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20.03.2014

14:47 Uhr

Stagnierende Umsätze

Schaeffler hat mit Sonderlasten zu kämpfen

Dass er die Preise mit Konkurrenten abgesprochen hat, bekommt der Autozulieferer Schaeffler nun in der Jahresbilanz zu spüren: Wegen erheblicher Straf-Rückstellungen stockt der Schuldenabbau.

Die Ursachen für das schwache Ergebnis liegen lang zurück und sind komplex wie dieses geteilte Zylinderrollenlager von Schaeffler: Wegen früherer Verfehlungen muss der Zulieferer nun büßen. dpa

Die Ursachen für das schwache Ergebnis liegen lang zurück und sind komplex wie dieses geteilte Zylinderrollenlager von Schaeffler: Wegen früherer Verfehlungen muss der Zulieferer nun büßen.

MünchenEine Kartellstrafe bremst den Autozulieferer Schaeffler beim weiteren Abbau seiner Milliarden-Verbindlichkeiten. Für dieses Jahr seien keine größeren Entschuldungsschritte zu erwarten, sagte Interims-Konzernchef und Finanzvorstand Klaus Rosenfeld am Donnerstag in München. Die EU-Kommission hatte am Mittwoch ein Bußgeld von fast einer Milliarde Euro gegen mehrere Kugellager-Hersteller wegen illegaler Preisabsprachen verhängt. Auf Schaeffler entfallen allein 370,5 Millionen Euro, die das fränkische Familienunternehmen laut Rosenfeld wohl im zweiten Quartal überweisen muss. Wegen der hohen Sonderbelastung sei es 2014 „gut, wenn wir den Verschuldungsgrad halten, vielleicht noch etwas reduzieren können“. Für das operative Geschäft äußerte er sich zuversichtlich.

Der Umsatz werde währungsbereinigt um fünf bis sieben Prozent zulegen, erklärte Rosenfeld, der die Aufgaben des Vorstandschefs im Sommer an den Knorr-Bremse-Manager Klaus Deller übergibt. Das Geschäft mit den Hauptkunden aus der Autoindustrie werde deutlich stärker wachsen, während die kleinere Industriesparte darunter liegen werde. Der gesamte Konzern werde eine operative Marge (Ebit) von zwölf bis 13 Prozent erreichen.

2013 hatte der Umsatz bei 11,2 Milliarden Euro in etwa stagniert. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank wegen der Kartellstrafe und weiterer 48 Millionen Euro für Jobabbau um 30,5 Prozent auf 982 Millionen Euro. Die Rendite schrumpfte auf 8,8 Prozent; rechnet man die Sondereffekte heraus, ging die Marge leicht zurück auf 12,6 Prozent. Der Konzernüberschuss gab um fünf Millionen Euro nach auf 865 Millionen. Dabei half den Herzogenaurachern das hohe Beteiligungsergebnis aus ihren Anteilen an Continental - die Hannoveraner lieferten den Löwenanteil des Schaeffler-Gewinns - sowie geringere Zinslasten. Schaeffler hatte im Herbst einen kleinen Anteil an Continental verkauft und in der Folge seine Schulden auf neun Milliarden Euro reduziert.

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Mit Blick auf die Kartellstrafe führte Rosenfeld aus, er könne sich angesichts niedriger Zinsen eine Refinanzierung dafür vorstellen. Ob und auf welcher Hierarchie-Ebene personellen Konsequenzen gezogen werden, wollte er nicht sagen. Der Konzern werde aber alles tun, um solche Dinge in Zukunft zu verhindern. Unwägbarkeiten drohten zudem in den USA und Kanada durch eine Sammelklage; diese ließen sich aber derzeit nicht beziffern.

In Russland, wo der Zulieferer derzeit ein neues Werk baut und dies im Sommer in Betrieb nehmen will, stünde für den Fall von Sanktionen „ein größerer zweistelliger Millionenbetrag“ im Risiko. Das Land sei für Schaeffler ein Zukunftsmarkt. Wachstumspotenzial sieht der Konzern daneben in China. Außerdem will Schaeffler die Zusammenarbeit mit Conti ausbauen. Chancen sehen die Franken bei Hybrid- oder Elektrofahrzeugen, auch wenn sich diese verstärkt erst nach 2020 durchsetzen könnten.

Von

rtr

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