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21.01.2011

08:00 Uhr

Stahlkonzern

Großprojekte belasten Thyssen-Krupp

VonMartin Murphy

Großer Tag bei Thyssen-Krupp: Zum letzten Mal wird der langjährige Vorstandschef Ekkehard Schulz heute die Hauptversammlung leiten – und anschließend an seinen Nachfolger Heinrich Hiesinger übergeben. Die frischen Ergebnisse aus dem vergangenen Quartal des Industriekonzerns sind derweil etwas getrübt.

Scheidender Thyssen-Krupp-Chef Schulz: "Ziele erreicht". dpa

Scheidender Thyssen-Krupp-Chef Schulz: "Ziele erreicht".

BOCHUM. Der Produktionsstart der neuen Werke in Amerika hat den Industriekonzern Thyssen-Krupp im ersten Quartal stark belastet. Die Kosten für das Anlaufen und Abschreibungen würden um rund 300 Millionen Euro höher sein als im Vorjahreszeitraum, teile die Gesellschaft vor dem Start der Hauptversammlung mit.

Im ersten Quartal der vorherigen Berichtsperiode hatten die Hütte in Brasilien und die Weiterverarbeitungswerke in den USA mit 71 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Unerwartet kommt die hohe Belastung nicht: Konzernchef Ekkehard Schulz hatte bereits angekündigt, dass der Großteil der Ausgaben von rund 500 Millionen Euro in der ersten Hälfte des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2010/11 anfallen würden.

Dank der massiven Einsparungen verbleibt in den Monaten Oktober bis Dezember ein gegenüber dem Vorjahr unverändertes bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von rund 277 Millionen Euro. Thyssen-Krupp senkt seine jährlichen Kosten um über zwei Milliarden Euro, drei Viertel des Sparprogramms ist bereits umgesetzt. Der Umsatz lag wie der Auftragseingang bei über elf Milliarden Euro, hieß es. Das bedeutet eine Steigerung um 17 Prozent.

Vorstandschef Schulz zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Geschäftsverlauf und rechnet mit einer weiteren Geschäftsverbesserung. „Das Geschäft hat sich positiv entwickelt und wird es auch weiter tun. Im ersten Quartal zeigt sich, dass wir unsere anspruchsvollen Ziele erreichen werden“, sagte Schulz er.

Nach zwölf Jahren an der Vorstandsspitze von Deutschlands größtem Stahlproduzenten wird Schulz mit der Hauptversammlung die Führung an Heinrich Hiesinger übergeben. Dies wird nicht der einzige Wechsel bleiben. Vergangene Woche hatte Finanzvorstand Alan Hippe seinen Wechsel bekannt geben, er geht zum Pharmakonzern Roche. „Wir verlieren einen sehr guten Mann, was zu bedauern ist. Aber eine solche Chance konnte er nicht ausschlagen“, sagte Schulz.

Nun gehe es darum, einen angemessenen Nachfolger zu finden. Er deutete an, dass Thyssen-Krupp extern nach einem neuen Finanzchef fahndet. „Jeder interne Kandidat muss sich an externen messen lassen müssen. Das ist die gängige Praxis.“

Kommissarisch wird das Amt ab April Heinrich Hiesinger, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme auf der Hauptversammlung des Industriekonzerns. Hiesinger werde sicherlich nur für eine kurze Zeit auch für die Finanzen verantwortlich sein, betonte Cromme. Der scheidende Konzernchef Ekkehard Schulz hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt angedeutet, dass es auf eine externe Lösung hinausläuft. Mit dem Ende der Hauptversammlung wird Hiesinger den Vorstandsvorsitz von Schulz übernehmen, der zwölf Jahre lang das Unternehmen geleitet hat.

Der 69-jährige Schulz hatte den Mischkonzern mit heute 177 000 Mitarbeitern seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999 geführt. Hiesinger gehört seit Oktober bereits dem Vorstand von Thyssen-Krupp an. Er tritt zu einem Zeitpunkt an, zu dem sich Thyssen-Krupp von den Rückschlägen in der Wirtschaftskrise erholt. Schulz hatte mit einem rigiden Sparkurs und Verkäufen verlustreicher Geschäftsbereiche wie dem zivilen Schiffbau das Unternehmen wieder in die Gewinnzone gebracht.

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