war dabei Wetten eingegangen, die am Ende nicht aufgingen und teuer wurden – etwa auf eine bestimmte Kursentwicklung der Aktie, wie die Insider berichteten.

So habe sich die Daimler-Aktie besser entwickelt als ursprünglich gedacht, was Aabar zu regelmäßigen Zahlungen an die Banken verpflichtete. Am Ende zog die Investmentgesellschaft, deren Muttergesellschaft IPIC mit Daimler milliardenschwere Bewertungsverluste einfuhr, die Reißleine.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

15.10.2012, 19:54 Uhr

Die Herrschaften wurden von ihren Beratern anscheinend recht gut "beraten" (fraglich nur in wessen Sinne). Beraten und verkauft triffts hier ganz gut ;-)

emilioemilio

15.10.2012, 20:24 Uhr

Schon immer waren Golfstaaten als "Anker-Investoren" besonders beliebt! Investoren = Spekulanten, sonst nichts!

Doch wenn ein deutsches Bundesland, hier Niedersachsen gleiches (historische Gründe) tut ist es ein Anschlag auf den Markt, die Marktwirtschaft etc.
Wie krank ist dieses Land, dieses System? Die EU?

Buerger

15.10.2012, 20:52 Uhr

Dieser Bericht zeigt nochmal, wohin das Bankster-Unwesen mittlerweile geführt hat. Im Falle deutscher Landesbanken waren es wertlose Papiere aus dem Schneeballsystem der US Subprime-Hypotheken, die zum Ruin geführt haben, verkauft von angeblich seriösen Investmentbanken, die bessere Hundehütten als wertvolle Immbilien bewertet hatten. Schon das war kriminell.

Im Falle des Staatsfonds Aabar wurden die Investoren noch gekonnter über den Tisch gezogen. Obwohl das Investment selbst nicht nur werthaltig war, sondern sogar (unter normalen Umständen) Riesengewinne hätte einfahren müssen, ist es den Banken offenbar gelungen, das Ganze über Derivate so zu verpacken, dass für den Investor sogar ein Verlust entsteht.

Man kann da jetzt schadenfroh sein - das ist aber unangemessen. Diese Raubpolitik der Banken kann in der einen oder anderen Form jeden von uns treffen. Die Frage ist, wie lange unsere Gesellschaften solche Organisationen, die ganze Staaten in den Ruin treiben und ansonsten in der Vermögensberatung Konstrukte ersinnen, die offensichtlich darauf angelegt sind, auch an sich erfolgreiche Investoren zu plündern, noch gewähren lassen will.

Dieses Bankenunwesen muss von Grund auf reformiert und neu reguliert werden. Ein Großteil der komplexen Derivate muss schlicht und banal verboten werden. Wie die Libor-Manipulationen und jetzt auch dieses Beispiel zeigen, geht es hier nicht mehr um seriöses Banking. Das sind akademisierte Mafia-Methoden auf höherem Niveau, die zwar ohne Erschiessen funktionieren, dafür aber hinsichtlich der Plünderung von Investoren sogar noch wirksamer sind als jedes klassische Verbrechen.

Diese Art von Banken braucht Keiner - weder Staaten, noch Großinvestoren noch Privatanleger! Weg mit diesen Ganoven! Da hilft keine Finanztransaktionssteuer, sondern nur eine enge Genehmigungspflicht für Derivate, das Verbot der meisten dieser Konstrukte und die Wiederherstellung der Bankrottmöglichkeit der derzeit staatlich geschützten Banken.

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