Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.09.2015

19:26 Uhr

Stahlbranche

Zehntausende Stellen durch Überkapazität bedroht

Die Stahlbranche kämpft mit sinkenden Preisen und Überkapazitäten, allein in Deutschland sind es 30 bis 40 Tonnen. Zehntausende von Stellen sind europaweit durch Schließungen bedroht, schätzt der Weltstahlverband.

Der Weltstahlverband sieht europaweit zehntausende Stellen in der Stahlbranche gefährdet. dpa

Überkapazitäten in der Stahlbranche

Der Weltstahlverband sieht europaweit zehntausende Stellen in der Stahlbranche gefährdet.

DüsseldorfMassive Überkapazitäten in der Stahlbranche gefährden nach Einschätzung des Weltstahlverbands Zehntausende von Arbeitsplätzen in Europa. Von möglichen Kapazitätsanpassungen könnten bis zu 70.000 der europaweit noch rund 350.000 Stahl-Beschäftigten betroffen sein. Das sagte der Präsident des Weltstahlverbands, Wolfgang Eder, am Dienstagabend in Düsseldorf.

Allein in Europa bezifferte Eder die Überkapazitäten auf „30 bis 40 Millionen Tonnen“. Von der vorhandenen Gesamtkapazität von rund 210 Millionen Tonnen werde vermutlich nur ein Anteil von etwa 170 Millionen Tonnen tatsächlich gebraucht.

Belastet werde die Stahlproduktion in Europa auch durch politische Rahmenbedingungen, die für eine zusätzliche Kostenbelastung sorgten, so Eder, der auch Chef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine ist. Wenn keine Änderung eintrete, rechne er bis zum Jahr 2030 mit einer Halbierung der europäischen Stahlproduktion.

Derzeit würden in Europa Stahlimporte aus China angeboten, deren Preise zwischen 15 und 20 Prozent unter den Preisen europäischer Hersteller lägen, sagte Eder. In der Branche drohe ein massiver Preiskampf. Betroffen davon seien vor allem die Hersteller technologisch einfacher Stahlprodukte.

Um den Bereich Forschung und Entwicklung bei dem österreichischen Stahlkonzern voranzutreiben, kündigte der Voestalpine-Chef die Gründung eines neuen Entwicklungs- und Testcenters am Standort Düsseldorf an. Geplant sei die Schaffung von zunächst acht bis zehn Stellen an dem Standort. Für Düsseldorf habe man sich unter anderem wegen des guten Forschungsumfelds entschieden.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Der österreichische Stahlkonzern arbeite bereits heute an einer weiteren Automatisierung der Produktionsprozesse in der Stahlindustrie. Etwa in drei bis vier Jahre könne ein Stahlwerk weitgehend ohne Menschen Wirklichkeit werden, meinte Eder. Dadurch könne die Produktivität weiter erhöht und die Fehleranfälligkeit verringert werden.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×