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15.01.2011

11:36 Uhr

Stammwerk Turin

Umstrittener Fiat-Tarifvertrag knapp angenommen

Fiat-Chef Sergio Marchionne hat sich durchgesetzt: Die mehr als 5000 Beschäftigten im Turiner Stammwerk haben dem neuen umstrittenen Tarifvertrag mit knapper Mehrheit zugestimmt. Für die Arbeitnehmer bedeutet das längere Arbeitsschichten und kürzere Pausen. Der Fiat-Chef lockte die Arbeiter mit einer Investitionsinitiative.

Trotz Gewerkschaftsprotesten: Die Fiat-Mitarbeiter stimmten dem neuen Tarifvertrag mit knapper Mehrheit zu. dpa

Trotz Gewerkschaftsprotesten: Die Fiat-Mitarbeiter stimmten dem neuen Tarifvertrag mit knapper Mehrheit zu.

HB MAILAND. Der italienische Autohersteller Fiat hat den Beschäftigten mit einem milliardenschweren Investitionsversprechen weitreichende Zugeständnisse abgetrotzt.

In einer wegweisenden Vereinbarung mit dem Management stimmte die Belegschaft des Turiner Stammwerks Mirafiori mit knapper Mehrheit einer Reihe von Einschränkungen zu, wie die Gewerkschaften am Samstag mitteilten. Damit sollen Streiks und die hohen Fehlzeiten begrenzt werden. Im Gegenzug will Fiat-Chef Sergio Marchionne frisches Geld in die fünf verlustträchtigen heimischen Standorte stecken und damit deren Überleben sichern. Für den Fall einer Zustimmung hatte er eine Investitionsoffensive über eine Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Andernfalls sollte das Geld im Ausland eingesetzt werden.

Der Vertrag sieht eine Reduzierung der Arbeitspausen sowie eine höhere Zahl an Wochenschichten vor. Ferner kann Fiat von jedem Beschäftigten im Jahr 120 Überstunden verlangen, ohne dass die Gewerkschaften dem zustimmen müssen.

Die Einigung beim größten italienischen Industriekonzern soll den Anstoß geben für eine grundlegende Reform der Arbeitsbedingungen in der gesamten Wirtschaft. Mit der 20 Milliarden Euro schweren landesweiten Initiative "Fabbrica Italia" soll die heimische Produktion bis 2014 verdoppelt werden. Streiks und immense Fehlzeiten durch Krankschreibungen zur Verlängerung von Urlaub und Feiertagen gelten als große Hemmnisse in Italiens Wirtschaft.

Hoffnung auf neue Ära

An dem Referendum nahmen 96 Prozent der Mirafiori-Beschäftigten teil. Davon stimmten nach Angaben der Gewerkschaften 54 Prozent für den neuen Vertrag.

Konzernmanagement und Regierung begrüßten das Ergebnis und äußerten Hoffnung auf den Beginn einer neuen Ära. "Jetzt müssen wir die Kontroversen und gegensätzlichen Positionen hinter uns lassen und die vor uns liegenden Herausforderungen konstruktiv angehen", erklärte der Fiat-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann.

Die Gewerkschaft FIM forderte, die zugesagten Gelder rasch flüssigzumachen. "Jetzt wird der Entwicklungsplan für Mirafiori losgehen", sagte Generalsekretär Bruno Vitali der Nachrichtenagentur Reuters. Europas sechstgrößter Autohersteller baut in seinem Stammwerk den Punto. Künftig sollen dort auch neue Alfa-Romeo- und Chrysler-Modelle von den Bändern rollen.

Kritik kam dagegen von der linksgerichteten Gewerkschaft Fiom, die gegen die Neuregelungen Front macht. "Ein "Nein'-Votum von 46 Prozent erscheint mir enorm", sagte Fiom-Vertreter Giorio Airaudo zu Reuters. Im Werk Pomigliano hatten die Beschäftigten über den Vertrag bereits abgestimmt. Die Zustimmungsquote lag dort bei 60 Prozent.

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