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15.01.2011

10:28 Uhr

Staatskonzern Rosneft

Russland steigt bei BP ein

VonKatharina Slodczyk

Über den Staatskonzern Rosneft beteiligt sich Russland am britischen Energiekonzern BP. Im Gegenzug sichert sich BP durch eine Beteiligung am russischen Konkurrenten Zugriff auf Fördermöglichkeiten in der Arktis. In Russland wollen die Briten Milliarden von Tonnen Öl aus dem Polarmeer holen. Der Deal wurde auf höchster politischer Ebene eingefädelt.

BP-Chef Bob Dudley (links) und Rosneft-Präsident Eduard Khudainatov - Deal mit Unterstützung von höchster politischer Ebene. DAPD

BP-Chef Bob Dudley (links) und Rosneft-Präsident Eduard Khudainatov - Deal mit Unterstützung von höchster politischer Ebene.

LONDON. Sie haben mit Superlativen nicht gespart und sich gegenseitig über den grünen Klee gelobt: Dies sei "ein historischer Moment", "eine einzigartige Kooperation", "eine richtungweisende Allianz für das 21. Jahrhundert, die auf großem gegenseitigem Vertrauen basiert", die für beide Partner nur mit Vorteilen verbunden sei und die gegenseitigen Stärken noch weiter ausbauen werde.

All dies haben der angeschlagene britische Ölmulti BP und der russische Staatskonzern Rosneft am späten Freitag Abend in London verkündet. Dahinter verbirgt sich eine weitreichende Kooperation beider Unternehmen kombiniert mit einer Überkreuzbeteiligung. Rosneft übernimmt fünf Prozent von BP mit einem Wert von knapp acht Milliarden Dollar. Die Briten werden dafür neue Aktien ausgeben. Im Gegenzug übernimmt BP 9,5 Prozent an Rosneft - das entspricht ebenfalls einem Wert von knapp acht Milliarden Dollar - und steigert so seinen Anteil an dem russischen Konzern auf 10,8 Prozent.

BP bringt dieser Deal einen neuen Großaktionär und damit mehr Schutz vor feindlichen Übernahmen. Darüber wurde zuletzt immer wieder spekuliert, seitdem der britische Energiekonzern im Zuge der Ölpest im Golf von Mexiko drastisch an Börsenwert eingebüßt hat. Das Geschäft hat noch einen weiteren Vorteil für BP: Das Unternehmen erkauft sich Wachstum, denn es bekommt Zugang zu Rosneft-Ölfeldern in der Arktis, die als äußerst ertragreich gelten. Gemeinsam wollen die Unternehmen diese Region erschließen. BP hat sich zuletzt von einigen Öl- und Gasfeldern getrennt, um mit dem Erlös für die Kosten der Ölkatastrophe in den USA gerade stehen zu können.

Für Rosneft bringt das Geschäft vor allem zwei Dinge: Das russische Unternehmen bekommt einen Technologiepartner, der das notwendige Know-how hat, um in der Arktis nach Öl zu bohren, und eine größere Bedeutung im internationalen Ölgeschäft.

BP und Rosneft haben am Freitag an Aufwand nicht gespart, um die Bedeutung dieser Vereinbarung zu unterstreichen. Mit einer großen Delegation ist die russische Seite nach London gekommen, angeführt von dem stellvertretenden Premierminister und Rosneft-Aufsichtsratsvorsitzendem Igor Sechin. BP sei eines der professionellsten Konzerne der Welt, lobt Sechin, ein Unternehmen, das nach den Erfahrungen im Golf von Mexiko noch über einen weiteren enormen Wettbewerbsvorteil verfüge: Es kenne jetzt die Gründe für die Ölkatastrophe und wisse, wie ein solches Desaster in Zukunft zu vermeiden sei.

Kommentare (2)

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Zeitzeuge

15.01.2011, 12:22 Uhr

Es gibt Leute, auch in führenden Positionen, die aus der Vergangenheit nichts gelernt haben, dazu zählt auch dieser Herr Dudley. Putins Ehrenwort ist weniger wert, als ein Glas Wodka! Alles erinnert auch irgendwie an die Kumpanei Stalin - Churchill, die sich für die großen Spieler der Geschichte hielten. Die einzige Lehre, die vernünfitge Politiker und Unternehmer ziehen können: Wir sollten uns freimachen von russischen Energieimporten!

Für mich persönlich ein Grund mehr, nicht bP-Produkte zu kaufen!

Andreas

15.01.2011, 15:33 Uhr

Mir ist noch etwas zur "fortlaufenden Entwicklung kollabierender Systeme" eingefallen. Sicherlich sollte zunächst die emergierende und damit generative Entwicklung von Systemen an der Peripherie von kollabierenden Systemen erwähnt werden. Hierunter sind auch jene organisierte Systeme zu zählen, die konsequent eine bestimmte Ebene der Organisationsleistung halten und diese zur Modifikation voran treiben.

Hauptsächlich aber geht es um die Personen, die innerhalb des kollabierenden Systems bzw. innerhalb der kollabierenden Systeme einem zunehmend anwachsenden Zivilisationsdruck ausgesetzt sind. Eine Möglichkeit ist die organisationsbedingte Kanalisation von Zivilisationsdruck über Flucht oder Auswanderung. Sollte es z.b. so seyn, dass die USA chancenlos vor der zunächst doch bestehenden degenerativen Entwicklung stehen bleiben, so müsste eine legale/illegale Abwanderung nordwärts in Richtung Kanada erfolgen. Diesbezüglich kann kein Stereotyp ausgeschlossen werden, was zunächst durch Hoffnung auf einen Neuanfang und Flucht vor der Gefahr begründet zu werden hat. Nichtsdestotrotz sollten kollabierende Systeme versuchen, Kanalisationsmöglichkeiten zu zulassen. Diese Kanalisation kann auch die Annahme von Hilfe durch Freunde seyn.

ich persönlich habe die USA für die kommenden 12-16 Jahre abgeschrieben. ich bin mir sogar fast schon sicher, dass die USA demnächst gravierende Hilfe brauchen. Das ist leider so.

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