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27.08.2016

08:54 Uhr

Stada trennt sich von AR-Chef Martin Abend

Umsturz in Stunde 13

VonSiegfried Hofmann, Jakob Blume

Die Revolution bei Stada ist gelungen – aber nicht ganz so, wie es sich die Revolutionäre vorgestellt haben. Das ist das Ergebnis einer der spannendsten und ungewöhnlichsten Hauptversammlungen seit vielen Jahren.

Die Sensation ist perfekt: Der Aufsichtsratschef des Pharmakonzerns muss gehen. dpa

Stada

Die Sensation ist perfekt: Der Aufsichtsratschef des Pharmakonzerns muss gehen.

FrankfurtIm Tauziehen um die Neuausrichtung des Bad Vilbeler Pharmaherstellers haben sich Opponenten von der Investmentgesellschaft Active Ownership Partners (AOC) nur teilweise durchgesetzt und trotzdem einen Umbruch eingeleitet. Die entscheidenden Ergebnisse der Hauptversammlung: Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Martin Abend wurde abgewählt, insgesamt fünf Vertreter der Kapitalseite ziehen neu in den neunköpfigen Aufsichtsrat ein. Carl Ferdinand Oetker, der einzige Kapitalvertreter, der bisher schon im Kontrollgremium von Stada saß, wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt. Und in dieser Rolle hatte er umgehend eine Botschaft parat, mit der beide Seiten leben können: „Wir sind uns einig, dass wir im Interesse des Unternehmens auf dem Weg der Erneuerung konsequent weiter voranschreiten wollen; und das im richtigen Maß und Tempo.“

Mangelndes Krisenmanagement lautete einer der vielen Vorwürfe gegen Martin Abend. dpa

Stada - Martin Abend

Mangelndes Krisenmanagement lautete einer der vielen Vorwürfe gegen Martin Abend.

Auch die AOC-Vertreter zeigten sich zufrieden: „Die Aktionäre von Stada haben sich heute eindeutig für eine Erneuerung der Aufsichtsratsspitze bei Stada und damit der Corporate Governance der Gesellschaft ausgesprochen“, erklärten die AOC-Mitgründer Florian Schuhbauer und Klaus Röhrig. Auch die Tatsache, dass das vom Stada-Vorstand vorgeschlagene Vergütungssystem mit rund drei Viertel der Stimmen abgelehnt wurde, werten sie als klaren Erfolg. „Dies sind bedeutende Schritte für Stada.“

AOC hatte den Machtkampf um die Besetzung des Stada-Aufsichtsrats im Mai mit dem Verlangen angestoßen, das Gremium weitgehend neu zu besetzen. Am Ende brachten die Investoren aber nur einen eigenen Kandidaten durch, den früheren Novartis-Manager Eric Cornut, der anstelle Abends in den Aufsichtsrat gewählt wurde. Im übrigen wurden vier Kandidaten neu gewählt, die Stada selbst in Reaktion auf den AOC-Vorstoß selbst vorgeschlagen hatte: der frühere Amgen-Manager Rolf Hoffmann (57), Birgit Kudlek (49), zuletzt Chief Operating Officer bei Aenova, Opel-Marketing Vorstand Tina Müller (47) sowie Gunnar Riemann (58), der früher die Environmental Science bei Bayer Crop Science geleitet hatte. Kudlek und Riemann setzten sich dabei in Kampfabstimmungen gegen Kandidaten von AOC durch. Hoffmann und Müller wurden auch von AOC unterstützt und daher als einzige mit klaren Mehrheiten von rund 99 Prozent gewählt.

Mehr als 13 Stunden dauert die denkwürdige Hauptversammlung. Sie war weniger turbulent als von vielen erwartet, mündete gegen Ende aber in einem komplizierten und teilweise umstrittenen Abstimmungs-Prozedere. Zwischenzeitlich stand zu befürchten, dass gar nicht alle Tagesordnungspunkte bis Mitternacht abgehandelt werden könnten. Erst nach 23 Uhr stand schließlich die letzte und spannendste Entscheidung fest, die Abwahl Abends und die Wahl Cornuts. Die von AOC ebenfalls vorgeschlagene Abwahl Oetkers wurde dagegen zuvor mit klarer Mehrheit abgelehnt, ebenso wie die beiden Aufsichtsrat-Kandidaten Hans-Helmut Fabry und Klaus-Joachim Krauth.

Ganz im Sinne einer echten Aktionärsdemokratie lieferte die Versammlung damit ganz unterschiedliche, zum Teil relativ knappe und auch überraschende Ergebnisse. Für die Abwahl Abends stimmten rund 55 Prozent des vertretenen Kapitals. Kudlek und Riemann hatten im ersten Anlauf keine Mehrheit hinter sich und setzten sich erst in einer Stichwahl gegen die AOC-Kandidaten durch. Dieses Ergebnis werden die Investoren womöglich gerichtlich anfechten.

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