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14.02.2012

08:40 Uhr

Stahlkonzern

Thyssen-Krupp verbucht überraschend Quartalsverlust

Das neue Geschäftsjahr startet der größte deutsche Stahlkonzern mit einem Verlust. Eine Prognose traut sich Konzernchef Hiesinger nicht zu. Die Aktien geraten unter Druck und starten mit einem kräftigen Minus.

Die Zentrale von Thyssen-Krupp in Essen: Über die Edelstahlsparte soll weiter verhandelt werden. AFP

Die Zentrale von Thyssen-Krupp in Essen: Über die Edelstahlsparte soll weiter verhandelt werden.

DüsseldorfDer größte deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp ist auch in das neue Geschäftjahr 2011/12 mit Verlusten gestartet. Dem Dax-Konzern machten im Auftaktquartal eine schwächere Nachfrage nach Stahl und weiterhin hohe Verluste bei den neuen Stahlwerken in Übersee zu schaffen. Hinzu kamen Abschreibungen in der Werftensparte. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel im ersten Quartal ein Fehlbetrag von 357 Millionen Euro an, wie der Mischkonzern am Dienstag mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte Thyssen-Krupp noch einen operativen Gewinn von 273 Millionen Euro verbucht.

Analysten hatten im Schnitt schwarze Zahlen in Höhe von 92,3 Millionen Euro erwartet. Nach Steuern musste Thyssen-Krupp sogar einen Verlust von 480 Millionen Euro hinnehmen nach einem Gewinn von 101 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Geschäftszahlen wurden mit Enttäuschung aufgenommen und setzten die Aktien des größten deutschen Stahlkonzerns am Dienstag unter Druck. Mit einem Minus von 4,5 Prozent waren sie im frühen Geschäft von Lang & Schwarz der mit Abstand schwächste Wert im Dax.

Einen Ausblick auf das Ende September endende Geschäftsjahr 2011/12 wagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger weiterhin nicht. „Die weiterhin unsichere gesamtwirtschaftliche Situation lässt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch immer keine verlässliche Prognose für das Gesamtjahr zu“, sagte er.

Der Auftragseingang stagnierte im Auftaktquartal bei 11,26 Milliarden Euro. Das europäische Stahlgeschäft musste wegen der abgeschwächten Stahlnachfrage einen Rückgang des Ebit auf 102 (Vorjahr: 258) Millionen Euro hinnehmen. In der amerikanischen Stahlsparte werden die Verluste allmählich geringer. Sie fuhr ein Minus von 288 Millionen Euro ein - 90 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal will Hiesinger dort die Verluste weiter nach unten schrauben. Auch im gesamten Konzern werde das bereinigte Ergebnis im Quartal von Oktober bis Ende Dezember nicht repräsentativ für das Gesamtjahr sein.

Vor allem die neuen Stahlwerke in Übersee sind seit Jahren ein Bremsklotz für Thyssen-Krupp mit rund 171.000 Beschäftigten. Die Kosten für die Werke in Brasilien und den USA waren auf rund zehn Milliarden Euro explodiert. Hohe Anlaufkosten und eine schwächer als ursprünglich erwartete Stahlkonjunktur in Nordamerika machen Hiesinger zusätzlich zu schaffen. Er hatte im vergangenen Geschäftsjahr vor allem wegen der Probleme mit den neuen Werken rund 2,9 Milliarden Euro abgeschrieben. Dadurch hatte der Mischkonzern 2010/11 einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht.

Kommentare (1)

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Profit

14.02.2012, 11:27 Uhr

Thyssen-Krupp (TK) gerät im tiefer in die selbstverschuldete Krise, die letztlich zu einem handfesten Liquiditätsproblem werden kann oder vielleicht schon ist. Die Neu-Investionen in Brasilien und in den USA sind Fässer ohne Boden. Jetzt versteht man auch die Gerüchte um die Fusion von TK mit Siemens. Cromme (AR bei TK und Siemens!) will vermutlich an die Kasse von Siemens. Wenn die Fusion schon kein kurzfristiges Ziel sein kann, so besteht doch die Gefahr, daß Cromme, der Herr der Corporate Governance-Regeln (!), Siemens (sein Bub Löscher und sein Diener Käser) veranlaßt, einen entsprechenden Kredit an TK (CEO Hiesinger, vormals Siemens) zu geben. Nur gut für Cromme, daß Siemens mittlerweile eine Banklizenz hat. So kann man das Manöver als gaaanz normales Bankgeschäft verkaufen. Im Cromme-Land stinkt es gewaltig! Alle Siemens-Aktionäre müssen jetzt sehr wachsam sein. Die Wirtschafts-Journalisten passen leider nie frühzeitig auf, sondern berichten erst dann, wenn das Desaster schon eingetreten ist.

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