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04.08.2016

14:23 Uhr

Stada

Der neue Chef sieht sich fest im Sattel

Um die Macht beim Arzneimittelhersteller Stada wird derzeit hart gerungen. Das laufende Geschäft bringt jedoch gute Nachrichten für den Konzern. Der neue Chef sieht sich unterdessen nicht als Übergangslösung

Der Konzern macht starke Geschäfte mit Nachahmermedikamenten. dpa

Stada Arzneimittel

Der Konzern macht starke Geschäfte mit Nachahmermedikamenten.

FrankfurtDer neue Stada-Chef Matthias Wiedenfels sieht sich bei dem Arzneimittelhersteller nicht als Übergangslösung. „Ich bin der Vorstandsvorsitzende dieses Unternehmens. Punkt“, sagte der Manager, dessen Amtsvorgänger Hartmut Retzlaff erkrankt ist, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt.

Vorstand und Aufsichtsrat seien von seinem Vorgänger Hartmut Retzlaff informiert wurden, dass dessen Krankheit länger andauern werde. „Wenn Herr Retzlaff zurückkäme, wäre er einfaches Vorstandsmitglied, im Übrigen auch eines ohne Geschäftsbereich“, sagte Wiedenfels. Dann wäre es Aufgabe des Aufsichtsrates, ihm wieder ein Geschäft zuzuweisen - oder auch den Vorstandsvorsitz. Darüber wolle er aber nicht spekulieren, sagte der 43-jährige.

Der 62-jährige Retzlaff, der mehr als 20 Jahre an der Spitze von Stada stand und wegen seines Führungsstils sowie hoher Pensionszusagen in Kritik geraten war, lässt sein Amt seit zwei Monaten „bis auf Weiteres“ ruhen. Seither wird der unter Druck von aktivistischen Investoren stehende Konzern aus Bad Vilbel bei Frankfurt von Wiedenfels geführt, der zuvor im Vorstand für die Unternehmensentwicklung zuständig war.

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Im Reuters-Interview betonte Wiedenfels, er wolle den Konzern länger führen. „Ich begreife mich nicht als Interims-Vorstandschef.“ Entgegen Medienberichten gebe es auch keinen Machtkampf um den Chefposten. „Eine Streitigkeit über die Führung dieses Konzerns führe ich mit Herrn Retzlaff nicht und er mit mir auch nicht.“ Vielmehr bestehe zu ihm ein freundschaftliches Verhältnis.

Wiedenfels will den Kurs seines Vorgängers fortsetzen und Stada stärker auf das profitablere Geschäft mit Markenprodukten wie der Sonnenschutzpflege Ladival und dem Erkältungsmittel Grippostad C ausrichten. Der Umsatzanteil des stark regulierten Generikamarktes soll dagegen schrumpfen. Dieses bleibe aber die Basis für das Geschäft der Hessen. „Das Cash verdienen wir im generischen Bereich, investieren wollen wir es vor allem im Markenbereich.“ Der Vorstand, der neben Wiedenfels aus Finanzchef Helmut Kraft besteht, wolle das Rad nicht neu erfinden, das Unternehmen solle aber effektiver geführt werden. „Das Credo dieses Managements ist eine weitere Verbesserung der Profitabilität.“

Im ersten Halbjahr steigerte Stada den bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) um sieben Prozent auf gut 202 Millionen Euro, der Umsatz legte um ein Prozent auf 1,03 Milliarden Euro zu. Dabei profitierte die Firma von einem starken Geschäft mit Nachahmermedikamenten in Deutschland sowie mit Markenprodukten. Für das Gesamtjahr rechnet Wiedenfels unverändert mit einem leichten Anstieg von Umsatz und bereinigtem Gewinn.

Der aktivistische Investor Active Ownership, der mehr als fünf Prozent an Stada hält, ist seit Monaten offen auf Konfrontationskurs. Er hält das Unternehmen für schlecht gemanagt und will einen Großteil des Aufsichtsrates austauschen. Kritik, der Vorstand verfüge nicht über ausreichende pharmazeutische Erfahrung, wies Wiedenfels zurück. Finanzchef Kraft und er verfügten über langjährige Branchenerfahrung. Der Vorstand habe mit den Quartalszahlen "eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass wir unser Handwerk verstehen."

Von

rtr

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