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14.07.2015

12:16 Uhr

Stagnation im Maschinenbau

Warnschuss für die deutsche Industrie

VonMartin Wocher

Stagnation im Maschinenbau: Die Schlüsselindustrie hat ein schwaches erstes Halbjahr hinter sich und kappt die Produktionsprognose. Gleich mehrere Märkte machen Probleme. Wie die Maschinenbauer gegensteuern.

„Wir verzeichnen derzeit einen Rückgang bei den Aufträgen auf allen Märkten.“ dpa

Mähdrescher von Claas

„Wir verzeichnen derzeit einen Rückgang bei den Aufträgen auf allen Märkten.“

DüsseldorfEs läuft nicht richtig rund: Seit Monaten schon dümpelt der erfolgsverwöhnte deutsche Maschinenbau vor sich hin und wartet auf den ersehnten Aufschwung. Die Kunden im In- und Ausland wollen einfach nicht so recht in neue Maschinen und Anlagen investieren. Dabei war die Vorzeigebranche im April auf der Hannover Messe noch so optimistisch gestimmt. Zwei Prozent Produktionswachstum seien auf jeden Fall drin, hieß es. Zwar war der Start ins Jahr eher verhalten ausgefallen, die Maschinenbauer waren aber zuversichtlich, im Laufe des Jahres noch kräftig nachlegen zu können.

Doch davon ist jetzt keine Rede mehr: Die Zeichen stehen auf Stagnation. Statt der erwarteten zwei Prozent rechnet Deutschlands größte Industriebranche mit mehr als einer Million Arbeitsplätzen nur noch mit einer mageren Null beim Produktionszuwachs bis Ende des Jahres. Auch das ist noch ambitioniert, denn in den ersten vier Monaten lag das Minus bei 1,4 Prozent, im Mai waren es noch einmal knapp sieben Prozent.

Die größten Maschinenbauer Deutschlands

Platz 11 – Stihl

Umsatz in 2013: 2,81 Milliarden Euro

Stihl ist ein schwäbisches Familienunternehmen mit Hauptsitz in Waiblingen-Neustadt, tätig in über 160 Ländern. Stihl entwickelt, fertigt und vertreibt motorbetriebene Geräte für die Forstwirtschaft, Landschaftspflege und die Bauwirtschaft.

Platz 10 – Rolls-Royce Power Systems

Umsatz 2013: 3,35 Milliarden Euro

Die deutsche Firma mit Hauptsitz in Friedrichshafen hieß bis Januar 2014 noch Tognum. Sie bietet Dieselmotoren und Antriebssysteme an und ist seit 2007 an der Börse notiert.

Platz 9 – SMS Group

Umsatz 2013: 3,5 Milliarden Euro

Die SMS Group ist der Dachgesellschaft SMS Holding GmbH untergeordnet und verarbeitet Stahl und Nichteisenmetalle. Alleinaktionär ist die Familie um den deutschen Unternehmer Heinrich Weiss.

Platz 8 – MAN

Umsatz 2014: 3,75 Milliarden Euro (MAN Power Engineering)

Die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ wurde bereits 1758 gegründet und war zunächst für Eisenverarbeitung zuständig. Seit 2011 hält Volkswagen die Mehrheit am Konzern.

Platz 7 – Gea

Umsatz 2014: 4,52 Milliarden Euro

Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf und ist auf die Herstellung von Prozesstechnik und Komponenten im Maschinenbau spezialisiert. Es wurde 1881 gegründet.

Platz 6 – Kion

Umsatz 2014: 4,68 Milliarden Euro

Die Wiesbadener Kion-Gruppe wurde 2006 gegründet, baut Gabelstapler und Lagertechnikgeräte. Sie ging aus der Linde AG hervor und ist seit 2013 an der Börse.

Platz 5 - Knorr Bremse

Umsatz 2014: 5,2 Milliarden Euro

Das Unternehmen aus München ist der weltweit führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. gegründet wurde es 1905 in Berlin.

Platz 4 – Voith

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14: 5,35 Milliarden Euro

Die Wurzeln des Heidenheimer Maschinenbau-Unternehmens gehen bis in das Jahr 1867 zurück. Voith befindet sich im Besitz der Gründerfamilie. Das Unternehmen beliefert unter anderem Wasserwerke, Automobilhersteller und die Papierindustrie.

Platz 3 – Thyssen-Krupp

Umsatz 2014: 6,27 Milliarden Euro (nur Thyssen-Krupp Industrial Solutions)

Deutschlands größter Stahlkonzern sitzt in Essen und entstand 1999 in Folge der Fusion von Hoesch-Krupp und Thyssen. Die historischen Wurzeln reichen in die Phase der industriellen Revolution in Deutschland zurück.

Platz 2 – Linde

Umsatz 2014: 17,05 Milliarden Euro

Die Linde-Gruppe sitzt in München und betreibt weltweit ihr Kerngeschäft mit Gasen und Prozess-Anlagen. Das 1879 gegründete Unternehmen ist börsennotiert und im Dax gelistet.

Platz 1 – Siemens

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14: 17,06 Milliarden Euro (nur Siemens Industry)

Das Dax-Unternehmen mit Sitz in Berlin und München ist Deutschlands größter Technologiekonzern. Die Firma wurde 1847 von Werner Siemens gegründet und setzt den Fokus auf Elektrotechnik.

Auch große Unternehmen der Branche wie der Anlagenbauer Voith spüren die labile Weltkonjunktur. „Es gilt überall erhebliche Risiken für die wirtschaftliche Erholung“, heißt es bei dem Spezialisten für Papiermaschinen und den Turbinenbau. „2015 wird ein schwieriges Jahr für den Maschinenbau.“

Es ist die Fülle an Risiken, die der Branche zu schaffen macht. Der Preisverfall bei den Rohstoffen, die Russlandkrise, die politischen Unsicherheiten in Europa – alles dämpft die Investitionsneigung der Unternehmen. Und zwar weltweit. Selbst Landtechnik-Hersteller wie Claas spüren die Zurückhaltung. „Wir verzeichnen derzeit einen Rückgang bei den Aufträgen auf allen Märkten“, heißt es bei dem Traktor- und Mähmaschinenbauer.

Das alles ist derzeit noch kein Grund zur Panik, schließlich sind die Orderbücher der Firmen noch gut gefüllt – die Kapazitätsauslastung lag zuletzt bei 84 Prozent, der Auftragsbestand reicht für ein halbes Jahr. Es ist aber ein erster Warnschuss auch für andere Teile der deutschen Industrie, dass die Zeiten härter werden und die Weltkonjunktur sich von ihrer labilen Seite zeigt.

Kommentare (2)

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14.07.2015, 14:53 Uhr

Die marktfeindliche Energiewende = EEG wird nicht nur der deutschen Volkswirtschaft noch sehr viele Probleme bereiten, sondern wirkt sich auch auf den gesamten EU Raum aus. Wenn die Politik meint, mit einen EEG Gesetz das Produkt Strom und Wärme künstlich verteuern zu müssen und bestehen Werte (Kraftwerkmixpark von Kohle, Gas und vor allen Uran) zu vernichten, dann kann es mit der deutschen Industrie/Unternehmen und der ganzen Gesellschaft nur bergab gehen.
Da hilft dann auch keine digitale Industrie 4.0. Denn die Digitale Welt ist um so mehr auf einen billigen und zuverlässigen Strom (Versorgung) angewiesen. Und die Energiewende ist alles andere als billig und zuverlässig!

Herr Marc Otto

14.07.2015, 15:02 Uhr

evlt könnte sich das durch die IRAN Öffnung nun bessern.

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