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25.07.2014

10:57 Uhr

Stahlkonzern

Thyssen-Krupp macht neuen Anlauf bei VDM-Verkauf

Thyssen-Krupp versucht erneut, seine Tochter VDM zu verkaufen. Der Hersteller von Hochleistungswerkstoffen könnte bis zu 500 Millionen Euro einbringen. Doch im Konzern muss noch einiges umgebaut werden.

Die Firmenzentrale des Stahlkonzern Thyssen-Krupp: Thyssen könnte sich auch dafür entscheiden, VDM zu behalten, wenn die gebotenen Preise weitere Abschreibungen nach sich zögen. dpa

Die Firmenzentrale des Stahlkonzern Thyssen-Krupp: Thyssen könnte sich auch dafür entscheiden, VDM zu behalten, wenn die gebotenen Preise weitere Abschreibungen nach sich zögen.

FrankfurtDer Stahlkonzern Thyssen-Krupp nimmt Finanzkreisen zufolge einen neuen Anlauf zum Verkauf seiner Tochter VDM. Thyssen habe die Deutsche Bank damit beauftragt, den Verkaufsprozess für den Hersteller von Hochleistungswerkstoffen vorzubereiten, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Bevor es losgehen könne, müsse bei VDM allerdings noch einiges umgebaut werden. Thyssen hatte VDM und das Stahlwerk im italienischen Terni wieder von der finnischen Outokumpu zurücknehmen müssen, an die er 2012 sein Edelstahl-Geschäft verkauft hatte. Die Finnen hätten sich damit beinahe übernommen.

Angesichts eines erwarteten operativen Gewinns von 60 bis 70 Millionen Euro bei VDM könnte ein Verkauf den Insidern zufolge mehr als 500 Millionen Euro einbringen. VDM und Terni zusammen waren mit 950 Millionen Euro bewertet worden. Für Terni hatte Thyssen in der vergangenen Woche ein Sparprogramm verkündet, das denm Abbau von 550 Stellen vorsieht. VDM, 1930 als Vereinigte Deutsche Metallwerke gegründet, stellt mit 2000 Mitarbeitern Metall-Legierungen und Spezial-Edelstähle her, die in Chemie-Anlagen oder im Öl- und Gas-Bereich eingesetzt werden. 1988 war VDM von Krupp übernommen worden. Firmensitz ist Werdohl im Sauerland.

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Letztlich könnte Thyssen sich auch dafür entscheiden, VDM zu behalten, wenn die gebotenen Preise weitere Abschreibungen nach sich zögen, sagten die Insider. Die Stahlkonzerne in Europa leiden unter einen niedrigen Nachfrage, doch die Aussichten für Edelstahl und Nickel-Legierungen haben sich in den vergangenen Monaten verbessert. Denn mit einem steigenden Nickel-Preis steigen auch die Preise für Stahlprodukte, in denen das Metall enthalten ist.

Schon Outokumpu hatte versucht, VDM loszuschlagen. Damals hatten sich vor allem Finanzinvestoren wie Lindsay Goldberg, KPS Capital, Triton, Pamplona und Advent dafür interessiert. Banker hoffen darauf, dass sie auch diesmal mit von der Partie sind. Aber auch der Edelstahl-Hersteller Aperam und die deutsch-schweizerische Schmolz + Bickenbach, die dem russischen Milliardär Viktor Vekselberg gehört, könnten bieten, sagte einer der Insider. Thyssen, die Deutsche Bank und die möglichen Bieter wollten sich nicht äußern.

Von

rtr

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